Tour de Swiss 2010

Oktober 1, 2009
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Nach einem Jahr Tourpause habe ich mir für 2010 wieder eine große Radtour vorgenommen. Um den virtuellen Kreis Deutschland – Österreich – Italien – Frankreich – Schweiz zu schließen soll 2010 die Schweiz mit all ihren Traumpässen das Ziel sein – genauer gesagt wollen wir von Feldkirchen nach Luzern radeln und dabei so wenig Pässe wie möglich auslassen. Insgesamt stehen 11. Bergwertungen auf dem Programm und es wird wie schon erwähnt keiner der bekannten Schweizer Pässe ausgelassen. Hier habe ich mich darauf beschränkt lediglich die Eckdaten der Tour de Swiss 2010 hervorzuheben. Die detaillierte Tourenbeschreibung folgt dann hoffentlich im Juli 2010 nach erfolgreich absolvierter Tour. Die Profilübersicht schaut auf den ersten Blick etwas beängstigend aus. Aber ich sage immer: “Man muss immer davon ausgehen das man sich während der Tour noch steigert!”. Nach 6 Tagen wollen wir auf 12900 Höhenmeter und 590 Kilometer zurückblicken.

ProfilTourdeSwiss

Wie gewohnt kann der detaillierte Streckenplan unter folgenden Link heruntergeladen werden: Streckenplan. Im Februar 2010, wenn hoffentlich alle Unterkünfte gebucht sind, folgt dann auch noch die Hotelliste.  Auch möchte ich wie immer darauf hinweise das einige Details bezüglich der Pässe der Seite www.quaeldich.de entnommen sind. Danke!

Tag 1 – Sonntag, 27. Juni 2010:

112km; 1500hm

Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.

Tag1_Route Am ersten Tag ist lediglich ein richtiger Anstieg geplant, der Flumsberg. Der Flumsberg ist ein größerer Skiort am Walensee. Wie es sich für einen anständigen Skiort gehört, dient er auch nach Möglichkeit als Bergankunft bei diversen Rundfahrten. Bei diesem Anstieg ist das wenig überraschend die Tour de Suisse, welche zuletzt im Jahre 2008 hier zu Gast war. Sieger war ein gewisser Igor Anton, aber auch beispielsweise ein Marco Pantani hat hier schon sein Palmarès aufgewertet. Aufgewertet ist durchaus richtig, ist der Anstieg doch mit ca. 9 % im Schnitt keiner der einfachen Sorte. Der hier gewählte Endpunkt ist die Prodalp auf 1576 m Höhe, zu der ein asphaltierter Almweg ab der Tannenbodenalp weiterführt. Wie es sich für einen anständigen Skiort weiterhin gehört, gibt es auch im Sommer zahlreichen Betrieb und Freizeitangebote, worüber die Homepage ausführlich berichtet. Wer es gerne etwas ruhiger hat, der kann zumindest vor dem Beginn der Sommersaison Anfang Juni nach oben fahren, wenn die Bahnen noch ruhen.

Die Straße ist selbstverständlich breit und in sehr gutem Zustand, und auch der obere Almweg mit kleinem nicht asphaltierten Teilstück ist problemlos zu befahren. In Summe ist der Flumsberg aufgrund der relativen Gleichmäßigkeit ein recht schnell beschriebener Anstieg. Kurz nach dem Start in Flums werden bereits Werte bei 8–12 % angenommen, die nur sehr selten unterschritten werden. In mehreren lang gezogenen Kehren zieht die Straße den Hang empor, immer die Churfirsten im Rücken. Dabei ist man fast ausschließlich im freien Gelände, und Schatten gibt es praktisch nicht, was erschwerend hinzukommt.  In Kehre 4 und 6 zweigt jeweils eine Straße ins Schilstal ab, die sich später vereinigen und ebenfalls zu zwei Hochpunkten über 1400 m Höhe führen. Der Weg zur Tannenbodenalm geht jedoch immer die breitere Straße entlang. Nach einem geringfügig einfacheren Mittelteil sind dann die zwei Kilometer vor Tannenheim (der erste richtige Skiort auf 1200 m Höhe) die steilsten bei ca. 11 % im Schnitt, die Maximalsteigung klettert aber auch hier nie über 13–14 %. Die folgende Gerade ist dann noch steil, bevor es vor der Tannenbodenalm langsam abflacht und im Ort eben wird. Der vorläufige Endpunkt ist dann der große Parkplatz in der Ortsmitte auf 1350 m Höhe, wo sich die Wege teilen. Geradeaus an weiteren Parkplätzen vorbei geht es zur Bahnstation Maschgenkamm mit einer kurzen Rampe noch 40 Hm nach oben. Der Weg zur Prodalp jedoch zweigt scharf nach links ab und führt noch auf breiter Straße bis zur eigentlichen Tannenbodenalp auf 1399 m Höhe. Hier beginnt dann der schönere Teil der Auffahrt für die letzten 3 km und knapp 200 Hm. Jetzt geht es auf einem schmalen asphaltierten Almweg weiter, welcher zunächst sogar wenige Meter bergab führt, eine kleine Hochalmwiese umrundet und schließlich in den Wald eintaucht. Das Waldstück ist noch leicht, bevor 1,5 km nach der Tannenbodenalp noch ein steile ca. 1 km lange Rampe folgt, maximal bei 14–15 % Steigung. Hier hat man denn sehr weite Panoramablicke zurück über Walensee und Seeztal bis weit nach Osten. Kurz vor der Prodalp endet dann seltsamerweise der Asphalt, und 400 m darf man noch auf Naturstraße fahren, bevor die Station erreicht ist, wo wieder Asphalt vorherrscht.

Tag1_ProfilTag 2 – Montag, 28. Juni 2010:

100km; 2900hm

Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.

Tag2_Route

Die Highlights des zweiten Tages bilden der Klausenpass und der Operalppass. Der Klausenpass ist ein relativ bekannter Pass in der Zentralschweiz und verbindet den Kanton Uri mit dem Kanton Glarus. Er liegt östlich des Vierwaldstätter Sees, inmitten der Glarner Alpen. Von Osten radelt man an der Linth entlang, im Westen rollt man durch das Schächental. Die höchsten Punkte die man bei der Fahrt über den Klausenpass zu Gesicht bekommt, sind der Clariden (3267 m) und der Gremsfairenstock (2972 m). In welcher Richtung man den Klausenpass bezwingt, ist eigentlich egal. Die Straße und die Serpentinen sind auf jeden Fall von Osten her schöner. Gleich am Ortsausgang von Linthal steigt die Straße in einem ersten Serpentinengeschlängel stetig an. Die unteren Kehren erinnern ein bisschen an den Gotthard, da sie aus Kopfsteinpflaster bestehen. Danach ist die Straße allerdings in einem sehr guten Zustand, was man von den Beinen nicht mehr behaupten kann. Nach einigen Kilometern erreicht man die Grenze zwischen Uri und Glarus am Urnerboden, der ca. 4 km lang flach bis schwach ansteigend zum zweiten und letzten Serpentinengewirr führt. Ab hier haben die Erbauer des Klausenpasses ganze Arbeit geleistet: Zahlreiche Kehren sind übereinander geschachtelt, was einen teilweise an den Steilhang des Stilfser Jochs erinnert. Auf der Passhöhe angekommen, treibt es einen gleich wieder in die Abfahrt auf der 100-jährigen Klausenstraße durch gefährliche Kurven und entlang steiler Abhänge nach Altdorf hinunter. Der Klausenpass gehört zweifelsohne zu den schöneren Pässen, vor allem weil er durch sein Flachstück am Urnerboden die zwei Serpentinenabschnitte unterbricht. Er zählt zwar nicht zum erlauchten Kreis der 2000er, trotzdem stellt der Klausenpass einen sehr langen, mächtigen und gewaltigen Übergang dar. Ein extrem interessantes Video zur Schneeräumung am Klausenpass ist unter folgendem Link zu finden – sehr Sehenswert!

Der Oberalppass verbindet Disentis in Graubünden mit Andermatt im Kanton Uri. Auf den letzten Kehren der Ostseite aus Disentis lohnt es sich, einen genauen Blick nach Süden zu werfen, denn der kleine Wasserfall, den man sieht, ist die Quelle des Rheins. Diverse umstehende Dreitausender geben dem Oberalppass ein würdiges Ambiente.  Durch die engen Straßen von Andermatt (1438 m) geht es noch recht gemächlich bergauf, allerdings verlocken die zahlreichen Cafés dazu, die Anfahrt etwas später anzugehen. Direkt hinter der Ortsausfahrt steigt die Straße mit 8 % an. Es folgen acht Serpentinen mit fast gleichbleibender Steigung. Mehrfach werden Tunnel durchquert. Die Rhätische Bahn taucht immer da wieder auf, wo man sie gerade nicht erwartet. Nach 6,5 km ist das Schlimmste überstanden, und wenn der Abzweig nach Nätschen erreicht ist, geht die Steigung bei maximal noch 4 % sogar fast ins Flache über. Bei Gegenwind ist es allerdings ekelhaft. Parallel zu Eisenbahn und Reuss geht es so bis zum Stausee weiter, dann hat man schon das Gefühl oben zu sein, denn zu einer langen Galerie geht es etwas bergab. Kurz vor der Einfahrt in die Galerie sind die Gebäude an der Passhöhe zu sehen. Hinter der Galerie folgt noch ein kleiner Aufstieg an den Betriebsanlagen der Rhätischen Bahn vorbei und die Passhöhe ist erreicht.

Tag2_Profil

Tag 3 – Dienstag, 29. Juni 2010:

80km; 2100hm

Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.

Tag3_Route Am dritten Tag steht mit dem Furkapass und Nufenenpass ein sehr bekanntes Duo der Schweizer Alpen auf dem Programm. Der Furkapass liegt parallel zwischen Sustenpass und Nufenenpass und bildet die Grenze der beiden Schweizer Kantone Uri und Wallis. Östlich verläuft die Straße im Urseren entlang des Furkareuss-Quells sowie der historischen Furkabahn, im Westen passiert man den mächtigen Rhônegletscher. Für das Auge sind die Dreitausender Furkahorn (3169 m), Galenstock (3583 m) und Dammastock (3630 m) im Norden, sowie die Muttenhörner (3099 m) und das Leckihorn (3065 m) im Süden. Den Furkapass kann man auf zwei grandiosen Rundreisen sowohl mit dem Sustenpass und Grimselpass als auch mit dem Nufenenpass und St. Gotthardpass kombinieren. Wer alle fünf Pässe in einer großen Acht verbindet und den Furkapass zweimal nimmt, solle sich bitte bei uns melden (Anm.: Redaktion www.quaeldich.de). Die klassische Auffahrt zum Furkapass ist die östliche aus Realp, so wie sie auch bei der Tour de Suisse oft gefahren wird. Am Ortsende von Realp passiert man die Einstiegsstelle zur historischen Furkabahn und sieht schon die abenteuerlich in die Höhe steigende Straße. Schnell wird einem klar, dass dieser Pass keineswegs einer der Einfachen ist, denn der untere Serpentinenteil kann mit zweistelligen Steigungsprozenten aufwarten.  Im Mittelteil, am Restaurant Tiefenbach, wird es wieder etwas flacher, aber es geht trotzdem noch ordentlich zur Sache und die nun folgende ewig lange Gerade kann einen schon ganz schön ermüden. Motiviert wird man durch die zahlreichen Schlachtrufe, die in großen Lettern mit den Namen der Tour de Suisse-Helden auf die Straße gepinselt sind.  Im oberen Serpentinenabschnitt wird es noch einmal wirklich steil, aber man wird auf der Passhöhe auf 2436 m Höhe mit einem tollen Ausblick dafür belohnt. Die Abfahrt hinunter nach Gletsch (1757 m) besteht größtenteils aus recht engen Serpentinen und ist ähnlich steil wie der Anstieg von Osten, die Straße ist aber wesentlich besser ausgebaut und daher auch frischer asphaltiert. Zu erwähnen ist noch, dass man direkt am Rhônegletscher und dem von Touristen überfluteten Hotel Belvedère vorbeirauscht.  Der Furkapass gehört mit zu den schönsten Schweizer Passstraßen, denn er besticht auf dieser Ostanfahrt durch einige gerade Abschnitte, eine Fülle von Serpentinen, eine wunderschöne Landschaft, gute Straßenverhältnisse und einige kernig-steile Passagen. Der Autoverkehr hält sich hier auch in erträglichen Grenzen, allerdings muss man speziell bei der Abfahrt (besonders am Hotel Belvedère) höchste Vorsicht walten lassen, denn hier kreuzen viele unaufmerksame Touristen die Straße, um den Rhônegletscher zu besichtigen.

