Nach einem Jahr Tourpause habe ich mir für 2010 wieder eine große Radtour vorgenommen. Um den virtuellen Kreis Deutschland – Österreich – Italien – Frankreich – Schweiz zu schließen soll 2010 die Schweiz mit all ihren Traumpässen das Ziel sein – genauer gesagt wollen wir von Feldkirchen nach Luzern radeln und dabei so wenig Pässe wie möglich auslassen. Insgesamt stehen 11. Bergwertungen auf dem Programm und es wird wie schon erwähnt keiner der bekannten Schweizer Pässe ausgelassen. Hier habe ich mich darauf beschränkt lediglich die Eckdaten der Tour de Swiss 2010 hervorzuheben. Die detaillierte Tourenbeschreibung folgt dann hoffentlich im Juli 2010 nach erfolgreich absolvierter Tour. Die Profilübersicht schaut auf den ersten Blick etwas beängstigend aus. Aber ich sage immer: “Man muss immer davon ausgehen das man sich während der Tour noch steigert!”. Nach 6 Tagen wollen wir auf 12900 Höhenmeter und 590 Kilometer zurückblicken.
Wie gewohnt kann der detaillierte Streckenplan unter folgenden Link heruntergeladen werden: Streckenplan. Im Februar 2010, wenn hoffentlich alle Unterkünfte gebucht sind, folgt dann auch noch die Hotelliste. Auch möchte ich wie immer darauf hinweise das einige Details bezüglich der Pässe der Seite www.quaeldich.de entnommen sind. Danke!
Tag 1 – Sonntag, 27. Juni 2010:
112km; 1500hm
Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.
Am ersten Tag ist lediglich ein richtiger Anstieg geplant, der Flumsberg. Der Flumsberg ist ein größerer Skiort am Walensee. Wie es sich für einen anständigen Skiort gehört, dient er auch nach Möglichkeit als Bergankunft bei diversen Rundfahrten. Bei diesem Anstieg ist das wenig überraschend die Tour de Suisse, welche zuletzt im Jahre 2008 hier zu Gast war. Sieger war ein gewisser Igor Anton, aber auch beispielsweise ein Marco Pantani hat hier schon sein Palmarès aufgewertet. Aufgewertet ist durchaus richtig, ist der Anstieg doch mit ca. 9 % im Schnitt keiner der einfachen Sorte. Der hier gewählte Endpunkt ist die Prodalp auf 1576 m Höhe, zu der ein asphaltierter Almweg ab der Tannenbodenalp weiterführt. Wie es sich für einen anständigen Skiort weiterhin gehört, gibt es auch im Sommer zahlreichen Betrieb und Freizeitangebote, worüber die Homepage ausführlich berichtet. Wer es gerne etwas ruhiger hat, der kann zumindest vor dem Beginn der Sommersaison Anfang Juni nach oben fahren, wenn die Bahnen noch ruhen.
Die Straße ist selbstverständlich breit und in sehr gutem Zustand, und auch der obere Almweg mit kleinem nicht asphaltierten Teilstück ist problemlos zu befahren. In Summe ist der Flumsberg aufgrund der relativen Gleichmäßigkeit ein recht schnell beschriebener Anstieg. Kurz nach dem Start in Flums werden bereits Werte bei 8–12 % angenommen, die nur sehr selten unterschritten werden. In mehreren lang gezogenen Kehren zieht die Straße den Hang empor, immer die Churfirsten im Rücken. Dabei ist man fast ausschließlich im freien Gelände, und Schatten gibt es praktisch nicht, was erschwerend hinzukommt. In Kehre 4 und 6 zweigt jeweils eine Straße ins Schilstal ab, die sich später vereinigen und ebenfalls zu zwei Hochpunkten über 1400 m Höhe führen. Der Weg zur Tannenbodenalm geht jedoch immer die breitere Straße entlang. Nach einem geringfügig einfacheren Mittelteil sind dann die zwei Kilometer vor Tannenheim (der erste richtige Skiort auf 1200 m Höhe) die steilsten bei ca. 11 % im Schnitt, die Maximalsteigung klettert aber auch hier nie über 13–14 %. Die folgende Gerade ist dann noch steil, bevor es vor der Tannenbodenalm langsam abflacht und im Ort eben wird. Der vorläufige Endpunkt ist dann der große Parkplatz in der Ortsmitte auf 1350 m Höhe, wo sich die Wege teilen. Geradeaus an weiteren Parkplätzen vorbei geht es zur Bahnstation Maschgenkamm mit einer kurzen Rampe noch 40 Hm nach oben. Der Weg zur Prodalp jedoch zweigt scharf nach links ab und führt noch auf breiter Straße bis zur eigentlichen Tannenbodenalp auf 1399 m Höhe. Hier beginnt dann der schönere Teil der Auffahrt für die letzten 3 km und knapp 200 Hm. Jetzt geht es auf einem schmalen asphaltierten Almweg weiter, welcher zunächst sogar wenige Meter bergab führt, eine kleine Hochalmwiese umrundet und schließlich in den Wald eintaucht. Das Waldstück ist noch leicht, bevor 1,5 km nach der Tannenbodenalp noch ein steile ca. 1 km lange Rampe folgt, maximal bei 14–15 % Steigung. Hier hat man denn sehr weite Panoramablicke zurück über Walensee und Seeztal bis weit nach Osten. Kurz vor der Prodalp endet dann seltsamerweise der Asphalt, und 400 m darf man noch auf Naturstraße fahren, bevor die Station erreicht ist, wo wieder Asphalt vorherrscht.
