Mallorca 2011
Auf den ersten Blick, die Insel der Deutschen und Ballermänner. Auf dem Zweiten offenbart sich ein ganz anderes Mallorca – ruhiger, schöner, verträumter…
Mallorca anders kennenlernen war also unser Ziel. Auf die Idee brachte mich allerdings ein Artikel im Radsportmagazin TOUR der über den etwas anderen Mallorcaurlaub berichtete. Von der dort beschriebenen Idee Finca und Rennrad war ich recht schnell angetan. Aber es sollte ca. noch ein ganzes Jahr vergehen bis der Gedanke “Das wäre doch mal was anderes” in die Tat umgesetzt wurde. Kein Pauschalhotel sondern eine ruhige Finca eventuell mit Halbpension und allen sonstigen Annehmlichkeiten sollte es sein. Die ganze Reise war mehr darauf ausgelegt ein schöner entspannender Urlaub denn ein Trainingslager zu sein. Da passte es auch ganz gut, das mich diesmal meine Freundin begleitete. Auch die Tourplanung wurde recht spontan gemacht, sprich direkt vor Ort und am Vorabend wurde die Tour für den nächsten Tag geplant. Endgültig gebucht wurde im Februar und somit war dem Termin 10. April bis 17. April 2011 mal fixiert.
Am Abend des 10. April ging es dann von Graz mit NIKI im Direktflug nach Mallorca. Sowohl Mietauto, ein Ford Focus, als auch unser Hotel das Monnaber Nou, hatten wir schon vorab gebucht. Das Monnaber Nou liegt inmitten eines Naturparks am Fuße des Tramuntanagebirges im Nordwesten der Insel. Das Hotel ist ein renoviertes Herrenhaus, mit seinem Ursprung aus dem 13. Jahrhundert, umgeben von über 150 Ha unverbauter Landschaft.
Wie man sowohl auf der Homepage als auch im Video gut erkennen kann liegt das Hotel in einer traumhaft anmutenden Landschaft in der Nähe von Campanet. Sowohl die Aussenanlagen als auch die Freundlichkeit des Personals sucht seinesgleichen. In Summe überfüllte das Monnaber Nou meine ohnehin schon hohen Erwartungen.
Da wir am Anreisetag erst recht spät (ca. 22.00 Uhr) im Hotel ankamen stand am ersten Tag lediglich eine kleine Runde am Programm. Außerdem mussten ja auch noch unsere Mieträder ausgeliehen werden. Die Räder, beinahe hätte ich ja keine mehr bekommen, da ich mir bis 1 Woche vor Abreise mit der Reservierung Zeit lies. Natürlich war um diese Zeit (März und April ist Hochbetrieb) beim größten und bekanntest Verleihservice Max Huerzeler nichts mehr zu bekommen. Gut, kein Problem ist ja der Bekannteste, dachte ich mir. Nach weiteren 5 Absagen wurde ich dann doch nervös – immer die gleiche Antwort: “Alles ausgebucht”. Bei Cyclista wurde ich zu meiner Erleichterung dann doch noch fündig, und ich sollte es nicht bereuen. Ein wirklich gutes Preis Leistungsverhältnisse sowie sehr sympathische Chefleute (übrigens Oberösterreicher) hinterließen bei mir einen sehr guten Eindruck. Somit werde ich auch bei meiner nächsten Mallorcareise mit ziemlicher Sicherheit wieder bei Cyclista meine Räder ausleihen – allerdings wird die Reservierung deutlich früher gemacht werden! Das Mietrad, ein Stevens Alu-Carbon-Rad mit Shimano Ultegra Kompaktgruppe inklusive Versicherung und Endreinigung kostete uns 110 Euro. Bei diesem Preis finde ich es auch ziemlich sinnlos das eigen Rad mitzunehmen, denn man erspart sich sowohl die Schlepperei am Flughafen als auch die Sorge um das Rad beim Transport.