Der Nufenenpass ist mit seinen 2478 m der höchste innerschweizerische Alpenübergang und bildet die Grenze zwischen dem Wallis und dem Tessin. Von Osten aus erreicht man die Passhöhe über das Val Bedretto entlang dem Ticino und gelangt durch zahlreiche Serpentinen nach Ulrichen. Umgeben wird der Pass vom Piz Nero (2904 m) im Norden und von der italienischen Grenze im Süden. Der Nufenenpass ist einer der jüngsten Alpenübergänge überhaupt, denn er wurde erst vor 30 Jahren erbaut. Durch seine hohe Durchschnittssteigung, seine zahllosen Serpentinen und seine Windanfälligkeit (in beiden Richtungen) ist der Nufenen einer der Härtesten. Da es in diese Hochgebirgslandschaft eh keinen Menschen zieht, und man über Furka und Gotthard genauso ins südliche Klima des Tessin gelangen kann, ist es durchaus berechtigt, den Nutzen des Nufenen in Frage zu stellen. Wer sich die volle Packung geben will, ist an diesem Pass genau richtig. Noch spaßiger für den Radler ist eine Runde über den Furka-, Nufenen- und das Val Tremola des Gotthardpasses.  Die westliche Auffahrt von Ulrichen ist abwechslungsreich und sehr zu empfehlen, während die Ostanfahrt aus Richtung Airolo von der Straßenführung her eher langweilig (aber dennoch hart) ist und auch landschaftlich durchaus einiges zu bieten hat. Dies ist zwar die kürzere, sicher aber auch die schwerere, weil steilere Auffahrt. Es ist die klassische Variante, die auch gerne in einer Runde mit Furka- und Gotthardpass gefahren wird, so wie auch schon desöfteren bei der Tour de Suisse, was zuletzt im Jahre 2005 der Fall war. Damals war dieses 100 km lange Teilstück mit Start und Ziel in Ulrichen zugleich die letzte Etappe der gesamten Rundfahrt.  Startet man, wie die Profis 2005, in Ulrichen, so hat man nicht viel Zeit sich einzurollen, denn schon am Ortsende kommt die erste Rampe in Sicht und ehe man sich versieht, steckt man auch schon mittendrin. Zuvor hat man die noch jungfräuliche Rhône überquert, die sich hier im deutschsprachigen Goms noch Rotten nennt. Das zu Ulrichen zählende Dörfchen Zum Loch stellt dann den Beginn des Anstiegs dar. Die Steigung erreicht gleich auf den ersten beiden Kilometern Spitzen von 12 % und liegt meist im höheren einstelligen Bereich. Nach zwei Kehren folgt ein gerader Abschnitt, an dem man einen Blick nach rechts unten wagen sollte, wo sich der Gebirgsbach Ägene tief in den Fels eingeschnitten hat. Nach zwei weiteren kurzen Kehren erreicht man auf nun über 1600 m schließlich eine kleine Hochfläche. Doch flach ist es hier nicht. Die Straße verläuft zwar über etwa einen Kilometer nur leicht ansteigend geradeaus, doch der häufige Gegenwind kann hier ganz schön unangenehm sein und demotivierend wirken. Eine Brücke über die Ägene beendet dieses Teilstück und nun wird es dann auch richtig ernst. Zunächst verläuft die Straße weiterhin geradeaus am Hang entlang. Die Steigung liegt nun meist zwischen 9 und 12 %. Auf 1925 m passiert man die Alp Ladstafel, die hier in einem weiten Talkessel liegt, auf den man von weiter oben eine hervorragende Sicht hat. Störend wirken dann allerdings die zahlreichen großen Strommasten, die die sonst so schöne, wilde Kulisse doch ganz schön verschandeln.  Blickt man nun nach oben, sieht man schon die eng übereinander geschachtelten Kehren. Mit diesem Serpentinenabschnitt beginnt auch der Schlussteil der Passauffahrt. Wie in Trance schraubt man sich nun höher und höher und ist vermutlich trotz der meist hohen Steigung froh, dass man die endlos scheinende Gerade hinter sich gebracht hat. Bizarre Bergformen präsentieren sich nun über dem unter uns liegenden Talkessel. Immer wieder gerät das Blinnenhorn mit dem Griesgletscher in unser Blickfeld. In der vorletzten Kehre zweigt eine Straße zum Griessee ab.  Nun folgen wieder längere gerade Abschnitte. Die Straße führt nun in nordöstliche Richtung an der Südflanke des 3061 m hohen Pizzo Gallina entlang. Dieser zählt zum Massiv des 3192 m hohen Pizzo Rotondo, der den Wasserscheidepunkt von Atlantik, Adria und westlichem Mittelmeer darstellt. Er zählt zum Gotthardmassiv oder großräumiger betrachtet zu den sogenannten Lepontinischen Alpen. Die letzte Kehre führt uns schließlich wieder in die entgegengesetzte, also südliche Richtung. Die Passhöhe konnte man von der anderen Seite schon erkennen, nun liegt sie wieder etwas verdeckt. Auf den letzten Metern wird noch einmal die Maximalsteigung von rund 13 % kurzzeitig erreicht, dann passiert man auch schon das Passschild, das ein wenig unterhalb der Passhöhe positioniert ist. Diese liegt dann in einer Linkskurve an zwei kleinen Seen. Von der Passhöhe hat man nun eine großartige Sicht. Nach Osten blickt man hinab in das Val Bedretto, nach Westen hinüber bis zu den vergletscherten Berner Alpen mit seinem höchsten Gipfel, dem Finsteraarhorn (4274 m). Nördlich und östlich von uns thronen die Gipfel des Gotthardmassivs. Südlich des Passes erheben sich Helgenhorn (2837 m) und Grieshorn (2929 m). Die Abfahrt in das Val Bedretto gestaltet sich nun anfangs etwas ruppig, da die Straße, wie am Lukmanierpass, aus hässlichen Betonplatten besteht. Auf der langen Gerade nach den ersten Kehren sind aber dennoch hohe Geschwindigkeiten möglich.

Tag3_Profil Tag 4 – Mittwoch, 30. Juni 2010:

81km; 2250hm

Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.

Tag4_RouteDas Highlight der Tour soll heute bezwungen werden, der Gotthardpass. Aber auch der Sustenpass muss überquert werden um nach Meiringen zu gelangen. Der St. Gotthard ist schon seit Menschengedenken eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen. Heute erkennt man seine Wichtigkeit anhand von 4 Überquerungsmöglichkeiten zwischen Airolo und Andermatt: die Eisenbahn, der Autobahntunnel, die Bundesstraße und die alte Poststraße durch das Val Tremola. Der Pass bildet die Grenze zwischen Uri und dem Tessin, und er wird vom Lago di Lucendro im Westen und dem Lago della Sella im Osten eingeschlossen. Bei guter Sicht kann man die Gipfel des Piz Centrale (3000 m) und des Winterhorns (2661 m) erkennen. Der St. Gotthard ist auch als der Wettermacher bekannt. Während man in Airolo mediterranes Wetter und italienisches Flair vorfindet, erlebt man im Norden wieder das raue alpine Klima. Auch wenn man als Rennradler meist nichts Positives über Kopfsteinpflaster verliert, so gehört der St. Gotthard mit dem Val Tremola zum absoluten Non plus ultra für Pässeradler. Man durchquert eine herrliche Natur, wird vom Mythos des Gotthard beflügelt, und wenn man Glück hat, begegnet man sogar der uralten Postkutsche, die immer noch über den Pass fährt. Die Passhöhe wartet mit einem Restaurant, einem Passmuseum und einem alten Hospiz auf, welches die Geschichtsträchtigkeit des St. Gotthard betont. Tremola…o Tremola! Für viele klingt dieser Name wie Musik in den Ohren, für nicht wenige Radsportler und Radsportlerinnen klingt er hingegen nahezu bedrohlich. Kein Wunder, denn schließlich heißt Val Tremola, das Hochtal, das es zu bezwingen gilt, frei übersetzt „Tal des Zitterns”. Da diese Straße unter Denkmalschutz steht, konnten die Pflastersteine für die Nachwelt erhalten bleiben. Damit ist sie in dieser Form im gesamten Alpenraum einzigartig. Die Tremola wurde zwischen 1827 und 1830 gebaut und ist heute das längste Baudenkmal der Schweiz und zu einem echten Mythos geworden. Die Tour de Suisse stattet ihr auch hin und wieder einen Besuch ab, zuletzt im Jahre 2009, als der Gotthardpass das Dach, also den höchsten Punkt, der gesamten Rundfahrt darstellte. Ausgangspunkt ist Airolo. Die eigentliche Gotthardtrasse beginnt allerdings schon in Biasca, doch werden viele sicher vom Nufenenpass abkommen. Ab Biasca müssen auf 50 km insgesamt etwa 1820 Hm zurückgelegt werden. Im Zentrum von Airolo folgt man dann einfach der Straße bergauf in Richtung Gottardo. Kommt man vom Nufenen ab, so kann man bereits vor Erreichen des Ortes links abbiegen. Vor der ersten Kehre der neuen Straße biegen wir schließlich rechts auf die Pflasterstraße ab. In 32 Kehren windet sich die meist gepflasterte Straße nun zur Passhöhe, wovon 24 auf das eigentliche Val Tremola entfallen.  Durch sechs zum Teil gepflasterte Kehren klettert man nun bei Steigungswerten zwischen 7 und 10 % nach Motto Bartola (1530 m). Dort blickt man schon tief hinunter nach Airolo. Man hält sich nun einfach geradeaus, ansonsten landet man nämlich auf der breiten neuen Straße. Es folgt nun erst einmal ein längerer asphaltierter Abschnitt, ehe es in das Val Tremola hineingeht. In einem Linksbogen tauchen wir nun in dieses ein. Häufig liegt es im Schatten der Berge und hoch über uns erkennt man immer wieder die Gallerien der neuen Trasse. Nachdem man den Gebirgsbach überquert hat, folgt die spektakuläre Kehrenpassage. Die häufig gemauerten Serpentinen winden sich meist eng übereinander liegend und in kurzer Folge den Hang hinauf. Die Steigung erreicht dabei maximal 11 %, liegt aber meist um die 8 %. Zu kämpfen hat man hier nicht nur mit den Pflastersteinen, sondern auch mit dem Wind, der hier häufig kräftig talabwärts weht. Nach der letzten Kehre führt die Straße zunächst in östliche Richtung, ehe uns eine Linkskurve in nordwestliche Richtung führt. Dabei passiert man einen See. Hier im nun offenen Gelände auf dem kleinen Hochplateau am Gotthardpass kann der Gegenwind jetzt noch einmal richtig weh tun. Nach etwa 14 km erreichen wir dann am Gotthard-Museum die Passhöhe auf 2091 m Höhe. Fährt man nun links weiter zur Schnellstraße, so gelangt man zu einem zweiten Passschild, das 2109 m Höhe angibt. Die Passhöhen der neuen und der alten Gotthardstraße sind also in der Höhe ein wenig unterschiedlich.

Der Sustenpass ist einer der vielen Pässe in der Zentralschweiz, und er bildet die natürliche Grenze zwischen den Kantonen Uri und Bern. Von Osten her erreicht man die Passhöhe über das Meiental, während man westlich das Gadmental zu durchfahren hat. Bei guter Sicht hat man freien Blick auf die Fünffinger- (3023 m) und die Wendenstöcke (3042 m) im Norden, sowie auf den Stucklistock (3308 m), den Fleckistock (3417 m) und das Sustenhorn (3503 m) im Süden der Passhöhe. Direkt in Wassen beginnt die Steigung, und es wird über zahlreiche Brücken und Tunnels eine enge Schlucht überwunden. Danach geht es immer stetig bergan auf einer langen fastkurvenlosen Geraden, wo man wenigstens unten noch von Nadelwald umgeben ist. Nach 11 km passiert man die Ortschaft Färningen, und nun hat auch der schattenspendende Wald ein Ende. Doch die endlose Gerade, die an der rechten Bergkette des Tals entlangführt, hört noch lange nicht auf. Ist man jedoch am Sustli-Haus vorbeigefahren, beginnt (endlich) ein interessanterer Abschnitt mit schönen Serpentinen, die die Straße hinauf zum Gebirgsübergang führen sollen. Dieser Teil des Susten erinnert strassenbautechnisch an die anderen Schweizer Pässe Nufenen, Furka, Grimsel und Klausen. Die Passhöhe erreicht man über einen kurzen Tunnel, an dessen Ausgang sogar im Hochsommer dicke Eisblöcke ruhen. Außer einem kleinen See ist an der Passhöhe nichts Anziehendes für den Radler zu finden, und folglich stürzt man sich wieder ins Tal hinunter. Die Abfahrt nach Innertkirchen ist sehr lang, was spürbar auf die Arme und Hände geht, und außerdem ist sie mit Tunnels verziert, die den Spaß deutlich bremsen. Für viele gehört der Sustenpass zu den schönsten Alpenpässen, was man allerdings stark anzweifeln muss. Die endlosen Geraden drücken die Stimmung im Anstieg enorm, denn es fehlt einfach die Abwechslung. Im oberen Teil jedoch ist er zweifelsfrei ein sehr schöner Alpenübergang, und wer Geschmack an langen mittelschwer ansteigenden Geraden hat, für den ist der Susten wohl einer der schönsten Pässe. Die Steigung liegt auf der Westrampe meist zwischen 7 und 9 % und ist daher nicht allzu anspruchsvoll.

Tag4_Profil

Tag 5 – Donnerstag, 01. Juli 2010:

101km; 2400hm

Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.