Tag 2 – Montag, 28. Juni 2010:
100km; 2900hm
Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.
Die Highlights des zweiten Tages bilden der Klausenpass und der Operalppass. Der Klausenpass ist ein relativ bekannter Pass in der Zentralschweiz und verbindet den Kanton Uri mit dem Kanton Glarus. Er liegt östlich des Vierwaldstätter Sees, inmitten der Glarner Alpen. Von Osten radelt man an der Linth entlang, im Westen rollt man durch das Schächental. Die höchsten Punkte die man bei der Fahrt über den Klausenpass zu Gesicht bekommt, sind der Clariden (3267 m) und der Gremsfairenstock (2972 m). In welcher Richtung man den Klausenpass bezwingt, ist eigentlich egal. Die Straße und die Serpentinen sind auf jeden Fall von Osten her schöner. Gleich am Ortsausgang von Linthal steigt die Straße in einem ersten Serpentinengeschlängel stetig an. Die unteren Kehren erinnern ein bisschen an den Gotthard, da sie aus Kopfsteinpflaster bestehen. Danach ist die Straße allerdings in einem sehr guten Zustand, was man von den Beinen nicht mehr behaupten kann. Nach einigen Kilometern erreicht man die Grenze zwischen Uri und Glarus am Urnerboden, der ca. 4 km lang flach bis schwach ansteigend zum zweiten und letzten Serpentinengewirr führt. Ab hier haben die Erbauer des Klausenpasses ganze Arbeit geleistet: Zahlreiche Kehren sind übereinander geschachtelt, was einen teilweise an den Steilhang des Stilfser Jochs erinnert. Auf der Passhöhe angekommen, treibt es einen gleich wieder in die Abfahrt auf der 100-jährigen Klausenstraße durch gefährliche Kurven und entlang steiler Abhänge nach Altdorf hinunter. Der Klausenpass gehört zweifelsohne zu den schöneren Pässen, vor allem weil er durch sein Flachstück am Urnerboden die zwei Serpentinenabschnitte unterbricht. Er zählt zwar nicht zum erlauchten Kreis der 2000er, trotzdem stellt der Klausenpass einen sehr langen, mächtigen und gewaltigen Übergang dar. Ein extrem interessantes Video zur Schneeräumung am Klausenpass ist unter folgendem Link zu finden – sehr Sehenswert!
Der Oberalppass verbindet Disentis in Graubünden mit Andermatt im Kanton Uri. Auf den letzten Kehren der Ostseite aus Disentis lohnt es sich, einen genauen Blick nach Süden zu werfen, denn der kleine Wasserfall, den man sieht, ist die Quelle des Rheins. Diverse umstehende Dreitausender geben dem Oberalppass ein würdiges Ambiente. Durch die engen Straßen von Andermatt (1438 m) geht es noch recht gemächlich bergauf, allerdings verlocken die zahlreichen Cafés dazu, die Anfahrt etwas später anzugehen. Direkt hinter der Ortsausfahrt steigt die Straße mit 8 % an. Es folgen acht Serpentinen mit fast gleichbleibender Steigung. Mehrfach werden Tunnel durchquert. Die Rhätische Bahn taucht immer da wieder auf, wo man sie gerade nicht erwartet. Nach 6,5 km ist das Schlimmste überstanden, und wenn der Abzweig nach Nätschen erreicht ist, geht die Steigung bei maximal noch 4 % sogar fast ins Flache über. Bei Gegenwind ist es allerdings ekelhaft. Parallel zu Eisenbahn und Reuss geht es so bis zum Stausee weiter, dann hat man schon das Gefühl oben zu sein, denn zu einer langen Galerie geht es etwas bergab. Kurz vor der Einfahrt in die Galerie sind die Gebäude an der Passhöhe zu sehen. Hinter der Galerie folgt noch ein kleiner Aufstieg an den Betriebsanlagen der Rhätischen Bahn vorbei und die Passhöhe ist erreicht.
Tag 3 – Dienstag, 29. Juni 2010:
80km; 2100hm
Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.