Um 13.00 Uhr saßen wir schließlich am Rad und mit dem Ziel Port de Pollenca hatten wir auch eine wirklich schöne Eingewöhnungstour ausgesucht. Und wir waren nicht alleine! Ich glaube mich nicht erinnern zu können schon jemals soviel Rennradfahrer gesehen zu haben. Vom Monnaber Nou führte eine schmale Strasse durch das Vall de Polenca in Richtung Port de Pollenca. Dabei durchfährt man am Fuße des Tramuntanagebirges zumeist Olivenhaine oder Schafwiesen und immer wieder tauchen links und rechts wunderschöne Fincas auf. Nur vereinzelt trifft man dabei auf Autos, was auch wohl daran liegen mag das dieses Tal als markierter Radweg ausgewiesen ist. Und wenn dann mal ein Auto auftaucht stellt das auch kein Problem dar, da sich zum Einen die Autofahrer an die Rennradfahrer, vor allem um diese Jahreszeit gewöhnt haben, und zum Anderen extrem Rücksichtsvoll agieren.
Am Ende des Tals muss mann dann leider doch auf eine stark befahrene Hauptstrasse einbiegen. Aber glücklicherweise sind auf der Insel alle Hauptstrassen mit sehr breiten Radwegen versehen, sodaß auch diese stärker befahrenen Strassen nicht unbedingt gemieden werden müssen. Nach weiteren 10 Kilometern landeten wir schließlich glücklich am Port, wo wir uns zur Stärkung mit einem etwas überteuerten Bananensplit (8 Euro) belohnen. Nach fast ausschließlich negativen Höhenmetern geht es nun wieder zurück zum Hotel wobei Hauptstrassen so gut als möglich gemieden wurden. Am Ende des Tages stehen 56 Kilometer und 300 Höhenmeter auf dem Tachometer.
Der zweite Tag steht ganz im Zeichen des Tramuntanagebirges und mit 66 Kilometern und 1200 Höhenmetern auch keine ganz allzu leichte Etappe auf dem Programm. Los geht es wie immer so um 10.00 Uhr herum in Richtung Selva, weiter nach Mancor de la Vall und Caimari. Auf dieser Strecke ist man praktisch nur auf Radwegen oder die als solche ausgeschildert sind unterwegs. Auch landschaftlich lässt dieser Abschnitt wirklich keine Wünsche offen – Olivenbäume und die Tramuntana sind dein ständiger Begleiter. Nach Caimari wartet der erste richtige Pass der Coll de Sa Bataia mit 9.5 Kilometer Steigung auf uns. Der Coll de Sa Bataia (579 m) markiert die Einmündung der PM213 in die Westküstenstraße C710, die ca. 400 m vom Hochpunkt entfernt liegt. Zwei Straßen führen hinauf – die Westküstenstraße aus dem 20 km entfernten östlich gelegenen Pollenca und die PM213 aus dem 16 km entfernten südlichen Inca.
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Der Col de Sa Bataia bietet eigentlich alles was ein Pass bieten muss: enge Kehren, schöne Ausblicke und steile Passagen, naja allzu steil wird es eigentlich nie. Obwohl die gesamte Anfahrt durch recht dichten Kiefernbewuchs führt, eröffnen sich immer wieder schöne Blicke nach unten ins Tal und auf den unter uns liegenden Weg. Die Straße ist mit zwei Spuren relativ breit, aber so ist es sie fast überall hier an der Westküste. Linker Hand erhebt sich bald ein kegelartiger Berg, in den eifrige Bergbauern Terrassen geschlagen haben, um noch ein wenig Anbaufläche zu gewinnen. Wir gewinnen auch, und zwar an Höhe. Es geht relativ steil hoch zu einem engen, in den Fels gesprengten Einschnitt, nach dem die Straße für etwa einen Kilometer fast eben am Hang entlang führt, der zu unserer Rechten in einen Kessel mündet. Nach Verlassen des Flachstücks geht es noch einmal in mehreren Kehren bergan, bevor man auf 579 m Höhe den Coll de Sa Bataia erreicht. Eine Tankstelle, ein Restaurant und ein Getränkeautomat bieten die Möglichkeit, die Tanks aufzufüllen. Wir entscheiden uns aber für die Weiterfahrt nach Pollenca. Vom Passübergang schlängelt sich die Strasse noch eine Weile am Bergrücken entlang bis dann schließlich die Abfahrt wartet. Mit traumhaft schönen Ausblicken ist man schlussendlich recht bald in Pollenca. Dort kehren wir in einem recht netten Cafe am Hauptplatz ein. Für die Rückfahrt zum Hotel entscheiden wir uns für die verkehrte Route vom Vortag also durch das Vall de Pollenca nach Monnaber Nou.