Tag5_RouteDie Grosse Scheidegg (1962 m) ist trotz der Nähe zu den zentralschweizer Pässen Sustenpass und Grimselpass relativ unbekannt. Erst 1996 fuhr die Tour de Suisse erstmals hinüber und machte ihn auch außerhalb der Region bei Insidern bekannt. Im Gegensatz zur Kleinen Scheidegg, die mit 2061 m Höhe paradoxerweise gut 100 m höher liegt als ihre große Schwester und nur mit der Zahnradbahn (oder per MTB) zu erreichen ist, zählt die Grosse Scheidegg zu den sportlichen Höhepunkten für Rennradler im Berner Oberland. Im Schatten des erhabenen Berner Dreigstirns Eiger (3970 m Höhe), Mönch (4107 m Höhe) und Jungfrau (4158 m Höhe) gelegen, ist die seit 1979 bestehende durchgehende Straßenverbindung von Meiringen nach Grindelwald ein unverzichtbares Highlight in den Berner Alpen. Die auf beiden Seiten des Passes lediglich 3 Meter breite Straße ist für Kfz gesperrt – allein der Postbus von Grindelwald nach Meiringen darf hier verkehren, und unser Begleitfahrzeug im Jahr 2001 aufgrund einer Sondergenehmigung. Nur am Wochenende ist zwischen Rosenlaui und Schwarzwaldalp auf der Ostseite mit Verkehr zu rechnen. Die Passstrecke ist wunderbar einsam und landschaftlich wunderschön. Steigungswerte von bis zu 15 % und kurz auch darüber auf beiden Seiten (bei durchschnittlich fast 10 %) lassen hier Höchstwertungen zu. Die Ostrampe von Meirigen ist aber die wesentlich längere der beiden Auffahrten. Von der Passhöhe der Grossen Scheidegg hat man einen wunderbaren Blick auf das Wetterhorn (3701 m Höhe), das die Ostauffahrt dominiert, sowie auf die Kleine Scheidegg vor der Jungfrau im Westen. Achtung: mit der rücksichtslosen Fahrweise der Postbusse (die von Juni bis September verkehren) auf der Strecke Grindelwald-Meiringen haben nicht nur wir schlechte Erfahrungen gemacht. Die Busse nehmen die ganze Straße ein, so dass ein Verlassen der Straße manchmal der einzige Ausweg ist. Idealer Ausgangspunkt für die rund 17 km lange Anfahrt von der Ostseite her ist der Bahnhof Meiringen. Von dort aus führt der Weg gut ausgeschildert (kleine rote Veloschilder) in Richtung Willigen, wo er kurz vor dem Ortsausgang rechts abzweigt und sich sogleich auf einem schmalen Sträßchen Richtung Schwendi/Zwirgi hinauf windet. Bis zur Passhöhe sind nun insgesamt fast 1400 Höhenmeter zu überwinden. Die gute Nachricht: die Bergstraße schlängelt sich derart abwechslungsreich durch wild-romantisches und gottverlassenes Gelände, dass einem schier die Spucke wegbleibt. Im spärlich besiedelten Alpgebiet trifft man nur gerade auf eine Handvoll Gasthäuser, daneben nichts als Bergwiesen, Wasserfälle und Fels. Die schlechte Nachricht: der Pass ist steil, an gewissen Stellen sogar sehr steil (12 bis 14 %). Bei der kurzen Rampe unmittelbar nach der Schwarzwaldalp ist man sogar geneigt, den 18 % Glauben zu schenken, die immer wieder angegeben werden. Doch die Mühe lohnt sich gewaltig. Die letzten Windungen bis zur Passhöhe sind bald wieder zügiger befahrbar, und wenn der kleine Parkplatz und das Hospiz in Sichtweite rücken, ist eigentlich schon fast an einen Schlussspurt zu denken. Sehr gut trainierte Rennradler benötigen von Meiringen bis auf die Grosse Scheidegg etwa 1 bis 1,5 Stunden, jene, die es etwas gemächlicher angehen, noch etwas länger. Die Abfahrt hinab nach Grindelwald ist nicht weniger romantisch, wenngleich die schmale Straße und die nicht immer optimale Asphaltdecke immer wieder einige Konzentration erfordern. Auch hier ist die Steilheit spürbar, 60 (und mehr) km/h sind locker drin. In Grindelwald angekommen, kann man die Runde bis nach Interlaken verlängern, immer alles leicht abwärts und auf besten Straßen. Der ausgeschilderte Radweg unterhalb Grindelwald ist zwar theoretisch für Rennräder fahrbar, trotzdem ist die Hauptstraße empfehlenswerter, vor allem wenn man seinen Schnitt noch etwas aufpolieren möchte. Bis Interlaken kommen so etwa 2,5 Stunden Fahrzeit und rund 50 km zusammen.

Die Axalp ist eine Lichtung auf einer Bergschulter oberhalb Brienz an der Südseite des Brienzer Sees. Früher wurde diese Alp als Sommerweidegebiet genutzt, heutzutage ist sie ein bekanntes Skigebiet des Berner Oberlandes. Wie so oft bedeutet das eine Verschandelung der Gegend mit Skiliften und üblen Bauwerken. Sie wird von ein paar imposanten Bergen wie dem Axalphorn (2321 m), Faulhorn (2681 m), Schwarzhorn (2927 m) und dem Brienzer Rothorn (2350 m) umgeben. Unterhalb der Alp endet die steile Bergflanke im kalten Brienzersee. Das Panorama ist grandios. Von Brienz aus erreicht man rasch den Brünigpass oder über Meiringen den Susten und den Grimsel. Unterhalb der Axalp befinden sich die Giessbachfälle mit dem schön gelegenen Grand Hotel Giessbach (welches zum Teil als Drehort des zehnten Teils der Zweiter-Weltkrieg-Serie “Band of Brothers” diente). Als Anfahrt mit dem Rennrad eignet sich als Ausgangspunkt eigentlich nur Brienz, denn die Hauptstraße (und der Zug) umfahren den See auf der Brienzer Seite. Die steilere Seite des Sees, an welcher sich die Axalp befindet, wird nur von der Autobahn mittels Tunnels unterfahren. Es gibt zwar eine Straße von Interlaken aus bis Iseltwald, doch ab dort gibt es nur noch einen Radweg, welcher nach Kenntnisstand des Autors nicht asphaltiert und auch nicht durchgängig befahrbar ist. Kommt man allerdings aus Richtung Meiringen und Brünig, so muss man nicht bis Brienz fahren, sondern biegt zuvor zur Axalp ab. Am Alpengasthof Axalp angekommen muss noch nicht unbedingt Schluss sein, denn über ein für den motorisierten Verkehr gesperrtes Almsträßchen gelangt man noch zur Chüemad auf knapp 1800 m und zum Chruttmettli auf ca. 1700 m. Von hier aus genießt man tolle Blicke auf das markante Axalphorn und die raue Bergwelt. 1100 bis 1200 m über dem mediterran anmutenden Brienzer See kommt hier echtes Hochgebirgsfeeling auf. Aus Brienz fährt man zuerst Richtung Meiringen und nimmt dann kurz außerhalb von Brienz die Abzweigung Richtung Axalp. Die Straße verläuft hier völlig flach entlang des Seeufers, bis man nach 2,5 Kilometern die Autobahn unterquert. Danach biegt man rechts ab, und es geht gleich richtig zur Sache. Es sind noch etwa neun Kilometer bis zum Ziel, was bei einer Höhendifferenz von 968 m eine durchschnittliche Steigung von etwas mehr als 10 % bedeutet. Zur Einstimmung geht es auch gleich mit deutlich über 10 % los. Nach etwa 1,5 Kilometer zweigt eine Straße zum Grand Hotel Giessbach und den Giessbachfällen ab. Die Straße zur Axalp beschreibt eine Linkskurve und steigt weiter stetig an. Nach knapp 5 Kilometern (immer ab Brienz gemessen) kommt in einer Linkskurve ein Restaurant. Man sollte sich aber hüten, hier zur Belohnung bereits einzukehren (obwohl die Anstrengung schon beachtlich war), denn man hat noch nicht einmal die Hälfte des Anstieges geschafft. Weiter geht es steil bergauf. Nach 7 Kilometern flacht die Straße ausnahmsweise etwas ab – wenn auch nur für ein paar hundert Meter. Auf einem Wanderwegweiser sieht man, dass man sich schon auf 1100 Metern befindet. Man erreicht eine kleine Ebene mit ein paar Alphütten, an deren Flanke die Straße wieder stark ansteigt. Nach ca. 10 Kilometern sieht man endlich, dass die Steigung ein Ende nimmt, und man hofft schon, dass das Ende erreicht sei. Tatsächlich kann man sich hier kurz erholen. Das sollte man auch tun, denn man hat sich zu früh gefreut, und nach der nächsten Linkskurve geht es im gewohnten Stile weiter, also mit Steigungen um die 10 %. 500 Meter weiter sieht man endlich und zum ersten Mal die Axalp und kann abschätzen, dass es nicht mehr allzu weit ist. Nach einer letzen Rechtskehre erreicht man die schmucklose Axalp. Der Endpunkt der Auffahrt befindet sich am Ortsende am Alpengasthof Axalp, wo die öffentliche Straße endet.  Die Auffahrt ist insgesamt streng, denn die Steigung sinkt nur ganz selten unter die 10-Prozent-Marke, und man hat fast nie die Möglichkeit, etwas Atem zu schöpfen. Die Auffahrt verläuft größtenteils im Wald, aber man hat immer wieder Ausblicke auf die großartige Szenerie der umgebenden Berge und des milchig-blauen Brienzersees. Der See ist ein guter Referenzpunkt, um sich anhand der gewonnenen Höhe zu motivieren. Die Asphaltqualität ist trotz einiger Schlaglöcher ausreichend für eine rasante Abfahrt.

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Tag 6 – Freitag, 02. Juli 2010:

118km; 1900hm

Die detailliertere Route ist auf GPSies zu finden – einfach dem Link folgen.

Tag6_RouteZum Abschluss darf natürlich auch der Grimselpass nicht fehlen! Der Grimselpass verläuft westlich parallel zum wichtigen Gotthardpass, und stellt somit eine interessante Nord-Süd-Verbindung dar. Von Norden aus durchquert man das mächtige Haslital entlang des Flusses Aare, und gelangt über die Passhöhe ins südliche Goms. Umringt wird der Pass von den Gipfeln des Ritzlihorns (3282 m) und den Gerstenhörnern (3189 m). Zum Grimselpass kommt man entweder über die abwechslungsreiche nördliche Rampe oder von Süden über Ulrichen und Gletsch, von wo aus man die furchterregende Serpentinenkonstruktion von weit her zwischen den Steilhängen des Rhônetals sehen kann. Der Grimsel ist wohl einer der klassischen Serpentinenpässe in der Schweiz, neben dem Splügenpass von Splügen aus. Der Grimselpass ist Teil der legendären, oft durchfahrenen Pässerunde Susten–Furka–Grimsel mit 120 km und ungefähr 3500 Höhenmetern. Von der Passhöhe aus ist der kurze Abstecher zum Oberaarsee noch sehr empfehlenswert. Die abwechslungsreichere Strecke ist sicherlich der Aufstieg von Norden. Zwar ist der Pass von Innertkirchen deutlich schwerer, aber der Charakter des Grimsel ist von der nördlichen Seite eher zu erkennen. Über kleinere Dörfer führt die Straße gemütlich mit leichter Steigung durch Wald und Wiesen immer entlang der Aare. Doch je höher man kommt, desto mehr lichtet sich der Wald, die Steigung nimmt immer stärker zu und bald sind nur noch Fels und Geröll zu sehen. Eine solch karge Landschaft bekommt man selten zu Gesicht. Trügerisch erweisen sich die großen Staumauern im oberen Teil, da man jeweils dahinter die Passhöhe erwartet, aber der Grimselpass kennt kein Erbarmen und zieht schließlich in einem Dutzend Kehren doch noch zum ersehnten Passschild. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Gebirgsstauseen Grimselsee und Räterichsbodensee. Diese Anfahrt zum Grimselpass bietet eigentlich alles, was ein Pass haben muss: Ein furchterregender Steilhang, ausgedehnte weite Kurven, humane Steigungen, abwechslungsreiche Landschaften und genügend Höhenmeter. Deshalb sollte dieser Schweizer Pass in keiner Sammlung fehlen.

Der Brünigpass ist ein kleiner, wenig schöner Pass, der Meiringen am Fuße von Sustenpass, Grimselpass und Grosser Scheidegg mit Sarnen verbindet. In Sarnen nimmt die Ostrampe zum Glaubenbergpass ihren Ausgang. Von Brienz aus folgt man den Schildern nach Luzern; die Straße ist 8 km lang eben, danach beginnt sie zu steigen. Recht bald werden wir Radfahrer nach links durch Brienzwiler geschickt – es ist verboten, mit dem Rad der Landstraße zu folgen. Dies ist auch sinnvoll, weil die Landstraße durch einen Tunnel führt. Die Umfahrung durch Brienzwiler ist vollständig geteert und ohne "Gegengefälle", also spricht nichts dagegen, sie auch zu benutzen. Nach dem Tunnel trifft man wieder auf die Landstraße. Diese steigt noch etwa 270 Hm bis zur Passhöhe recht steil an. Die Fahrbahnen in der Auffahrt sind eher schmal. Die Abfahrt nach Lungern ist gut geteert, die Fahrbahnen sind etwas breiter als bei der Auffahrt und die Kurven nicht zu steil, so dass man trotz des flachen Gefälles mit 40 bis 50 km/h locker mit den Autos mithalten kann. Es ist allerdings Vorsicht geboten, da es oft so viel Verkehr gibt, dass es sich (auch mal unerwartet nach einer Kurve) staut. Gegen Ende gibt es eine schöne Aussicht auf den Lungerer See.

Tag6_Profil

Um ehrlich zu sein bin ich von der Streckenführung selbst ziemlich begeistert. Eigentlich wird nichts ausgelassen was nicht verdient ausgelassen zu werden. Zum Abschluss bleibt mir eigentlich nur zu hoffen das uns auch 2010 der Wettergott wieder wohl gesonnen ist und wir die Tour so richtig genießen können.


Faszination Radsport – Besser geht’s nicht

August 29, 2009

rennradlogo

Besser geht’s nicht

titelte die Tour – Das Rennradmagazin im Mai 2009. Wie ich finde, wohl eine der besten Radsportreportagen die ich bis heute gelesen habe. Daher möchte ich die in der Ausgabe zusammengefassten Gründe die die Faszination Radsport so treffend beschreiben hier noch einmal niederschreiben.