Am dritten Tag steht mit dem Furkapass und Nufenenpass ein sehr bekanntes Duo der Schweizer Alpen auf dem Programm. Der Furkapass liegt parallel zwischen Sustenpass und Nufenenpass und bildet die Grenze der beiden Schweizer Kantone Uri und Wallis. Östlich verläuft die Straße im Urseren entlang des Furkareuss-Quells sowie der historischen Furkabahn, im Westen passiert man den mächtigen Rhônegletscher. Für das Auge sind die Dreitausender Furkahorn (3169 m), Galenstock (3583 m) und Dammastock (3630 m) im Norden, sowie die Muttenhörner (3099 m) und das Leckihorn (3065 m) im Süden. Den Furkapass kann man auf zwei grandiosen Rundreisen sowohl mit dem Sustenpass und Grimselpass als auch mit dem Nufenenpass und St. Gotthardpass kombinieren. Wer alle fünf Pässe in einer großen Acht verbindet und den Furkapass zweimal nimmt, solle sich bitte bei uns melden (Anm.: Redaktion www.quaeldich.de). Die klassische Auffahrt zum Furkapass ist die östliche aus Realp, so wie sie auch bei der Tour de Suisse oft gefahren wird. Am Ortsende von Realp passiert man die Einstiegsstelle zur historischen Furkabahn und sieht schon die abenteuerlich in die Höhe steigende Straße. Schnell wird einem klar, dass dieser Pass keineswegs einer der Einfachen ist, denn der untere Serpentinenteil kann mit zweistelligen Steigungsprozenten aufwarten. Im Mittelteil, am Restaurant Tiefenbach, wird es wieder etwas flacher, aber es geht trotzdem noch ordentlich zur Sache und die nun folgende ewig lange Gerade kann einen schon ganz schön ermüden. Motiviert wird man durch die zahlreichen Schlachtrufe, die in großen Lettern mit den Namen der Tour de Suisse-Helden auf die Straße gepinselt sind. Im oberen Serpentinenabschnitt wird es noch einmal wirklich steil, aber man wird auf der Passhöhe auf 2436 m Höhe mit einem tollen Ausblick dafür belohnt. Die Abfahrt hinunter nach Gletsch (1757 m) besteht größtenteils aus recht engen Serpentinen und ist ähnlich steil wie der Anstieg von Osten, die Straße ist aber wesentlich besser ausgebaut und daher auch frischer asphaltiert. Zu erwähnen ist noch, dass man direkt am Rhônegletscher und dem von Touristen überfluteten Hotel Belvedère vorbeirauscht. Der Furkapass gehört mit zu den schönsten Schweizer Passstraßen, denn er besticht auf dieser Ostanfahrt durch einige gerade Abschnitte, eine Fülle von Serpentinen, eine wunderschöne Landschaft, gute Straßenverhältnisse und einige kernig-steile Passagen. Der Autoverkehr hält sich hier auch in erträglichen Grenzen, allerdings muss man speziell bei der Abfahrt (besonders am Hotel Belvedère) höchste Vorsicht walten lassen, denn hier kreuzen viele unaufmerksame Touristen die Straße, um den Rhônegletscher zu besichtigen.
Der Nufenenpass ist mit seinen 2478 m der höchste innerschweizerische Alpenübergang und bildet die Grenze zwischen dem Wallis und dem Tessin. Von Osten aus erreicht man die Passhöhe über das Val Bedretto entlang dem Ticino und gelangt durch zahlreiche Serpentinen nach Ulrichen. Umgeben wird der Pass vom Piz Nero (2904 m) im Norden und von der italienischen Grenze im Süden. Der Nufenenpass ist einer der jüngsten Alpenübergänge überhaupt, denn er wurde erst vor 30 Jahren erbaut. Durch seine hohe Durchschnittssteigung, seine zahllosen Serpentinen und seine Windanfälligkeit (in beiden Richtungen) ist der Nufenen einer der Härtesten. Da es in diese Hochgebirgslandschaft eh keinen Menschen zieht, und man über Furka und Gotthard genauso ins südliche Klima des Tessin gelangen kann, ist es durchaus berechtigt, den Nutzen des Nufenen in Frage zu stellen. Wer sich die volle Packung geben will, ist an diesem Pass genau richtig. Noch spaßiger für den Radler ist eine Runde über den Furka-, Nufenen- und das Val Tremola des Gotthardpasses. Die westliche Auffahrt von Ulrichen ist abwechslungsreich und sehr zu empfehlen, während die Ostanfahrt aus Richtung Airolo von der Straßenführung her eher langweilig (aber dennoch hart) ist und auch landschaftlich durchaus einiges zu bieten hat. Dies ist zwar die kürzere, sicher aber auch die schwerere, weil steilere Auffahrt. Es ist die klassische Variante, die auch gerne in einer Runde mit Furka- und Gotthardpass gefahren wird, so wie auch schon desöfteren bei der Tour de Suisse, was zuletzt im Jahre 2005 der Fall war. Damals war dieses 100 km lange Teilstück mit Start und Ziel in Ulrichen zugleich die letzte Etappe der gesamten Rundfahrt. Startet man, wie die Profis 2005, in Ulrichen, so hat man nicht viel Zeit sich einzurollen, denn schon am Ortsende kommt die erste Rampe in Sicht und ehe man sich versieht, steckt man auch schon mittendrin. Zuvor hat man die noch jungfräuliche Rhône überquert, die sich hier im deutschsprachigen Goms noch Rotten nennt. Das zu Ulrichen zählende Dörfchen Zum Loch stellt dann den Beginn des Anstiegs dar. Die Steigung