Am dritten Tag legen wir einen Ruhetag ein – wir sind ja auf Urlaub und nicht im Trainingslager! Mit dem Auto erkunden wir das Tramuntanagebirge und von Soller bis Sa Calobra wird nichts ausgelassen.
Der vierte Tag beginnt mit einer Autofahrt denn wir wollen auch den Osten der Insel ein bisschen näher kennenlernen. Wir starten von Manacor aus in Richtung Portocolom. Leider erweist sich gleich zu Beginn der eingezeichnete Radweg als ein zumindest mit dem Rennrad schwierig zu befahrener Weg, sodass wir recht bald auf die in diesem Abschnitt stärker befahrene MA-4014 ausweichen. Nichtsdestotrotz erreichen wir recht bald Portocolom und bald danach Portopetro mit der Cala d’Or wo wir in uns in einem Innenstadtrestaurant stärken. Die unglaublich günstigen aber auch sehr gut schmeckenden Spaghetti für 4 Euro sind bald verputzt und so machen wir uns bei ca. 27°C auf den Weg nach Felanitx. Auch auf diesem Abschnitt entscheiden wir uns für die Strasse, was aber aufgrund des separaten Radweges kein Problem darstellt. In Felanitx bekommen wir dann auch die ersten Windmühlen zu Gesicht – der Osten von Mallorca ist ja für seine Windmühlen bekannt. Nach einem Nachmittagskaffee geht es schließlich wieder zurück nach Manacor. Nach 82 Kilometern und immerhin noch 800 Höhenmetern sind wir doch recht froh in Mannacor anzukommen.
Mit dem Cap de Formentor steht am fünften Tag das zumindest landschaftlich Highlight auf dem Programm. Allerdings zahlt man für so ein Highlight auch seinen Preis, in unserem Fall 86 Kilometer und 1800 Höhenmeter. Wiederum fahren wir durch das Val de Polenca nach Port de Polenca wo die Anstiege hinaus zum Cap de Formentor auf uns warten. Das Cap de Formentor ist der nördlichste Punkt der Baleareninsel. Es wird durch den Leuchtturm Faro Formentor markiert und von den Mallorquinern auch „Treffpunkt der Winde” genannt. Die 18 km lange Stichstraße von Port de Pollenca führt über die Halbinsel Formentor bis zum Cap. Die Halbinsel fungiert als nördliche Abgrenzung zur Bucht von Pollenca und stellt die östlichen Ausläufer des größten mallorquinischen Gebirges, der Serra de Tramuntana, dar.
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Die vom italienischen Ingenieur Antonio Paretti an der Steilküste gebaute Straße bietet zahlreiche Panoramen über das Küstengebirge und gehört daher zu den schönsten auf Mallorca. Am ersten Hochpunkt, dem Mirador de Mal Pas, wurde Paretti, der auch die Straße nach Sa Calobra gebaut hat, ein Denkmal gesetzt. Da es sich um eine Stichstraße handelt und auch keine größeren Orte auf der Halbinsel liegen, ist der Verkehr fast ausschließlich touristischer Natur und in einem erträglichen Maß zumindest in den Frühjahrsmonaten März, April und Mai. Die Auffahrt beginnt direkt nach dem Ortsausgang von Port de Pollenca auf Meereshöhe. Schon von Beginn an hat man eine unglaublich Aussicht, was fast für die gesamte Strecke gilt. Man kann das Cap zwar nicht direkt mit den Alpenpässen vergleichen, aber zumindest in landschaftlicher Hinsicht bewegt sich das Cap de Formentor auf Augenhöhe. Die Straße führt insgesamt über 18 Kilometer, erreicht aber zunächst bei leichter Steigung im unteren Prozentbereich auf gut 3 Kilometern einen schon von unten zu erkennenden Sattel. Dieser erste Hochpunkt bei knapp 200 Metern, der Mirador de Mal Pas. Weiter geht es dann zunächst 3,5 