Wer zum ersten Mal aufs Rennrad steigt ist zunächst unsicher. Die Füße wie festgenagelt, der Rücken krum, der Sattel ein Brett – so so soll man 40, 50, irgendwann mehr als 100 Kilometer zurücklegen? Doch wer durchhält wird belohnt. Nach ein paar Ausfahrten stellt sich ein, wovon Radler schwärmen: Die Einheit von Mensch und Maschine, der Raus der Geschwindigkeit, das Erlebnis in freier Natur.

Rausch der Geschwindigkeit

Wir Menschen sind eigentlich für Gehen gemacht, fürs Traben auf der Suche nach ergiebigen Jagdgründen, für einen kurzen Sprint um dem Tritt des Mammuts zu entgehen. Aber mit der Erfindung des Rades hat sich unser Spielraum vergrößert. Und auch der Spaß. Denn so reizvoll es sein mag, genau hinzuschauen und die Blümchen am Wegesrand zu zählen – so richtig Spaß macht Tempo erste jenseits von Schrittgeschwindigkeit, jenseits des Menschentypischen. Genau das ermöglicht das Rennrad. Mit herzhaftem Antritt katapultiert man sich binnen Sekunden auf Tempo 40, 50, und mehr. Je schneller man ist desto mehr wird die Straße zur Welle. Leicht fühlt sich das an. Berauschend. Der Wind rauscht, da Blut rauscht, die Schlacke des Alltags bleibt zurück. Tempo macht schwerelos, alles ist im Fluss. Wenn alles passt, ist das völlige Harmonie – mit sich selbst, mit den Elementen, mit der Umgebung. PICT0099 Ausdauertraining an sich sorgt ja schon für ein gutes, bewusstes Körpergefühl. Aber die Rückkoppelung mit der Geschwindigkeit hebt das Erlebnis auf die nächste Stufe, weil jede Pore mitmacht, weil alle Sinne animiert werden. Wer schnell fährt, erlebt intensiver. Beispiel Rumpelpiste: Natürlich kann man sich darüber ärgern, von brüchigem Asphalt durchgeschüttelt zu werden. Aber wer mit Tempo auf solch einen Abschnitt einbiegt, sieht das als Herausforderung. Geist und Körper spannen sich, plötzlich ist das Rumpeln gut, weil es Tempo und damit die eigene Kraft spürbar macht. Radprofis die ihr Sprints oft mit Tempo 60 ausfahren, sind wie eine heranstürmende Büffelherde. Die Masse der Fahrer macht Tempo auch von außen fühlbar. Ein Sog wie von einem Lastwagen zieht über den Rücken. Dabei ist die Spitzengeschwindigkeit für Rennradler auch beim Sprint nicht erreicht. Bergab geht’s noch schneller. 70 bis 80 km/h, wer sich traut, kann Tempo 100 knacken. Das ist dann wirklich richtig schnell. 100 km/h im Auto fühlen sich dagegen nur langsam an. Natürlich ist es verrückt ohne Schutzkleidung, Fahrwerk und wirklich standfeste Bremsen so schnell zu fahren – aber es kickt! Das Rennrad mit sehr überschaubarer Technik, rund sieben Kilo schwer und mit nichts als Muskelkraft befeuert, deckt einen weiten Teil der Geschwindigkeit ab, die wir vom Automobil gewöhnt sind. Das relative hohe Dauertempo, das das Rennrad erlaubt, ist dabei die Basis für seine Langstreckentauglichkeit. Wer trainiert, kann damit irgendwann 200 bis 300 Kilometer zurücklegen. Faszinierend! Wenn es rauscht und pfeift, sich der Blick verengt, Straße und Blickrand ein wenig verwischen ist die Freiheit auf dem Rad am größten. Frischer Sauerstoff in der Lunge plus Tempo, das sich nach Tempo anfühlt – das ist das Rennradgefühl.

Robert Kühnen

Abenteuer Landschaft

Ein Frühsommertag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Blumen blühen. Ich will hinaus, es geht nicht anders. Ich will auf dem Rad durch die Landschaft fliegen. Über Ebenen und Hügel schweben, an Flüssen entlang flattern, Wälder durchqueren. Ein reiches Menü liegt da vor meiner Haustüre. Ich fahre los. Das erste Stück ist DSC00265 flach, ich radle mich warm, ohne Druck. Dann geht es in den ersten Hügel. Ich kenne ihn wie einen alten Freund, spüre seinen Widerstand. Vielleicht meint er es gar nicht so ernst mit dem Widerstand, vielleicht will er nur spielen mit mir. Also spielen wir. Ich fahre nicht so, als ob ich seinen Widerstand brechen wollte, da wäre zu grob. Ich suche mir einen guten Rhythmus – viel Schwung, wenig Kraft. Wenn ich diese Geschmeidigkeit gefunden habe wird es angenehm. Es stellt sich eine Art Zwiegespräch mit der Landschaft ein. Das wohlige Gefühl bereitet sich aus, von der Landschaft aufgenommen zu werden, ich gehöre zur Natur mit all meinen Sinnen: Ich spüre die Temperatur, ich rieche die Jahreszeit, meine Augen trinken die Landschaft, um meine Ohren rauscht der Fahrtwind. Vier meiner Sinne sind stets beteiligt am Fahren. Später, wenn der Mund austrocknet oder die Zunge salzigen Schweiß schmeckt, gesellt sich auch dieser Sinn dazu. Manchmal spielen einem die Sinne auch Streiche. Wenn ich durch die Schweizer Berge fahre, habe ich alle fünf Minuten ein anderes Bild. Am Abend schmerzen meine Augen, als ob ich drei filme nacheinander gesehen hätte. In der texanischen Steppe dagegen kann sich das Auge an nichts halten. Hie und da aber höre ich einen seltsamen Vogel, dessen Gesang an Glockentöne erinnert. Abends vor dem Einschlafen hallen sie in meinem Kopf wider wie das Sonntagsgeläute einer Kathedrale. Bin ich das Stilfserjoch hinaufgefahren, erinnere ich mich bloß an einem rätselhaften Jodgeschmack im Mund. Und wenn ich im Juli in der Provence unterwegs bin, verfolgt mich der Lavendelduft bis Weihnachten. Radeln ist ein Fest der Sinne. Manchmal ist es lustig, manchmal angenehm und manchmal grausam. Was ist so toll daran, durch eine Landschaft zu radeln? Vielleicht ist es dieser Dialog zwischen zwei Naturen, der landschaftlichen und der menschlichen. Nörgler werden einwenden, dass unser radelnder Naturgenuss erst durch mehrere kulturelle Vorleistungen ermöglicht werde: Straßenbau, Verkehrsregeln, Landkarten. Das alles ist Kultur. Zur Kultur gehört aber auch das Spielzeug namens Fahrrad – was überhaupt nicht herabmindernd gemeint ist. Im Gegenteil: Der Mensch ist dann am meisten Mensch, wenn er spielt. Das Rennrad ermöglicht uns eine neue Welterfahrung, ganz im Wortsinn. Es verwandelt unsere Muskelkraft in reine Fortbewegung, in höchste Landschafts- und Lebenslust.

Dres Balmer

Faszination Technik

Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte mein erstes Rennrad nicht einen verchromten Stahlrahmen gehabt. Damals, ich war gerade 13 Jahre alt, hatte ich von Rennradtechnik noch keinen blassen Schimmer. Doch der unwiderstehliche Spiegelglanz auf den Rohren brachte mich in Wallung. Vom ersten Tag an liebte ich mein Rad, wie ich nie zuvor etwas geliebt hatte. Nach jeder Ausfahrt wienerte und polierte ich das gute Stück, bis meine Finger schmerzten. Und noch heute übt die transparente Rennradtechnik einen unwiderstehlichen Reiz zum Selberschrauben auf mich aus. Das die Ausstattung meines Chrom-Flitzers von eher bescheidener Qualität war, bekam ich bald mit. Die italienischen Edel-Komponenten, von denen damals alle Rennradler träumten, verwahrte ein Händler in einer abgeschlossenen Vitrine auf rotem Samttuch. Wie Juwelen wurden dort polierte Schaltwerke und Kurbelgarnituren neben durchlöcherten Griffen präsentiert, bonbonbunt eloxierte Bremsen neben mit senffarbenem Wildleder umnähten Rennlenkern. Mehr als einmal schlich ich nur deshalb in den Laden, um mir an der Scheibe, die mich von diesen Preziosen trennte, die Nase platt zu drücken. Inzwischen bin ich einige Jahre älter, doch den Virus, den ich mir damals einfing, bin ich bis heute nie wieder losgeworden. Noch immer begeistert mich die feinmechanische Präzision ausgefeilter Rennradkomponenten, und noch immer weckt der Anblick einer edlen Rennmaschine kindliche Freude in mir. Rein rational ist diese Leidenschaft für Material kaum zu begründen, bietet doch ein 6.000-Euro-Renner zumindest einem Hobby-Fahrer kaum nennenswerte Vorteile gegenüber einem Rad für 1500 Euro. Dennoch – im Sattel eines sechs Kilo leichten High-Tech-Renners zu sitzen, vermittelt mir jedesmal aufs Neue einen Extra-Kick, der selbst die schönste Tour zu einem noch intensiveren Erlebnis macht. Und dann ist da noch der ästhetische Reiz, der von einem Rennrad ausgeht. Die ausgewogenen Proportionen, der Verzicht auf alles, was den Vortrieb hemmt, der edle Glanz der Komponenten – all das verschmilzt für mich zu einem Gesamtkunstwerk, das ich wie ein schönes Bild betrachten kann. Und je länger ich hinschaue, desto unbändiger wird mein Verlangen, dieses Kunstwerk in Bewegung zu setzten. Sie glauben ich hätte einen Dachschaden? Vielleicht. Aber welche andere Verrücktheit bringt einen in ähnlicher Wieser mit anderen Menschen zusammen, lässt einen die Welt intensiv erleben und macht zugleich fit und glücklich?

Manuel Jekel


TransAlp 2008

August 22, 2009
rennradlogo logo

Nach der Route Grand des Alpes 2005, der Tour de France 2006 und einem Jahr schöpferischer Pause suchten wir 2008 wieder eine neue Herausforderung und fanden sie im TransAlp. Die Idee hatte eigentlich mein Vater Alfred der im Magazin Tour (http://www.tour-magazin.de) einen Bericht über den JeanTex TransAlp 2007 lass. Damit stand schon mal der Start – und Zielort unseres 2008er Events fest, nämlich Garmisch-Patenkirchen in Deutschland und der Gardasee in Italien. Der Streckenabschnitt dazwischen ergibt sich dann quasi von selbst – man verteilt einfach 700 Kilometer auf 6 Tage und versucht dabei zumindest die wichtigsten Pässe (mehr als man denkt!) in die Planung mit einzubeziehen. Darunter finden sich so Namen wie Hantenjoch, Passo di Gavia, Passo di Mortirolo, Ammersattel, Passo di Croce Domini, Stilfser Joch, Arlbergpass und die Silvretta Hochalpenstrasse. Wie gewohnt vertraute ich dabei auf den Tourenplaner von www.quaeldich.de. Es heißt ja “Never change a winning Team” und so gab es auch in der Teamzusammensetzung fast keine Veränderung. Auch mein Onkel Hansi stellte sich wieder als Betreuer zu Verfügung. Der Bus wurde wie schon 2005 vom meinem Onkel Hermann organisiert und so musste nur noch der Wettergott mitspielen und einer traumhaften Alpenüberquerung stand nichts mehr im Wege. Und so lagen am 29. Juni 2008 dann doch etwas beängstigende 11500hm und rund 700km vor uns und wollten bezwungen werden.

de.quaeldich.tourenplaner.client.TourenplanerSchnappschuss014

Der detaillierte Streckenplan kann unter folgenden Link heruntergeladen werden: Streckenplan. Und natürlich stelle ich auch unsere Hotellisten zum Download bereit: Hotelliste. Auch möchte ich wieder darauf hinweise das einige Details bezüglich der Pässe der Seite www.quaeldich.de entnommen sind. Danke!

Tag 1:

105km; 1500hm
Garmisch-Partenkirchen – Oberau – Ettaler Sattel – Ammersattel – Reutte – Weissenbach – Stanzach – Bschlabs – Hantenjoch – Imst

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - TransAlp 2008 - Tag1

Am ersten Tag stand mit dem Hantenjoch ein sehr bekannter und wunderschöner aber auch gnadenlos harter Genosse auf dem Programm. Aber soweit sind wir noch nicht. Am Anreisetag hatten wir noch die Gelegenheit die neu erbaute Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen zu besichtigen. Zu unser aller Verwunderung hatten wir die Möglichkeit bis nach ganz oben (und ich meine bis zum Absprungbalken) zu marschieren. Schon sehr beeindruckend wenn man sich vorstellt das die Jungs sich da im Winter ohne Rücksicht auf Verluste hinunterlassen. Garmisch selbst ist ein sehr schöner und gemütlicher Ort mit einem wohl einzigartigen Panorama, nämlich der Zugspitze. Auch unsere Unterkunft das Hotel Hotel Drei-Mohren stellte sich als gute Wahl heraus. Es liegt mitten im Zentrum, hat einen sehr schönen Gastgarten und auch über die Küche darf nicht gemeckert werden. Aja, und es gibt mein Lieblingsbier, das Paulaner Weizen, was aber in dieser Gegend nicht wirklich was besonderes ist, denn man muss sich schon bemühen wenn man kein Paulaner haben will. 