erreicht gleich auf den ersten beiden Kilometern Spitzen von 12 % und liegt meist im höheren einstelligen Bereich. Nach zwei Kehren folgt ein gerader Abschnitt, an dem man einen Blick nach rechts unten wagen sollte, wo sich der Gebirgsbach Ägene tief in den Fels eingeschnitten hat. Nach zwei weiteren kurzen Kehren erreicht man auf nun über 1600 m schließlich eine kleine Hochfläche. Doch flach ist es hier nicht. Die Straße verläuft zwar über etwa einen Kilometer nur leicht ansteigend geradeaus, doch der häufige Gegenwind kann hier ganz schön unangenehm sein und demotivierend wirken. Eine Brücke über die Ägene beendet dieses Teilstück und nun wird es dann auch richtig ernst. Zunächst verläuft die Straße weiterhin geradeaus am Hang entlang. Die Steigung liegt nun meist zwischen 9 und 12 %. Auf 1925 m passiert man die Alp Ladstafel, die hier in einem weiten Talkessel liegt, auf den man von weiter oben eine hervorragende Sicht hat. Störend wirken dann allerdings die zahlreichen großen Strommasten, die die sonst so schöne, wilde Kulisse doch ganz schön verschandeln. Blickt man nun nach oben, sieht man schon die eng übereinander geschachtelten Kehren. Mit diesem Serpentinenabschnitt beginnt auch der Schlussteil der Passauffahrt. Wie in Trance schraubt man sich nun höher und höher und ist vermutlich trotz der meist hohen Steigung froh, dass man die endlos scheinende Gerade hinter sich gebracht hat. Bizarre Bergformen präsentieren sich nun über dem unter uns liegenden Talkessel. Immer wieder gerät das Blinnenhorn mit dem Griesgletscher in unser Blickfeld. In der vorletzten Kehre zweigt eine Straße zum Griessee ab. Nun folgen wieder längere gerade Abschnitte. Die Straße führt nun in nordöstliche Richtung an der Südflanke des 3061 m hohen Pizzo Gallina entlang. Dieser zählt zum Massiv des 3192 m hohen Pizzo Rotondo, der den Wasserscheidepunkt von Atlantik, Adria und westlichem Mittelmeer darstellt. Er zählt zum Gotthardmassiv oder großräumiger betrachtet zu den sogenannten Lepontinischen Alpen. Die letzte Kehre führt uns schließlich wieder in die entgegengesetzte, also südliche Richtung. Die Passhöhe konnte man von der anderen Seite schon erkennen, nun liegt sie wieder etwas verdeckt. Auf den letzten Metern wird noch einmal die Maximalsteigung von rund 13 % kurzzeitig erreicht, dann passiert man auch schon das Passschild, das ein wenig unterhalb der Passhöhe positioniert ist. Diese liegt dann in einer Linkskurve an zwei kleinen Seen. Von der Passhöhe hat man nun eine großartige Sicht. Nach Osten blickt man hinab in das Val Bedretto, nach Westen hinüber bis zu den vergletscherten Berner Alpen mit seinem höchsten Gipfel, dem Finsteraarhorn (4274 m). Nördlich und östlich von uns thronen die Gipfel des Gotthardmassivs. Südlich des Passes erheben sich Helgenhorn (2837 m) und Grieshorn (2929 m). Die Abfahrt in das Val Bedretto gestaltet sich nun anfangs etwas ruppig, da die Straße, wie am Lukmanierpass, aus hässlichen Betonplatten besteht. Auf der langen Gerade nach den ersten Kehren sind aber dennoch hohe Geschwindigkeiten möglich.
Tag 4 – Mittwoch, 30. Juni 2010:
81km; 2250hm
Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.
Das Highlight der Tour soll heute bezwungen werden, der Gotthardpass. Aber auch der Sustenpass muss überquert werden um nach Meiringen zu gelangen. Der St. Gotthard ist schon seit Menschengedenken eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen. Heute erkennt man seine Wichtigkeit anhand von 4 Überquerungsmöglichkeiten zwischen Airolo und Andermatt: die Eisenbahn, der Autobahntunnel, die Bundesstraße und die alte Poststraße durch das Val Tremola. Der Pass bildet die Grenze zwischen Uri und dem Tessin, und er wird vom Lago di Lucendro im Westen und dem Lago della Sella im Osten eingeschlossen. Bei guter Sicht kann man die Gipfel des Piz Centrale (3000 m) und des Winterhorns (2661 m) erkennen. Der St. Gotthard ist auch als der Wettermacher bekannt. Während man in Airolo mediterranes Wetter und italienisches Flair vorfindet, erlebt man im Norden wieder das raue alpine Klima. Auch wenn man als Rennradler meist nichts Positives über Kopfsteinpflaster verliert, so gehört der St. Gotthard mit dem Val Tremola zum absoluten Non plus ultra für Pässeradler. Man durchquert eine herrliche Natur, wird vom Mythos des Gotthard beflügelt, und wenn man Glück hat, begegnet man sogar der uralten Postkutsche, die immer noch über den Pass fährt. Die Passhöhe wartet mit einem Restaurant, einem Passmuseum und einem alten Hospiz auf, welches die Geschichtsträchtigkeit des St. Gotthard betont. Tremola…o Tremola! Für viele klingt dieser Name wie Musik in den Ohren, für nicht wenige Radsportler und Radsportlerinnen klingt er hingegen nahezu bedrohlich. Kein Wunder, denn schließlich heißt Val Tremola, das Hochtal, das es zu