Kilometer bergab in Richtung Strand von Formentor. Der neue Asphalt, das Wetter und die Aussicht machen diesen kleinen Passübergang zu einem richtigen Schmankerl. Nach der Abfahrt geht es zunächst durch einen Wald auf einer langen Geraden wieder leicht bergauf, bis sich auf der linken Seite wieder ein Blick aufs Meer öffnet. Von hier erkennt man den weiteren Verlauf der Straße entlang der Steilküste und den Eingang zu einem Tunnel. Der rund 100 Meter lange Tunnel ist zwar unbeleuchtet, lässt sich aber recht gefahrlos durchfahren. Nach Ende dieser Steigung verläuft die Straße nun in einem Auf und Ab auf der immer spitzer zulaufenden Landzunge mit wechselnden Ausblicken auf Nord- und Südküste der Halbinsel. In immer kürzeren Abständen bieten sich nach links oder rechts großartige Ausblicke auf das Mittelmeer und die eindrucksvolle Felsenküste. Schließlich erreicht man nach einer weiteren kurzen Abfahrt den letzten Gegenhang mit drei Serpentinen bis zum Leuchtturm. Im Restaurant beim Leuchtturm geniessen wir bei fantastischem Ausblick ein Bier und eine Portion Spaghetti. Komischerweise entdeckt man auch auf der Rückfahrt immer wieder neue Ausblicke die Ihresgleichen suchen.
Mit knapp 100 Kilometern und 800 Höhenmetern steht auch am Abschlusstag eine anspruchsvolle wie auch herausfordernde Tour am Programm. Vom Monnaber Nou geht es diesmal zuerst in Richtung Osten nach Sineu. Die Strassen von Campanet nach Sineu sind recht wenig befahren und landschaftlich durchaus reizvoll – unzählige Olivenhaine und Schafherden sorgen immer wieder für Abwechslung. Sineu selbst ist ein kleines Städtchen von 4000 Einwohnern das vorallem für seinen Kunsthandelsmarkt bekannt ist. In Erinnerung geblieben ist mir aber die “Skyline” der Stadt die mir schon zwei Tage zuvor, auf der Fahrt nach Manacaor, aufgefallen war.
Von Sineu dann weiter Richtung Norden nach Muro und schließlich wieder zum Meer nach Can Picafort. Auf der Strandpromenade von Can Picafort legen wir eine wohlverdiente Pause ein, denn der ständige Gegenwind von Sineu nach Can Picafort zehrt doch einigermaßen an den Kräften. Auch die sonst sicherlich überfüllte Strandpromenade von Can Picafort ist um diese Jahreszeit sehr erträglich, denn bis auf Rennradfahrer und Läufer sind wenige Touristen auszumachen. Nach einer ausgedehnten Pause fahren wir weiter nach Alcudia wo der letzte Höhepunkt der Woche auf uns wartet – da Cap des Pinar. Das Cap des Pinar ist zwar nicht ganz so spektakulär wie das Cap de Formentor, aber spektakuläre Ausblicke findet man auch hier zu genüge. Über recht hügeliges Terrain schlängelt man sich nahe am Meer zum Cap des Pinar. Naja nicht ganz bis zum Cap, denn die sehr gut asphaltierte Strasse wird plötzlich und unerwartet durch ein militärisches Sperrgebiet abgelöst. Bevor wir die Rückfahrt nach Alcudia antreten werden noch ein paar Fotos für die Nachwelt geschossen, sowie zu Sicherheit ein Gel verputzt. Auf einer der Hauptstrassen geht es schließlich von Alcudia nach Sa Pobla, diesmal aber mit starken Rückenwind was die Sache natürlich erheblich erleichtert. Von Sa Pobla nach Campanet ist es dann nur noch ein Katzensprung und am Ende stehen 98 Kilometer am Tachometer.
Eine traumhaft schöne Radwoche ist vorüber und mir fällt eigentlich nur noch folgender Schlusssatz ein – Mallorca ich komme wieder!
Quellen: www.quaeldich.de