CIMG0468

Am nächsten Tag ging es dann aber los in Richtung Ettaler Sattel und Ammersattel. Mit rund 450hm gerade Richtung um warm zu werden. Auch, der Wettergott blieb uns treu und wie in den vergangen Jahren starteten wir mit blauem Himmel und Sonnenschein. Der Ammersattel ist eigentlich kein echter Alpenpass. Ihn als solchen zu bezeichnen, wäre bestimmt eine Beleidigung für so manch anderen gestandenen Alpenübergang. Der Ammersattel befindet sich inmitten des Naturschutzgebiets Ammergauer Alpen; geographisch gesehen findet man ihn auf halbem Weg zwischen Füssen und Garmisch-Partenkirchen.
Entgegen der Darstellung auf manchen Karten befindet sich unser „Pässchen“ aber komplett auf österreichischem Boden, die Grenze zu Deutschland verläuft ein paar hundert Meter östlich des höchsten Punktes. Auch hinsichtlich der Höhe des Ammersattels gibt es gewisse Unklarheiten: auf Karten findet man nämlich häufig die falsche Angabe von 1082m. Dieser Wert bezieht sich jedoch auf den Grenzübergang. Die eigentliche Wasserscheide befindet sich auf einer Höhe von 1118m.
In der unmittelbaren Umgebung befinden sich immerhin drei Zweitausender-Gipfel: die Kreuzspitze (2184m), die Geierköpfe (2163m) sowie die Hochplatte (2082m). Die Passhöhe selbst ist jedoch etwas enttäuschend; sie liegt mitten im Wald. Macht aber nichts, denn der Ammersattel punktet eben durch seine Idylle und die relative Abgeschiedenheit.

CIMG0479 Am Plannsee vorbei ging es dann weiter Richtung Reutte wo wir bei einem Studiumskollegen von Bernhard (unser Neuzugang dieses Jahr) Rast machten und uns für das Hantenjoch stärkten. So gegen 14 Uhr erreichten wir schließlich Elmen von wo man man direkt auf die berühmte Rampe blickt, die jedem Radfahrer Respekt einflößt, denn auf ca. 700m sind Steigungswerte von 12-15% konstant zu überwinden. Die nächsten 10 Kilometer bis Bschlabs sind mit 7-9% gut zu bewältigen, zum Ausruhen kommt das Flachstück mit leichter Abfahrt recht gelegen. Doch ab Boden fängt das Hantenjoch erst richtig an (Spaß zu bereiten), kurz vor dem kleinen Ort kann man sich ein Lächeln nicht verkneifen, denn mit dem Straßenschild "Erholung in Boden" ist vielleicht etwas anderes gedacht. Ab hier wird es kurvig und steil, durch dutzend Serpentinen, die Steigungen bis zu 15% aufweisen, wird man gezwungen, den Anstieg im Wiegetritt zu beenden. Mittlerweile weiß man in Tirol die Radfahrer zu schätzen – daher gibt es heutzutage auch ein ordnungsgemäßes Passschild, das lange gefehlt hatte. Mehr gibt es allerdings immer noch nicht hier oben, und somit begibt man sich schnell in die Abfahrt Richtung Imst. Nach anfänglich leichtem Gefälle passiert man Abschnitte mit 18% und erreicht so sehr schnell Imst.

PICT0089 (1)Aufgrund des wunderbaren Wetters und der Tatsache eines Sonntags waren dann doch sehr, sehr viele Motorräder unterwegs. Normalerweise sind ein paar Motorräder ja nicht wirklich störend, aber bei der Menge wird es dann doch nervig. Aber man kann nicht alles haben – schönes Wetter und nichts los am Pass. Trotzdem denke ich, dass auch aufgrund der Tatsache dass das Hantenjoch sehr gut ausgebaut ist und so auch sehr beliebt bei Motorradfahrern ist, wäre ein x-beliebiger Wochentag wahrscheinlich der bessere Zeitpunkt gewesen.

Tag 2:

137km (117km); 2400hm
Imst – Landeck – St. Anton – Arlbergpass – Stuben – St. Anton im Montafon – Tschagguns – Partennen – Silvretta Hochalpenstrasse – Galtür

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - TransAlp 2008 - Tag2

Unsere Unterkunft das Hotel Stern (Best Western) in Imst kann man eigentlich nur empfehlen. Ein fairer Preis, ausgezeichnetes Essen und eigentlich ideal gelegen wenn man vom Hantenjoch kommt. Wie auch immer, die Königsetappe (zumindest was Höhenmeter und Kilometer) wartete. Leider mussten wir aufgrund des Wetters (starker Regen) die Etappe um ca. 20 Kilometer verkürzen. So nahmen wir schließlich erst kurz vor Landeck die Etappe in Angriff. Im Laufe des Vormittags setzte sich dann endlich die Sonne durch und der Arlbergpass rückte immer näher.

Der Arlbergpass liegt im Südwesten Österreichs, parallel zur Silvretta-Hochalpenstraße, und bildet wie dieser die Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol. Eingeschlossen wird der Pass von der Verwallgruppe im Süden, den Lechtaler Alpen im Nordosten und dem Flexenpass im Norden. Bei schönem Wetter kann man die Kuchen-Spitze (3170m), die Parseier Spitze (3038m) und den Valluga (2811m) bewundern. Der Arlbergpass gehört wohl eher nicht zu den schönsten oder besten Alpenpässen, obwohl er landschaftlich genauso viel zu bieten hat wie andere Pässe auch. Man merkt der Natur und den Ortschaften jedoch den (Winter-)Tourismus deutlich an. Besonders attraktiv für den Radfahrer ist der Anstieg von Osten her. Man muss zwar teilweise auf einer breiten, viel befahrenen Bundesstraße entlang radeln, aber nach gut 6 km zweigt eine ältere Straße von der neuen Hauptstraße ab. Relativ ungestört fährt man über Flirsch und Pettneu ins Touristenmekka St. Anton am Arlberg (1284m), wobei die Straße immer leicht und fast unmerklich ansteigt. Kurz vor St. Anton beginnt für die Hauptstraße der 13980m lange Arlberg-Tunnel, und man ist somit auf der alten Straße die lästigen Autogeräusche los.  Am Ortsausgang von St. Anton beginnt dann der harte Teil des Arlbergpasses. Die Straße windet sich nun in wenigen, weiten Kehren und durch eine Lawinengalerie zum Arlberg hinauf. Teilweise führt der Anstieg schnurgerade, aber mit 13% Steigung auch sehr steil nach oben. Kurz vor der Passhöhe wandelt sich die Streckenführung ein bisschen, denn es ist nicht mehr ganz so unrhythmisch wie vorher. Die letzten beiden Kilometer sind größtenteils flach, und man kann bis zum Pass sogar das Tempo noch ein wenig erhöhen. Davor muss man aber noch durch einen kurzen, gut beleuchteten Tunnel hindurch fahren. Dahinter erreicht man dann den Wintersportort Sankt Christoph am Arlberg direkt an der Passhöhe.

DSC01380 2Nach einer super schönen Abfahrt und Stärkung in Bludenz wartete auch schon der zweite Höhepunkt des Tages – die Silvretta Hochalpenstrasse. Von Bludenz (585m) führt die Straße immer leicht ansteigend über Schruns (689m), St. Gallenkirch, Gaschurn zum eigentlichen Startort Partenen (1051m). Die Silvretta – Hochalpenstrasse ist mit eine der schönsten Passstraßen der Alpen, denn sie bietet dem Radfahrer alles, was er von einem Pass erwartet: Höhenmeter, steile Abschnitte, Flachstücke zum Erholen, gut geteerter Belag, Serpentinen und eine herrliche Landschaft mit hohen Gipfeln, saftigen Wiesen, grünen Wäldern und zwei großen Stauseen. Nimmt man alle Faktoren zusammen, gehört die Silvretta – Hochalpenstrasse auf jeden Fall zu den Pässen, die man einmal gefahren sein muss. Am Ortsausgang von Partenen ist eine Tafel mit der Aufschrift "Beginn der Silvretta – Hochalpenstrasse" angebracht, und nach einer Rechtskurve hat man die Mautstelle für Autos, LKWs und Motorräder vor sich. Doch darauf achtet man nicht sonderlich, denn die wunderschöne Natur und die Berge links und rechts haben es einem angetan. Mit Steigungen bis zu 14% windet sich die relativ breite und gut ausgebaute Straße in zahlreichen Serpentinen immer weiter in die Höhe. Bei heißem Wetter strahlt die Asphaltdecke zusätzlich noch eine enorme Hitze aus, und man ist geneigt, an einem der Stauseen eine Pause zu machen und ein kühles Bad zur Erfrischung zu nehmen. Wenn man den großen Stausee erst einmal passiert hat, muss man noch ein paar wenige Kehren überwinden, bis man letzten Endes nach einem geraden, aber ansteigenden Stück die Passhöhe erreicht hat. Dort oben wurde ein simples Passschild aufgestellt, man kann aber auch den Blick über den großen Silvretta – Stausee gleiten lassen.

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Auch die Abfahrt hinunter ins Paznauntal nach Galtür kann sich landschaftlich durchaus sehen lassen! Aber 2400hm und 117km hinterlassen doch recht deutliche Spuren und so waren wir an diesem Tag alle recht froh schließlich in Galtür anzukommen.

Tag 3:

127km; 900hm
Galtür – Ischgl – Landeck – Fließ – Vinadi – Ftan – Ardez – Susch- Zernez

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - TransAlp 2008 - Tag3

Auch mit dem Hotel Toni hatten wir Glück. Ein Familienbetrieb mit einem netten Wirt und schönen Zimmern. Aber Galtür muss man sowieso mal gesehen haben – ein sehr netter Ort mit einer unvergleichlichen Landschaft. Ganz im Gegenteil zu Ischgl – der Alpenballermann. Dort antwortete mir auf meine Anfragen auch kein einziges Hotel  – ohne Worte. Im Nachhinein bin ich aber eigentlich sehr froh in Galtür übernachtet zu haben.

PICT0150Der dritte Tag war eigentlich als Erholungsetappe konzipiert und sollte der Leichteste werden. Jedoch hatten mir meine Beine die zweite Etappe noch nicht ganz verziehen und so gestaltete sich dieser Tag schwieriger als erwartet. Von Galtür aus ging es hinunter durch das Paznauntal. Ein elend langer Talabschnitt, der aber landschaftlich durchaus einiges zu bieten hat. Von Landeck bis Fließ mussten wir mit einer recht stark befahrenen Straße vorlieb nehmen. Dafür gestaltete sich aber der restliche Tag zumindest was den Verkehr betraf recht ruhig, vor allem ab der Grenze Österreich-Schweiz in Richtung Zernez. Das Engadintal Richtung Zernez war dann unerwartet unspektakulär – vielleicht lag es aber auch an meiner Müdigkeit und den hohen Temperaturen.

Tag 4:

82km; 2000hm
Zernez – Ofenpass – Sta. Maria – Prad – Stilfser Joch – Bormio

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - TransAlp 2008 - Tag4

Wie in der Schweiz nicht anders zu erwarten war kann man sich auch über diese Unterkunft nicht wirklich beschweren. Im Hotel Baer & Post genossen wir ein ausgezeichnetes Abendessen und ein reichhaltiges Frühstück. Auch der Preis war für Schweizer Verhältnisse durchaus in Ordnung. Egal, denn an diesem Tag stand das Stilfser Joch, einer der schönsten und auch härtesten Anstiege in Südtirol auf dem Programm. Da die Wetterfrösche an diesem Tag für den späteren Nachmittag starken Regen prognostizierten, entschlossen wir uns kurzerhand den Ofenpass auszulassen um damit das Stilfserjoch früher in Angriff nehmen zu können. Wie sich später herausstellte war das die absolut richtige Entscheidung. So fuhren wir also mit dem Bus hinauf auf den Ofenpass, der sicherlich mit dem Rad kein leichter Gegner sein dürfte. Am Passübergang starteten wir dann los in Richtung Santa Maria und Stilfserjoch. Das Stilfser Joch liegt im Herzen des gleichnamigen Nationalparks eingeschlossen von der Ortlergruppe und dem Münstertal (Schweiz). Von Osten kommend durchfährt man das Trafoier Tal und gelangt Richtung Bórmio ins Valle del Braulio. Bei gutem Wetter erfreut den Radler das Panorama von Ortler (3905m) und Monte Scorluzzo (3094m). Das Stilfser Joch nimmt man das erste Mal prinzipiell von der klassischen 48-Kehren-Seite in Angriff, auch wenn man natürlich die Bormioseite mit ihren 36 Kehren auch gefahren sein muss. Von links nach rechts: Alfred, Herbert, Hermann und Bernhard.

DSC01410 - Kopie 2Diese klassische Strecke wird von Prad (913m) in Angriff genommen, am Sulden-Bach entlang ist die Straße zum Warmfahren geeignet. Ab Gomagoi (1267m) sind alle Serpentinen (48!!) abwärts nummeriert und teilweise mit Höhenangaben versehen, was einem die Orientierung erleichtert. Bis Trafoi (1543m) hält sich das Kurvengeschlängel in Grenzen, doch ab dem Ortsausgang windet sich die Straße unwiderstehlich den Himmel entgegen. Mit der Tafel Nummer 22 an der Franzenshöhe (2188m) beginnt der 6 km lange furchterregende Steilhang, an dessen Ende schon die Tibethütte sichtbar ist. Es gilt, eine scheinbar senkrechte Felswand zu bezwingen.