bezwingen gilt, frei übersetzt „Tal des Zitterns”. Da diese Straße unter Denkmalschutz steht, konnten die Pflastersteine für die Nachwelt erhalten bleiben. Damit ist sie in dieser Form im gesamten Alpenraum einzigartig. Die Tremola wurde zwischen 1827 und 1830 gebaut und ist heute das längste Baudenkmal der Schweiz und zu einem echten Mythos geworden. Die Tour de Suisse stattet ihr auch hin und wieder einen Besuch ab, zuletzt im Jahre 2009, als der Gotthardpass das Dach, also den höchsten Punkt, der gesamten Rundfahrt darstellte. Ausgangspunkt ist Airolo. Die eigentliche Gotthardtrasse beginnt allerdings schon in Biasca, doch werden viele sicher vom Nufenenpass abkommen. Ab Biasca müssen auf 50 km insgesamt etwa 1820 Hm zurückgelegt werden. Im Zentrum von Airolo folgt man dann einfach der Straße bergauf in Richtung Gottardo. Kommt man vom Nufenen ab, so kann man bereits vor Erreichen des Ortes links abbiegen. Vor der ersten Kehre der neuen Straße biegen wir schließlich rechts auf die Pflasterstraße ab. In 32 Kehren windet sich die meist gepflasterte Straße nun zur Passhöhe, wovon 24 auf das eigentliche Val Tremola entfallen. Durch sechs zum Teil gepflasterte Kehren klettert man nun bei Steigungswerten zwischen 7 und 10 % nach Motto Bartola (1530 m). Dort blickt man schon tief hinunter nach Airolo. Man hält sich nun einfach geradeaus, ansonsten landet man nämlich auf der breiten neuen Straße. Es folgt nun erst einmal ein längerer asphaltierter Abschnitt, ehe es in das Val Tremola hineingeht. In einem Linksbogen tauchen wir nun in dieses ein. Häufig liegt es im Schatten der Berge und hoch über uns erkennt man immer wieder die Gallerien der neuen Trasse. Nachdem man den Gebirgsbach überquert hat, folgt die spektakuläre Kehrenpassage. Die häufig gemauerten Serpentinen winden sich meist eng übereinander liegend und in kurzer Folge den Hang hinauf. Die Steigung erreicht dabei maximal 11 %, liegt aber meist um die 8 %. Zu kämpfen hat man hier nicht nur mit den Pflastersteinen, sondern auch mit dem Wind, der hier häufig kräftig talabwärts weht. Nach der letzten Kehre führt die Straße zunächst in östliche Richtung, ehe uns eine Linkskurve in nordwestliche Richtung führt. Dabei passiert man einen See. Hier im nun offenen Gelände auf dem kleinen Hochplateau am Gotthardpass kann der Gegenwind jetzt noch einmal richtig weh tun. Nach etwa 14 km erreichen wir dann am Gotthard-Museum die Passhöhe auf 2091 m Höhe. Fährt man nun links weiter zur Schnellstraße, so gelangt man zu einem zweiten Passschild, das 2109 m Höhe angibt. Die Passhöhen der neuen und der alten Gotthardstraße sind also in der Höhe ein wenig unterschiedlich.
Der Sustenpass ist einer der vielen Pässe in der Zentralschweiz, und er bildet die natürliche Grenze zwischen den Kantonen Uri und Bern. Von Osten her erreicht man die Passhöhe über das Meiental, während man westlich das Gadmental zu durchfahren hat. Bei guter Sicht hat man freien Blick auf die Fünffinger- (3023 m) und die Wendenstöcke (3042 m) im Norden, sowie auf den Stucklistock (3308 m), den Fleckistock (3417 m) und das Sustenhorn (3503 m) im Süden der Passhöhe. Direkt in Wassen beginnt die Steigung, und es wird über zahlreiche Brücken und Tunnels eine enge Schlucht überwunden. Danach geht es immer stetig bergan auf einer langen fastkurvenlosen Geraden, wo man wenigstens unten noch von Nadelwald umgeben ist. Nach 11 km passiert man die Ortschaft Färningen, und nun hat auch der schattenspendende Wald ein Ende. Doch die endlose Gerade, die an der rechten Bergkette des Tals entlangführt, hört noch lange nicht auf. Ist man jedoch am Sustli-Haus vorbeigefahren, beginnt (endlich) ein interessanterer Abschnitt mit schönen Serpentinen, die die Straße hinauf zum Gebirgsübergang führen sollen. Dieser Teil des Susten erinnert strassenbautechnisch an die anderen Schweizer Pässe Nufenen, Furka, Grimsel und Klausen. Die Passhöhe erreicht man über einen kurzen Tunnel, an dessen Ausgang sogar im Hochsommer dicke Eisblöcke ruhen. Außer einem kleinen See ist an der Passhöhe nichts Anziehendes für den Radler zu finden, und folglich stürzt man sich wieder ins Tal hinunter. Die Abfahrt nach Innertkirchen ist sehr lang, was spürbar auf die Arme und Hände geht, und außerdem ist sie mit Tunnels verziert, die den Spaß deutlich bremsen. Für viele gehört der Sustenpass zu den schönsten Alpenpässen, was man allerdings stark anzweifeln muss. Die endlosen Geraden drücken die Stimmung im Anstieg enorm, denn es fehlt einfach die Abwechslung. Im oberen Teil jedoch ist er zweifelsfrei ein sehr schöner Alpenübergang, und wer Geschmack an langen mittelschwer ansteigenden Geraden hat, für den ist der Susten wohl einer der schönsten Pässe. Die Steigung liegt auf der Westrampe meist zwischen 7 und 9 % und ist daher nicht allzu anspruchsvoll.