Die restlichen Kehren ziehen sich schier endlos bis man an der Passhöhe angekommen ist. Zahlreiche Souvenirläden, Restaurants und hunderte Motorräder umgeben das Passschild. Nicht selten begegnet man sogar im Sommer alpinen Skifahrern, während man selbst in kurzem Raddress schwitzt. Die Stilfser Joch – Straße ist ein Muss für jeden Radfahrer. Sie wird nicht umsonst als "Königin der Alpenpässe" bezeichnet und von Radsportheroen wie Tony Rominger als Lieblingspass genannt. Allein die atemberaubende Straßenbaukunst des Passes ist für das Auge ein Hochgenuss sondergleichen. Ganz zu schweigen von der einmaligen Naturkulisse, die man im Trafoier Tal zu durchradeln hat. Deswegen ist das Stilfser Joch auch in meiner Top 10 – Liste der Alpenpässe fast ganz oben auf dem Thron zu finden, so wie es sich für eine Königin gebührt. Von Links nach Rechts: Alfred, meine Wenigkeit, Hermann, Herbert, Alexander und Bernhard.

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In den letzten paar Kehren, ca. 3 Kilometer vor dem Passübergang, erwischte uns dann doch noch der Regen, was aber unserer Stimmung wie man an den Fotos erkennen kann nicht wirklich etwas anhaben konnte. Somit hat uns das Stilfser Joch alles geboten was an einem Tag möglich ist: Sonne, ein traumhaft schöne Kulisse mit dem Ortler, Regen und Hagel als wir uns in einem der Restaurants stärkten und dann wieder Sonne für die Abfahrt. Nach 3,5 Kilometern Abfahrt erreicht wir die Abzweigung zum Umbrail-Pass (2501m), gleichzeitig die italienisch-schweizerische Grenze, die in eine vegetationslose Hochgebirgslandschaft eingebettet ist. Von der Passhöhe fuhren wir schlussendlich hinunter nach Bormio, durch 39 Kehren und zahlreiche Tunnels. So gegen 16.30 kamen wir erschöpft aber mit vielen schönen Eindrücken in Bormio an.

Tag 5:

106km; 1910hm
Bormio – Passo di Gavia – Ponte di Legno – Passo del Mortirolo – Edolo

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - TransAlp 2008 - Tag5

In Bormio hatten wir wohl das beste Hotel der ganzen Woche, das Hotel Baita dei Pini – exzellentes Essen, super Service, sehr schöne geräumige Zimmer und absolut freundliche Umgebung. Sogar zwischen dem kleinen Abendspaziergang zum Zielhang der Stelvio und dem Abendessen wurden die Zimmern aufgeräumt! Auch Bormio ist ein sehr schöner, klarerweise touristisch sehr erschlossener Ort, der aber dadurch seinen Charme nicht verloren hat. Und wieder war es bei mir der vierte Tage an dem ich die mit Abstand besten Beine hatte. Sowohl am Gaviapass als auch am Mortirolopass fühlte ich mich sehr gut. Aber der Reihe nach. Von Bormio aus geht es praktisch auf direktem Wege hinauf den Passo di Gavia. Der Gaviapass im italienischen Nationalpark Stilfserjoch verbindet Bórmio (1217m) im Norden mit Ponte di Legno (1258m) im Süden.
Die mittlerweile beidseitig geteerte Straße ist schmal und wenig befahren. Zu Unrecht fristet der Gaviapass ein recht unbemerktes Leben im Schatten des Stilfserjochs, denn landschaftlich ist er mindestens so eindrucksvoll, wenn auch baulich nicht so spektakulär. Das macht er jedoch durch seinen hohen Abwechslungsreichtum wett. An der Passhöhe liegt der Lago Bianco vor den schneebedeckten Spitzen des Corno dei Tre Signori (3359m). Noch schöner: der Lago Nero (2386m) kurz unterhalb der Passhöhe aus südlicher Richtung. Die 26 km lange Nordanfahrt von Bórmio (1217m) zum Gaviapass durchs Valfurva zählt meiner Meinung nach zu den schönste Anstieg der Alpen, auch wenn die Südrampe noch schöner aber auch härter zu sein scheint. Zunächst geht es am Torrente Frodolfo entlang bis nach St Caterina (1736 m), das nach 13 km erreicht ist. Dieser Teil der Strecke ist landschaftlich schon sehr reizvoll, mit dem Bach teilweise weit unten im Tal. Schon bevor man nach St. Caterina gelangt, werden Steigungsspitzen von 12% erreicht. Richtig los geht es allerdings erst, wenn man nach St. Caterina den Wald betritt. Hier führt die nunmehr sehr schmale Straße in Serpentinen steil an. Nach Verlassen des Waldes betritt man eine felsübersäte Graslandschaft, über der gewaltig der PS Matteo (3678m) im Osten thront, während man selbst genau in Südrichtung dem Torrente Gavia in Richtung Pass folgt. Einige Kilometer vor dem Pass wird man für die frühen Strapazen belohnt, denn die letzte Strecke zum Pass wird deutlich flacher. 11 km nach St Caterina erreicht man das Rifugio Berni (2545 m) zur Rechten und 2km später den Pass.

PICT0181Die Abfahrt zum Ponte di Legno hatte es dann aber wirklich in Sich. Auf der einen Seiten eine traumhafte Landschaft und ein super neuer Straßenbelag. Auf der anderen Seite eine extrem gefährliche Abfahrt, vor allem mit einem Bus. Denn die Abfahrt ist extrem kurvenreich und obendrein ist die Straße noch super schmal, was bei Gegenverkehr zu einem echten Problem werden kann.  Achtung: Ich persönlich würde mit einem Bus über diesen Pass nicht mehr fahren!

Nach einer Pizza in der Nähe des Ponte di Legno wartete schon der Passo del Mortirolo auf uns. Der Passo del Mortirolo ist ein in offiziellen Karten kaum eingezeichneter ehemaliger Militärpfad, der das Veltlin mit dem oberen Val Camónica verbindet. Umgeben wird er von den Bergspitzen M. Serottini (2967m), Cima Cadi (2449m) und M. Pagano (2034 m). Besonderheit: Der eigentliche Pass ist der Foppapass (1852m), der eigentliche Mortirolo (1892m) liegt in Richtung Monno etwas oberhalb. Der klassische Anstieg auf einem der sagenumwobensten Alpenpässe erfolgt auf der Route, die der Giro d’Italia schon oft unter die Reifen genommen hat, nämlich von Mazzo di Valtellina aus. Der Weg vom Süden zum berühmten und gefürchteten Passo di Mortirolo beginnt als Abzweig von der Straße SS42 (welche vom Passo di Gavia im Osten in Richtung Edolo und Passo d’Aprica im Westen führt). Die Hauptstraße verlässt man etwas westlich von Incudine, auf etwa 850 Metern über dem Meeresspiegel gelegen. Die Straße ist gut asphaltiert und verläuft zunächst mäßig steil bis zum auffallend großen Dorf Monno. Das auf einer Terrasse gelegene Dorf bietet wunderschöne Ausblicke über das Valle Camonica. Nachdem man das Dorf hinter sich hat, lässt die Steigung vorübergehend nach, ehe sie wieder plötzlich zunimmt. Dann folgen einige Kilometer mit Steigungen oft deutlich über 10%. Unterhalb des Passes gibt es einige Gasthäuser, die gemäß einem der Wirte nur im August ausgebucht sind. Von dort ist es nur zwei Kilometer bis zur Passhöhe. Die Straße ist, wie immer öfter in Italien, in exzellentem Zustand, ist jedoch ab Monno nicht besonders breit. Die Einheimischen haben ihren eigenen Fahrstil, deshalb ist Vorsicht geboten. Nach einem oder zwei Gipfelbierchen erreichten wir gegen Abend unsere Unterkunft in Edolo.

Tag 6:

115km; 2030hm
Edolo – Bienno – Passo di Croce Domini – Goletto di Cadino – Ponte Caffaro – Storo – Passo die Ampola – Molina di Ledro – Gardasee

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - TransAlp 2008 - Tag6

Unsere Unterkunft in Edolo das Albergo Angelo kann ich leider nicht empfehlen. Neben nicht so schönen Zimmern, einer rustikalen Ausstattung war zu allem Überfluss auch das Frühstück noch sehr dürftig (1 Stück Semmel, Marmelade, Butter und aus). Ganz zu schweigen von der kleinen netten Fliegeninvasion am Frühstückstisch – also echt fein! Vielleicht sollte man einen oder zwei Orte weiter fahren wo durchaus recht schöne Hotels zu sehen waren. Die letzte Etappe selbst startet und endete mit traumhaft schönen Wetter. Eigentlich hätte es ein lockerer Ausklang mit einem schönen Pass werden sollen. Schön ist der Passo Croce Domini aber keine Spur von locker. Dieser Pass zieht einem wirklich die letzten Körner aus den Beinen.

Obwohl der Goletto di Cadino und der Passo Croce Domini sicherlich nicht zu den bekannteren Pässen gehören, lohnt sich die Befahrung auf jeden Fall. Die Ostseite ist höchst abwechslungsreich, bietet eine schmale Straße mit einigen giftigeren Passagen und einen gehörigen Satz Serpentinen – also alles, was der Pässefahrer braucht. In Bienno (447hm) orientiert man sich am besten zum Zentrum hin. Direkt hinter dem Rathaus beginnt die Anfahrt zum Croce Domini. Hier findet sich auch der erste Wegweiser. Die Straße steigt noch im Ort mit etwa 10% an und behält diese über 2km und zwei weitere Kehren bei. Bald verschwindet Bienno hinter einem Hangrücken und die Straße wendet sich über einen Wiesensattel bergwärts. Die Steigung lässt jetzt auf etwa 6-7% nach. Nach einiger Zeit erblickt man linker Hand den Ort Astrio an der von Breno heraufführenden Alternativroute, in die der Weg nach 5km einmündet. Wenige hundert Meter später erreicht man den Weiler Degna (892m), wo man an zwei Gasthöfen den Wasservorrat auffüllen kann. Noch in Degna beginnt die erste von insgesamt 5 langgezogenen Kehren, über die man bei 10 – 12% rasch an Höhe gewinnt. Man fährt jetzt ständig im Wald und hat entsprechend wenig Möglichkeiten auf schöne Ausblicke. Die Steigung wird etwa 4km beibehalten. Anschließend wendet sich die Straße in ein langgezogenes Tal und führt einige Kilometer am nördlichen Talhang entlang. Die Steigung lässt deutlich nach, und bei etwa 5-6% kann man erstmal einige Kilometer durchschnaufen. Am Horizont erkennt man bereits den zu erklimmenden Bergkamm und man kann die vom Croce Domini nach Süden führende Kammstraße zum Gioio di Bala erahnen. Eine Albergo markiert bei Kilometer 12 den Beginn des Weilers Campolare (1400m), nach dem die Steigung wieder deutlich anzieht. Etwa einen Kilometer später eröffnet eine enge Kehrengruppe den letzten steilen Abschnitt der Passstraße. Über insgesamt 6 Kehren und etwa 2km wird eine Steigung von über 10% beibehalten. Hat man diese überstanden, eröffnet sich nach einer Kurve der Blick zur etwa 2km entfernten Passhöhe des Croce Domini. Die Straße verläuft jetzt ein ganzes Stück flach, um dann schließlich mäßig Steil zur Passhöhe hinaufzuführen. Auch das letzte Stück vom Passo Croce Domini zum in Sichtweite liegenden Galettodi Cadino rollt es sich in der großartigen Landschaft jedoch weiterhin nicht von selbst. Über 1,5km und 50hm erreicht man die durch ein Kreuz markierte Anhöhe.

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Nach einer kurzen Pause einige Kilometer vor dem Passo die Ampola mit einer Portion Spaghetti und Diesel – Spaghetti in Italien sind einfach unübertroffen – mussten nur mehr wenige Kilometer bis zum Gardasee überwunden werden. Ein kleines nicht so tolles, jetzt recht witziges Erlebnis bildetet den Abschluss des TransAlp 2008. Kurz vor dem Gardasee kommt man, zumindest wenn man von Molina di Ledro anreist, zu einem Tunnel mit Fahrverbot für Fahrräder. Naja, wie es sich gehört nahmen wir natürlich die Straße die speziell für Fahrräder ausgeschildert ist. Auf den ersten ca. 5 Kilometer gab es auch keinen Probleme. Doch plötzlich wurde aus der asphaltierten Straße ein Schotterweg. Macht ja nix – wird wohl wieder bald zu Ende sein. War es dann auch. Es kam ein Hohlweg! Inzwischen kamen uns auch Mountainbiker entgegen – die dürften sich so Einiges bei unserem Anblick gedacht haben. Aber glücklicherweise war nach 5 Kilometern! der Hohlweg zu Ende und wir kamen am Gardasee an. Nicht so lustig. Aber komischerweise hatte keine von uns eine Reifenpanne oder sonst irgendwelche Probleme.DSC01433 2Nach einer Weile haben wir auch Hansi unseren Betreuer wieder gefunden und nach weiteren kleineren Anfangsschwierigkeiten was die Quartiersuche betrifft (wir fuhren einen kleinen Umweg von 10 Kilometer) fanden wird schließlich auch noch unsere Unterkunft in Aco. Mit unserer letzten Unterkunft dem Hotel Hotel Olivio hatten wir wieder Glück und es passte eigentlich alles. Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein feines Abendessen in einem der schönen Restaurants rund um den Gardasee. Harte aber auch wunderschöne 700km und 11500hm lagen hinter uns und der TransAlp 2008 war geschafft. PICT0223

Von Graz ins Lavanttal

August 16, 2009

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Streckendetails:

113km; 1300hm
Graz –Preding – Frauental an der Laßnitz – Hebalm – Preitenegg – Wolfsberg – Mettersdorf

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

imageBei einer Radtour rund um den Schöckl hatten Christian und ich die glorreiche Idee mal mit dem Rennrad von Graz ins Lavanttal zu fahren. Im Gegensatz zu meiner Wenigkeit steht Christian sozusagen am Beginn seiner Radsportkariere und damit stellt so eine Tour schon eine recht große Herausforderung dar. Nichtsdestotrotz nahmen wir den 8. August als Termin ins Visier. Einzig bei der Streckenführung war ich mir unsicher – Pack oder doch nicht. Wie ich aus Erfahrung wusste, kann es aufgrund des doch recht starken Verkehrs von Graz nach Voitsberg an einem Samstagnachmittag zu fahren eine ziemliche Qual werden. Daher reifte allmähliche der Plan es mal über die Hebalm zu versuchen. Eine Entscheidung die ich nicht bereuen sollte, wie sich später noch herausstellte. Egal, nach einem ausgedehnten Frühstück rollten wir um 8.00 Uhr (viel zu Früh) los. Noch etwas Müde und bei traumhaftem Wetter ging es erst mal nach Fernitz bei Graz und dann weiter über Wundschuh nach Preding. Nach weiteren 20 Kilometern um mit insgesamt 45 Kilometern in den Beinen entschlossen wir uns im Frauental an der Laßnitz zu einer kurzen Pause, denn schließlich wartete ein noch unbekannter und wahrscheinlich recht schwieriger Höhepunkt, die Hebalm, auf uns. Bis Frauental rollt es sich eigentlich recht gemütlich dahin, wenn auch zwei bis drei kleinere Anstiege zu überwinden sind. Auch die weiteren Kilometer bis Wildbach sind eher der Kategorie harmlos zuzuordnen. Dann jedoch beginnt es kontinuierlich steiler zu werden und am Ende des Tals warten bereits die ersten Serpentinen. Mit einer durchschnittlichen Steigung von ca. 9% sollte man diese erste Rampe hinauf zur Hebalm nicht unterschätzen. Nach rund 5 Kilometern geht die Steigung jedoch wieder deutlich zurück und man rollt auf einer kleinen Hochebene dahin. Nach zwei weiteren, recht giftigen Rampen, hat man so recht schnell zwei Drittel des Anstiegs absolviert.

Für das letzte Drittel sollte man sich jedoch noch ein paar Körner aufheben, denn mit 10-11% durchschnittlicher Steigung steht keine leichte Kost auf dem Speiseplan. Am Ende des Anstiegs wird es jedoch wieder deutlich flacher bis man schließlich das Skigebiet Hebalm erreicht. Der Passübergang ist dann recht unspektakulär, auch nach einem Passschild suchten wir vergeblich. Sollte man vor der Entscheidung stehen Pack oder Hebalm kann ich nur jedem die Hebalm empfehlen, denn sie ähnelt vom Charakter viel mehr einem richtigen Alpenpass und auch landschaftlich darf man sich nicht wirklich beklagen. Aber vorallem verkehrstechnisch ist man auf der Hebalm wesentlich besser bedient! Wie auch immer, vom Passübergang sind es noch ca. 10 Kilometer bis Preitenegg wo wir in meinem Stammlokal auf solchen Touren einkehrten, dem Hanslwirt. Prinzipiell kann ich dieses Gasthaus nur jedem empfehlen – ausgezeichnete Küche, moderate Preise und eine super freundliche Bedienung. Nach einer Stunde Erholung und dem Wissen eine schöne Abfahrt vor sich zu haben, rollten wir weiter nach Wolfsberg. Dieser Abschnitt kann in vollen Zügen genossen werden, da bei ständigem Gefälle praktisch keine Höhenmeter zu überwinden sind. Auch die letzten 10 Kilometer bis Mettersdorf stellten keine Herausforderung mehr dar und so kamen wir gegen 14.30 schließlich zu Hause an. Eine wunderschöne Tour, die aber mit mit rund 115 Kilometern und 1300 Höhemeter nicht unterschätzt werden sollte. Die Überraschung des Tages war jedoch Christian der nie auch nur annähernd Probleme hatte – Respekt!

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Tour de France 2006

August 16, 2009
rennradlogo tourlogo2006

Die Route Grand des Alpes 2005 war ein sensationelles und einmaliges Erlebnis und so begaben wir uns auch 2006 wieder auf die Spuren der Tour der France. Mit allen Eindrücken der 2005er Tour im Kopf begann ich bereits im Spätsommer 2005 ich mit der Planung unserer Tour de France 2006. Da wir bei unserer ersten Tour doch nur einen Bruchteil der französischen Alpen bezwungen hatten war es recht einfach eine zweite ebenso spektakuläre Route zu finden. Auch das Ziel Avignon stand auf Grund eines bestimmten Anstieges von Anfang an fest. Wie leicht zu erraten ist lautet der Name dieses Anstieges Mont Ventoux. Mit Genf bzw. Annemasse fand sich schließlich auf ein schöner Ort für den Start. Neben dem einzigartigen Mont Ventoux sollten noch der Col del la Colombiere, Col des Aravis, Col du Glandon, Col du Telegraph, Col du Galibier, Col d’ Izoard, Col de la Bonette und  Col de la Madeleine in Angriff genommen werden. Am 25. Juni 2006 war es endlich soweit und unsere Tour de France 2006 wurde gestartet.

Der detaillierte Streckenplan kann unter folgenden Link heruntergeladen werden: Streckenplan. Und natürlich stelle ich auch unsere Hotellisten zum Download bereit: Hotelliste. Wie immer möchte ich wieder darauf hinweise das einige Details bezüglich der Pässe der Seite www.quaeldich.de entnommen sind. Vorab einige Impressionen von unserer Tour.

Tag 1:

132km; 2700hm
Annemasse (Genf) – St. Jeoire – Cluses – Col del la Colombiere – St. Jean-de-Sixt – la Clusaz – Col des Aravis – Flumet – Col de Saisies – Beaufort – Albertville

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - Genf-Avignon 2006 - Tag 1

Nach einer recht anstrengenden Fahrt von ca. 9 Stunden kamen wir erwartungsvoll und gut gelaunt in der Nähe von Genf in Annemasse an. Auch das nette Hotel Ibis trug zu unserer guten Stimmung bei. Wie schon ein Jahr zuvor hatten wir auch 2006 mit dem Wetter beinahe schon unverschämtes Glück. Um ca. 8.30 ging es dann los in Richtung Col del la Colombière.  Bei der Tour de France 2000 wurde der Col de la Colombière mal wieder in das Streckenprofil aufgenommen, und ist deswegen ins Bewusstsein vieler Rennradsportler zurückgekehrt. Mit nur 1613 m Höhe ist der Colombière wahrlich kein Riese unter den Alpenpässen, doch erfüllt er sicherlich hochalpine Ansprüche.  Der Straßenbelag präsentiert sich bis zum Gipfel in gutem Zustand. Nach 2km erreicht man Neyrolles, kurz darauf folgt man dem kleinen Bergbach, dessen Quelle in der Passregion liegt. Auf den ersten 5,5km bis Porte d’Age beträgt die Steigung 6% – 8%. Bis Le Reposoir (1048m) gewinnt man nur unmerklich an Höhe. Nach dem großen Hotel auf der rechten Seite beginnt die zweite, weitaus härtere Hälfte des Anstiegs. Noch im Ort gewinnt man in einer Serpentinengruppe bei 10% Steigung rasch an Höhe. Bei hochsommerlichen Temperaturen ist man an dieser Stelle froh, durch Wald zu fahren. 3 km später verläßt man den schützenden Wald nach einer zweiten Serpentinengruppe wieder. Im Südwesten kann man nun den Pass bereits im Joch erkennen. Ein Straßenschild erklärt kurz darauf, dass auf den folgenden 2,9km 9% Steigung zu meistern sind. Die Sonne kann unerbittlich in den Kessel hinein scheinen. Wir waren aber glücklicherweise früh dran und so machte uns die Sonne eigentlich keine Problem. Die Abfahrt bis St. Jean-de-Sixt erstreckt sich über 13,5 km Länge. In rasender Fahrt durchkurvt man bis la Mulaterie mehrere Serpentinen. Es folgt ein Flachstück durch le Chinaillon, bevor die Straße wieder an Steilheit gewinnt, und dem Radler weitere Serpentinen und Kurven zu bieten hat. Le Grand-Bornand (923m) wird erreicht. Die restlichen 3 km nach St. Jean-de-Sixt verlaufen recht flach.

Dann ging es schon weiter zum Col des Aravis. Der Col des Aravis führt von St. Jean-de-Sixt nach Flumet über das Aravis-Massiv, das mit seinen in der Spitze mehr als 2500m Höhe – von Genf in südöstlicher Richtung gesehen – der erste große Höhenzug der französischen Alpen ist. Der Pass führt an einer der niedrigsten Stellen quer durch das Massiv, so dass sich die Felsen des Aravis links und rechts der Passhöhe (1486m) zu einem zu einem schönen Alpenpanorama erheben. Von Thônes führt der Weg zunächst mit angenehmer Steigung auf der leider recht befahrenen D909 nach St. Jean-de-Sixt, wo es am Kreisverkehr nach links zum Col de la Colombière abgeht. Zum Col des Aravis fährt man hier geradeaus und folgt dem Verkehr in die Tourismushochburg la Clusaz. Hinter la Clusaz macht die Straße eine Rechtskurve, wird etwas schmaler und vor allem verkehrsärmer. Ab hier beginnt der schöne Teil des Anstiegs. Die Straße führt nun in einer langgezogenen leichten Linkskurve am Hang entlang. Die letzten gut 4 km strebt sie dann in einigen Serpentinen zwischen Kuhwiesen hindurch dem Pass entgegen. Auf diesem letzten Stück wird es etwas steiler, ohne dass die 8% überschritten würden. Der Col des Aravis weist durchgehend eine angenehme Steigung auf und birgt in Sachen Steilheit keine bösen Überraschungen. So ist er auch für alpenunerfahrene Radler ein guter erster Test. Die Straße ist durchgehend zweispurig ausgebaut und kann ohne Schwierigkeiten auch mit dem Begleitfahrzeug befahren werden. Nach zwei Cols fanden wir dass eine Pause angebracht wäre und so kehrten wir direkt am Pass in einem der Restaurants die auf dem Übergang zu finden sind ein. Gestärkt ging es schließlich hinunter zu unserem letzten Pass an diesem Tag, der Col des Saisies. Der Col des Saisies bildet das Bindeglied zwischen der Strecke über den Col des Aravis im Nordwesten und den Cormet de Roselend im Südosten. Der flache Alpenübergang liegt eingebettet zwischen dem Chard du Beurre (1889m) und der Sal de Bisanne (193m) im Westen, auf den man bei Interesse ein Kilometer nach der Passhöhe über eine Fahrstraße geführt wird. Der Blick in dessen Richtung kann sich hier sehen lassen, denn über ein flaches Tal hinweg sieht man die rauen Zinnen des Bisanne.

DSC00192Der Anstieg zum Col des Saisies beginnt in Flumet mit der Überfahrt der tiefen Arly-Schlucht auf einer malerischen schmalen Steinbrücke. Direkt nach der Brücke folgen zwei oder drei kurze und steile Serpentinen, bevor die D218 sich ihren Weg den Hang hinauf mit angenehm zu bewältigender Steigung fortsetzt. Wieder etwas steiler wird es, wenn man das Hauptörtchen Notre Dame de Bellecombe erreicht. Wer mit seinen Mitfahrern um die Bergwertung am Col des Saisies kämpfen möchte, sollte hier angreifen. Am Ortsausgang macht die Straße eine Linkskurve und steigt nun wieder stetig aber nicht übermäßig steil. Wer auf den nächsten gut zwei Kilometern einen schönen Vorsprung herausfahren kann, kann sich auf dem folgenden Flachstück erholen. Nun folgen nochmal vier insgesamt nicht zu steil ansteigende Kilometer. Wer hier seine Kontrahenten noch nicht distanziert hat, sollte sich auf einen Sprint um die Bergpunkte einstellen. Kurz vor der Passhöhe auf 1650 m fährt man durch einen Kreisverkehr geradeaus. Das Passschild befindet sich etwa 150 m dahinter und ist ab dem Kreisverkehr auch gut zu sehen. Nach einem kurze Regenschauer mit kleiner Hagelbegleitung am Passübergang schafften wir es einigermaßen trocken nach Albertville. Der Hagelschauer am Passübergang war jedoch nur ein kleines Vorspiel zu dem was uns dann am Abend erwartete. Gemütlich und entspannt saßen wir in einem sehr netten Restaurant in Albertville. Aufgrunddessen dass eine Wandseite des Restaurants mit eine Glasscheibe ausgestattet war, konnte man schön beobachten wie ein heftiges Unwetter aufzog. Im Wesentlichen kann man sich einen horizontalen Tornado vorstellen der über Albertville hereinrollte. Irgendwann zwischen Vor-und Hauptspeise wurden wir von einem lauten Knall aufgeschreckt – es war eine Hagelkugel die an die Scheibe knallte. Und dann ging es wirklich rund – ungefähr 15 Minuten lang regnete es Tennisbälle. Aber erst nach dem Essen sahen wir das gewaltige Ausmaß des Schadens. Praktisch bei jedem Auto konnte man schwere Hagelschäden feststellen, bei einigen war sogar die Heckscheibe eingeschlagen! Und so ist es nicht verwunderlich das es auch unsere Bus erwischte. Ein ausgewachsener Hagelschaden samt Riss in der Vorderscheibe war die Ausbeute. Zum Glück hielt die Scheibe aber während der restlichen Tour und so muss man trotzdem vom Glück im Unglück sprechen. 