Tag 5 – Donnerstag, 01. Juli 2010:
101km; 2400hm
Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.
Die Grosse Scheidegg (1962 m) ist trotz der Nähe zu den zentralschweizer Pässen Sustenpass und Grimselpass relativ unbekannt. Erst 1996 fuhr die Tour de Suisse erstmals hinüber und machte ihn auch außerhalb der Region bei Insidern bekannt. Im Gegensatz zur Kleinen Scheidegg, die mit 2061 m Höhe paradoxerweise gut 100 m höher liegt als ihre große Schwester und nur mit der Zahnradbahn (oder per MTB) zu erreichen ist, zählt die Grosse Scheidegg zu den sportlichen Höhepunkten für Rennradler im Berner Oberland. Im Schatten des erhabenen Berner Dreigstirns Eiger (3970 m Höhe), Mönch (4107 m Höhe) und Jungfrau (4158 m Höhe) gelegen, ist die seit 1979 bestehende durchgehende Straßenverbindung von Meiringen nach Grindelwald ein unverzichtbares Highlight in den Berner Alpen. Die auf beiden Seiten des Passes lediglich 3 Meter breite Straße ist für Kfz gesperrt – allein der Postbus von Grindelwald nach Meiringen darf hier verkehren, und unser Begleitfahrzeug im Jahr 2001 aufgrund einer Sondergenehmigung. Nur am Wochenende ist zwischen Rosenlaui und Schwarzwaldalp auf der Ostseite mit Verkehr zu rechnen. Die Passstrecke ist wunderbar einsam und landschaftlich wunderschön. Steigungswerte von bis zu 15 % und kurz auch darüber auf beiden Seiten (bei durchschnittlich fast 10 %) lassen hier Höchstwertungen zu. Die Ostrampe von Meirigen ist aber die wesentlich längere der beiden Auffahrten. Von der Passhöhe der Grossen Scheidegg hat man einen wunderbaren Blick auf das Wetterhorn (3701 m Höhe), das die Ostauffahrt dominiert, sowie auf die Kleine Scheidegg vor der Jungfrau im Westen. Achtung: mit der rücksichtslosen Fahrweise der Postbusse (die von Juni bis September verkehren) auf der Strecke Grindelwald-Meiringen haben nicht nur wir schlechte Erfahrungen gemacht. Die Busse nehmen die ganze Straße ein, so dass ein Verlassen der Straße manchmal der einzige Ausweg ist. Idealer Ausgangspunkt für die rund 17 km lange Anfahrt von der Ostseite her ist der Bahnhof Meiringen. Von dort aus führt der Weg gut ausgeschildert (kleine rote Veloschilder) in Richtung Willigen, wo er kurz vor dem Ortsausgang rechts abzweigt und sich sogleich auf einem schmalen Sträßchen Richtung Schwendi/Zwirgi hinauf windet. Bis zur Passhöhe sind nun insgesamt fast 1400 Höhenmeter zu überwinden. Die gute Nachricht: die Bergstraße schlängelt sich derart abwechslungsreich durch wild-romantisches und gottverlassenes Gelände, dass einem schier die Spucke wegbleibt. Im spärlich besiedelten Alpgebiet trifft man nur gerade auf eine Handvoll Gasthäuser, daneben nichts als Bergwiesen, Wasserfälle und Fels. Die schlechte Nachricht: der Pass ist steil, an gewissen Stellen sogar sehr steil (12 bis 14 %). Bei der kurzen Rampe unmittelbar nach der Schwarzwaldalp ist man sogar geneigt, den 18 % Glauben zu schenken, die immer wieder angegeben werden. Doch die Mühe lohnt sich gewaltig. Die letzten Windungen bis zur Passhöhe sind bald wieder zügiger befahrbar, und wenn der kleine Parkplatz und das Hospiz in Sichtweite rücken, ist eigentlich schon fast an einen Schlussspurt zu denken. Sehr gut trainierte Rennradler benötigen von Meiringen bis auf die Grosse Scheidegg etwa 1 bis 1,5 Stunden, jene, die es etwas gemächlicher angehen, noch etwas länger. Die Abfahrt hinab nach Grindelwald ist nicht weniger romantisch, wenngleich die schmale Straße und die nicht immer optimale Asphaltdecke immer wieder einige Konzentration erfordern. Auch hier ist die Steilheit spürbar, 60 (und mehr) km/h sind locker drin. In Grindelwald angekommen, kann man die Runde bis nach Interlaken verlängern, immer alles leicht abwärts und auf besten Straßen. Der ausgeschilderte Radweg unterhalb Grindelwald ist zwar theoretisch für Rennräder fahrbar, trotzdem ist die Hauptstraße empfehlenswerter, vor allem wenn man seinen Schnitt noch etwas aufpolieren möchte. Bis Interlaken kommen so etwa 2,5 Stunden Fahrzeit und rund 50 km zusammen.
Die Axalp ist eine Lichtung auf einer Bergschulter oberhalb Brienz an der Südseite des Brienzer Sees. Früher wurde diese Alp als Sommerweidegebiet genutzt, heutzutage ist sie ein bekanntes Skigebiet des Berner Oberlandes. Wie so oft bedeutet das eine Verschandelung der Gegend mit Skiliften und üblen Bauwerken. Sie wird von ein paar imposanten Bergen wie dem Axalphorn (2321 m), Faulhorn (2681 m), Schwarzhorn (2927 m) und dem Brienzer Rothorn (2350 m) umgeben. Unterhalb der Alp endet die steile Bergflanke im kalten Brienzersee. Das Panorama ist grandios. Von Brienz aus erreicht man rasch den Brünigpass oder über Meiringen den Susten und den Grimsel. Unterhalb der Axalp befinden sich die Giessbachfälle mit dem schön gelegenen Grand Hotel Giessbach (welches zum Teil als Drehort des zehnten Teils der Zweiter-Weltkrieg-Serie “Band of Brothers” diente). Als Anfahrt mit dem Rennrad eignet sich als Ausgangspunkt eigentlich nur Brienz, denn die Hauptstraße (und der Zug) umfahren den See auf der Brienzer Seite. Die steilere Seite des Sees, an welcher sich die Axalp befindet, wird nur von der Autobahn mittels Tunnels unterfahren. Es gibt zwar eine Straße von Interlaken aus bis Iseltwald, doch ab dort gibt es nur noch einen Radweg, welcher nach Kenntnisstand des Autors nicht asphaltiert und auch nicht durchgängig befahrbar ist. Kommt man allerdings aus Richtung Meiringen und Brünig, so muss man nicht bis Brienz fahren, sondern biegt zuvor zur Axalp ab. Am Alpengasthof Axalp angekommen muss noch nicht unbedingt Schluss sein, denn über ein für den motorisierten Verkehr gesperrtes Almsträßchen gelangt man noch zur Chüemad auf knapp 1800 m und zum Chruttmettli auf ca. 1700 m. Von hier aus genießt man tolle Blicke auf das markante Axalphorn und die raue Bergwelt. 1100 bis 1200 m über dem mediterran anmutenden Brienzer See kommt hier echtes Hochgebirgsfeeling auf. Aus Brienz fährt man zuerst Richtung Meiringen und nimmt dann kurz außerhalb von Brienz die Abzweigung Richtung Axalp. Die Straße verläuft hier völlig flach entlang des Seeufers, bis man nach 2,5 Kilometern die Autobahn unterquert. Danach biegt man rechts ab, und es geht gleich richtig zur Sache. Es sind noch etwa neun Kilometer bis zum Ziel, was bei einer Höhendifferenz von 968 m eine durchschnittliche Steigung von etwas mehr als 10 % bedeutet. Zur Einstimmung geht es auch gleich mit deutlich über 10 % los. Nach etwa 1,5 Kilometer zweigt eine Straße zum Grand Hotel Giessbach und den Giessbachfällen ab. Die Straße zur Axalp beschreibt eine Linkskurve und steigt weiter stetig an. Nach knapp 5 Kilometern (immer ab Brienz gemessen) kommt in einer Linkskurve ein Restaurant. Man sollte sich aber hüten, hier zur Belohnung bereits einzukehren (obwohl die Anstrengung schon beachtlich war), denn man hat noch nicht einmal die Hälfte des Anstieges geschafft. Weiter geht es steil bergauf. Nach 7 Kilometern flacht die Straße ausnahmsweise etwas ab – wenn auch nur für ein paar hundert Meter. Auf einem Wanderwegweiser sieht man, dass man sich schon auf 1100 Metern befindet. Man erreicht eine kleine Ebene mit ein paar Alphütten, an deren Flanke die Straße wieder stark ansteigt. Nach ca. 10 Kilometern sieht man endlich, dass die Steigung ein Ende nimmt, und man hofft schon, dass das Ende erreicht sei. Tatsächlich kann man sich hier kurz erholen. Das sollte man auch tun, denn man hat sich zu früh gefreut, und nach der nächsten Linkskurve geht es im gewohnten Stile weiter, also mit Steigungen um die 10 %. 500 Meter weiter sieht man endlich und zum ersten Mal die Axalp und kann abschätzen, dass es nicht mehr allzu weit ist. Nach einer letzen Rechtskehre erreicht man die schmucklose Axalp. Der Endpunkt der Auffahrt befindet sich am Ortsende am Alpengasthof Axalp, wo die öffentliche Straße endet. Die Auffahrt ist insgesamt streng, denn die Steigung sinkt nur ganz selten unter die 10-Prozent-Marke, und man hat fast nie die Möglichkeit, etwas Atem zu schöpfen. Die Auffahrt verläuft größtenteils im Wald, aber man hat immer wieder Ausblicke auf die großartige Szenerie der umgebenden Berge und des milchig-blauen Brienzersees. Der See ist ein guter Referenzpunkt, um sich anhand der gewonnenen Höhe zu motivieren. Die Asphaltqualität ist trotz einiger Schlaglöcher ausreichend für eine rasante Abfahrt.
Tag 6 – Freitag, 02. Juli 2010:
118km; 1900hm
Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.
Zum Abschluss darf natürlich auch der Grimselpass nicht fehlen! Der Grimselpass verläuft westlich parallel zum wichtigen Gotthardpass, und stellt somit eine interessante Nord-Süd-Verbindung dar. Von Norden aus durchquert man das mächtige Haslital entlang des Flusses Aare, und gelangt über die Passhöhe ins südliche Goms. Umringt wird der Pass von den Gipfeln des Ritzlihorns (3282 m) und den Gerstenhörnern (3189 m). Zum Grimselpass kommt man entweder über die abwechslungsreiche nördliche Rampe oder von Süden über Ulrichen und Gletsch, von wo aus man die furchterregende Serpentinenkonstruktion von weit her zwischen den Steilhängen des Rhônetals sehen kann. Der Grimsel ist wohl einer der klassischen Serpentinenpässe in der Schweiz, neben dem Splügenpass von Splügen aus. Der Grimselpass ist Teil der legendären, oft durchfahrenen Pässerunde Susten–Furka–Grimsel mit 120 km und ungefähr 3500 Höhenmetern. Von der Passhöhe aus ist der kurze Abstecher zum Oberaarsee noch sehr empfehlenswert. Die abwechslungsreichere Strecke ist sicherlich der Aufstieg von Norden. Zwar ist der Pass von Innertkirchen deutlich schwerer, aber der Charakter des Grimsel ist von der nördlichen Seite eher zu erkennen. Über kleinere Dörfer führt die Straße gemütlich mit leichter Steigung durch Wald und Wiesen immer entlang der Aare. Doch je höher man kommt, desto mehr lichtet sich der Wald, die Steigung nimmt immer stärker zu und bald sind nur noch Fels und Geröll zu sehen. Eine solch karge Landschaft bekommt man selten zu Gesicht. Trügerisch erweisen sich die großen Staumauern im oberen Teil, da man jeweils dahinter die Passhöhe erwartet, aber der Grimselpass kennt kein Erbarmen und zieht schließlich in einem Dutzend Kehren doch noch zum ersehnten Passschild. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Gebirgsstauseen Grimselsee und Räterichsbodensee. Diese Anfahrt zum Grimselpass bietet eigentlich alles, was ein Pass haben muss: Ein furchterregender Steilhang, ausgedehnte weite Kurven, humane Steigungen, abwechslungsreiche Landschaften und genügend Höhenmeter. Deshalb sollte dieser Schweizer Pass in keiner Sammlung fehlen.
Der Brünigpass ist ein kleiner, wenig schöner Pass, der Meiringen am Fuße von Sustenpass, Grimselpass und Grosser Scheidegg mit Sarnen verbindet. In Sarnen nimmt die Ostrampe zum Glaubenbergpass ihren Ausgang. Von Brienz aus folgt man den Schildern nach Luzern; die Straße ist 8 km lang eben, danach beginnt sie zu steigen. Recht bald werden wir Radfahrer nach links durch Brienzwiler geschickt – es ist verboten, mit dem Rad der Landstraße zu folgen. Dies ist auch sinnvoll, weil die Landstraße durch einen Tunnel führt. Die Umfahrung durch Brienzwiler ist vollständig geteert und ohne "Gegengefälle", also spricht nichts dagegen, sie auch zu benutzen. Nach dem Tunnel trifft man wieder auf die Landstraße. Diese steigt noch etwa 270 Hm bis zur Passhöhe recht steil an. Die Fahrbahnen in der Auffahrt sind eher schmal. Die Abfahrt nach Lungern ist gut geteert, die Fahrbahnen sind etwas breiter als bei der Auffahrt und die Kurven nicht zu steil, so dass man trotz des flachen Gefälles mit 40 bis 50 km/h locker mit den Autos mithalten kann. Es ist allerdings Vorsicht geboten, da es oft so viel Verkehr gibt, dass es sich (auch mal unerwartet nach einer Kurve) staut. Gegen Ende gibt es eine schöne Aussicht auf den Lungerer See.
Um ehrlich zu sein bin ich von der Streckenführung selbst ziemlich begeistert. Eigentlich wird nichts ausgelassen was nicht verdient ausgelassen zu werden. Zum Abschluss bleibt mir eigentlich nur zu hoffen das uns auch 2010 der Wettergott wieder wohl gesonnen ist und wir die Tour so richtig genießen können.

Verfasst von sormann 