Tag 2:

105km; 3300hm
Albertville – Col de la Madeleine – la Chambre – Col du Glandon – Col de la Croix de Fer – St. Jean de Maurienne

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - Genf - Avignon 2006 - Tag 2

Unsere Unterkunft das Hotel de Savoie würde ich bestenfalls als mittelmäßig einstufen. Sowohl die Zimmern als auch das Frühstück waren in Ordnung aber auf der anderen Seite auch nichts Besonderes. Wie gewohnt rollten wir um ca. 8 Uhr in Richtung Col de la Madeleine los. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste – es wurde einer der härtesten Tage die ich im Sattel verbringen sollte. Aber 3300hm und 30°C im Schatten sprechen eigentlich für sich selbst. Aber nun zum Wesentlichen, nämlich dem Col de la Madeleine. Die Passstraße über den Col de la Madeleine, einem weit geschwungenen Sattel zwischen dem Grand Pic de la Lauzière (2829m) im Westen und dem Cheval Noir (2832m) im Osten, verbindet das nördliche Isèretal mit dem Arc-Tal im Süden. Von der Jausenstation am Pass hat man eine überwältigende Aussicht auf den Mont Blanc (4807m) im Norden und die gesamte Anfahrt des Col du Glandon im Süden. Der Col de la Madeleine war schon unzählige Male Schauplatz der Königsetappe der Tour de France. Die 27,5km lange Nordanfahrt mit Startpunkt in Feissons sur Isère führt ausnahmslos über schmalste Teersträßchen. Von Feissons führt die D94 aus dem Isèretal heraus an den Südhang der Chaîne de la Lauzière und verläuft die ersten 15,5 km bei einstelligen Steigungswerten durch bewaldetes Gebiet, immer im Tal der Eau Rousse. Erst in la Thuile erreicht man offeneres Gebiet, in dem sich bald ein majestätischer Anblick offenbart! Im Norden schiebt sich der Mont Blanc langsam über die Felsklippen jenseits der Isère. Ab Celliers (1282m) wird es auf den letzten 10 km langsam steiler, bis ca 2km vor dem Pass in den letzten Serpentinen zweistellige Steigungswerte erreicht werden. Der Pass selber ist mit einer wunderschönen Aussicht gesegnet, die man lange genießen kann. Die Abfahrt nach la Chambre zeigt keine Raffinessen und kann recht schnell absolviert werden.

PICT0027 Bei Spaghetti und Bier versuchten wir uns in la Chambre so gut als irgendwie möglich zu erholen. Trotz der grausamen Temperaturen – es war wirklich heiß – nahmen wir den zweiten Pass in Angriff, den Col du Glandon. Der Col du Glandon liegt zentral zwischen ganz großen Namen unter den französischen Alpenpässen. Im Norden liegt der Col de la Madeleine (1999m), im Süden lauert l’Alpe d’Huez (1850m). Nur 2,5 km im Osten liegt der Col de la Croix de Fer (2067m). Im Westen erstreckt sich die Chaine de Belledonne, die vom Pass gut einsichtig ist. Im Osten liegt das Skiressort La Toussuire. Die Anfahrt lässt sich von der Schwierigkeit her in drei Teilstücke einteilen. Das erste Teilstück von 11,5 km über Ste Marie de Cuines bis St Colomard des Villards sind noch recht ruhig, die Steigungswerte erreichen die 10 Prozent an keiner Stelle. Doch kaum verlässt man hier den Lauf der Glandon, die einen bis hierhin begleitet, ändert sich dies im zweiten Teilstück. Steigungsspitzen von 13 Prozent müssen überwunden werden, bis man sich dem Ende des Trichters nähert, an dessen Ende eine schiere Wand auf den Radler wartet. Die letzten Kilometer und damit den letzten Teil des Passes erklimmt man in mehreren Serpentinen. Wer hier noch Körner hat, wird sie wohl nun verbrennen müssen. Diese Strapazen werden jedoch von der wunderbaren Aussicht versüßt, die der Fahrer genießen kann, wenn er sich umdreht. Der Blick geht zurück durch den Trichter über einige kleine Kuppen ins Tal, von da aus wieder hoch zur Rampe des Madeleine, über dessen Sattel sich irgendwann der majestätische Mont Blanc erhebt, der einen, hat er sich einmal über den Madeleine erhoben, ständig begleitet. Alles in allem eine der härtesten, aber auch definitiv schönsten Anfahrten der Alpen.

DSC00210Nach einer kurzen Rampe (1km) hinüber zum Col de la Croix de Fer war es dann vollbracht – 105km und 3300hm waren überwunden. Die Abfahrt ins Tal gestaltete sich ziemlich problemlos, lediglich eine Baustelle zwang uns kurz vor St. Jean de Maurienne in den Bus einzusteigen. Ich kann mich nicht an viele Tage erinnern an denen ich derart Müde ins Bett viel. Aber jeder Meter hat sich voll und ganz ausgezahlt!

Tag 3:

103km; 2300hm
Valloire – Col du Galibier – Col du Lautaret – Briancon – Col d’ Izoard – Chateau Queyras – Guillestre

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GPSies - Genf - Avignon 2006 - Tag 3

Sollte durch meine Müdigkeit mein Urteilungsvermögen nicht getrübt worden sein, dann muss man unsere Unterkunft das Hotel Saint-Georges eigentlich empfehlen. Die Zimmer können sich durchaus sehen lassen und auch das Frühstück, auf das ich persönlich ja besonderen Wert lege schmeckte und war nicht zu knapp bemessen. Nach den anstrengenden Strapazen des Vortags haben wir in der Früh kurzerhand beschlossen unsere Etappe leicht zu verkürzen und den Telegraph auszulassen. Es galt aber immer noch 2 Pässe und 2300hm zu überwinden. Kurz vor Valloire ging es schließlich los und das Abenteuer Col du Galibier konnte beginnen. Der 2645m hohe Col du Galibier gehört zu den höchsten asphaltierten Übergängen der Alpen. Er verbindet die Maurienne (Arc-Tal) im Norden mit dem Guisane-Tal und Briancon im Südosten sowie le Bourg-d’Oisans und Grenoble im Südwesten. Auf den Col du Galibier gelangt man über den Col du Télégraphe. Die Abfahrt vom Télégraph endet in Valloire. Am Ausgang dieses Ortes beginnt dann der eigentliche Anstieg zum Galibier. Zunächst fährt man im wesentlichen geradeaus ein langgezogenes Tal hinauf. Auf diesen etwa 9km bleiben die Steigungsprozente einstellig. Am Ende des Tales macht die Straße eine 180°-Rechtskurve und führt den Hang hinauf. Jetzt kommt der steilere etwa 8km lange Teil des Anstieges. Nach einigen Serpentinen bekommt man Blick auf die zu erklimmende Höhenkette. Wer hier seinen Kopf nach oben reckt und den Pass entdeckt, bekommt einen besonderen Eindruck von der noch bevorstehenden Arbeit. Nervenschwachen Radlern sei das daher nicht empfohlen! Die Straße führt jetzt durch Wiesen und Gerölllandschaft zur Passhöhe. Wiederkehrende Passagen mit Steigungen von 12% und mehr fordern einem einiges ab. Die letzten 1,5 Kilometer führen in mehreren nochmals sehr steilen Serpentinen zur Passhöhe. Gerade, wer mit sportlichen Ambitionen den Galibier erklimmt, sollte für dieses Stück eine Kraftreserve in der Hinterhand halten. Zuletzt aber, versprechen wir, wird der atemberaubende Blick von der Höhe die Abhänge hinunter noch jeden Radfahrer für seine Qualen entschädigen! Mit dem Begleitfahrzeug ist der Pass einwandfrei befahrbar. Entgegenkommende Fahrzeuge können überall passieren. Auch der Straßenbelag ist in Anbetracht der Höhenlage ordentlich.

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PICT0078Am Ende ist man jedoch recht glücklich am Passübergang zu stehen und die Aussicht genießen zu können (Links: meinen Wenigkeit; Rechts: Alexander). Da es aber recht schnell kalt wurde rollten wir weiter Richtung Briancon und Col d’ Izoard. Die 53 km lange Bergstrecke von Briancon nach Guillestre über den Izoard stellt die Alternativroute zur Straße durch das Tal der Durance. Seine erodierte und unwirtliche Gipfelregion macht ihn für jeden landschaftlich interessierten Radfahrer zu einem Muss, der die ganze Vielfalt der französischen Alpen kennenlernen möchte. Die Landschaft ist einfach unbeschreiblich schön. Aber auch der sportlich Orientierte kommt bei diesem Pass voll auf seine Kosten. Ausgangspunkt der nördlichen Auffahrt ist Briancon (1321m). Auf der sehr gut ausgebauten D902 fährt man durch die enorme Schlucht der Cerveyrette. Nach 12km erreicht man Cervières (1608m). Bevor man die eigentliche Steigung in Angriff nimmt, und der Straße nach S folgt, sollte man nach N blicken, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, welch bizarres Landschaftsbild auf der Südseite des Passes auf einen wartet. Durch den Bois de Péméant führt es windungsreich und durchweg zweispurig mit bis zu 12% Steigung empor, zu beachten sind die teilweise steilen Innenradien der Kehren. In diesem Abschnitt ist eine Aussicht Fehlanzeige. Verlässt man wenig unterhalb des Refuge Napoléon den Lärchenwald, so sieht man die fortgeschrittene Erosion dieser Gebirgsregion, riesige Geröllfelder beherrschen die Landschaft. Der Sattel, tief zwischen den Bergen eingebettet, ist nach weiteren 1,5 km erreicht. Im S und SO beherrschen die Gipfel der Queyras das Bild. Die Südseite ist vermutlich einzigartig in den Alpen. Felspyramiden und Felsnadeln stehen in den Schutthalden und verzaubern alles in eine bizarre Mondlandschaft, die Casse Déserte. Schaut die Bilder an, die für sich sprechen. Nach der Casse Désert folgt eine kurze Gegensteigung, die einen unangenehmen Rhythmuswechsel mit sich bringt und nicht unterschätzt werden sollte. In mehreren Serpentinen verliert man danach bei maximal 12% Gefälle rasch an Höhe, ehe man Brunissard (1760m) erreicht. An heißen Tagen hat der Asphalt auf der Südseite die Tendenz aufzuweichen, wodurch ein großes Gefahrenpotential entsteht – langsamer ist besonders hier sicherer. Entlang der Rivière lässt man Arvieux (154 m) und die ausgedehnte Wiesenlandschaft hinter sich, bis man schließlich unterhalb des Châteux-Queyras in das Tal der Guil auf die D902 einmündet (1384m). Fährt man hier nach SW die tief eingeschnittene und enge Queyras-Schlucht mit ihren vielen Tunnels entlang, so erreicht man nach 17 km Guillestre.

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Wiedererwarten ging es mir an diesem Tag eigentlich sensationell, vor allem wenn man die Strapazen des Vortags im Hinterkopf behält. Lediglich auf den letzten 5km des Col d’ Izoard kam ich in leichte Schwierigkeiten – aber die unglaubliche Landschaft am Passübergang war Lohn genug.

Tag 4:

96km; 2600hm
Guillestre – Col de Vars – Kreuzung Vars – Jausiers – Col de la Bonette – Cime de la Bonentte – St. Etinne-de-Tinnee (Auron)

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GPSies - Genf - Avignon 2006 - Tag 4

Auch mit dem Hotel les Barnieres hatten wir Glück – super Frühstück, sehr schöne Zimmer und ein traumhafter Ausblick gehören hier zum Standardservice. An diesem Tag stand der berühmt berüchtigte Col del la Bonette, der höchste befahrbare Alpenübergang, im Mittelpunkt unseres Interesses. Dadurch ging der Col de Vars leider etwas unter – zu unrecht wie ich meine. Der Col de Vars (2109m) bildet eine wichtige Verbindung zwischen dem Guil-Tal im Norden und dem Ubaye-Tal im Süden. Er verbindet somit den Col d’Izoard sowie Col d’Agnel einerseits mit dem Col de la Bonette, Col de Larche, Col de la Cayolle sowie Col d’Allos andererseits. Für Schotterfans lässt er sich des weiteren mit dem Col de Parpaillon zu einer etwa 110 km langen Rundtour verbinden. Der Col de Vars hat seinen nördlichen Ausgangspunkt in Guillestre auf 1000m Höhe, und seinen südlichen bei les Gleizolles auf 1310m Höhe. Direkt hinter dem Kreisel, an dem die Strecke zum Col de Vars von der durchs Guiltal abzweigt, beginnt der sowohl anstrengendste als auch schönste Teil des Anstieg. Bei meist 7-9% Steigung gewinnt man auf kehrenreicher Strecke schnell an Höhe und Ausblick. Nach 8km Strecke und gut 600m Höhe erreicht man ein Hochtal, dem der weitere Weg bis zum Col de Vars folgt. Nahezu steigungsfrei erreicht man nach 10km den Wintersportort Vars (mit der steilsten Rampe der Anfahrt im Ort) und nach 12 km St. Marine de Vars auf 1660m. Bis zur drei Kilometer weiter gelegenen Seilbahnstation bei les Claux hat man eine letzte Steilstufe mit 7-8% Steigung zu überwinden, während der weitere Anstieg mit maximal 6% nur noch mäßige Steigungen aufweist. Gut einen Kilometer vor Erreichen des Passes passiert man am Refuge Napoleon einen malerischen Bergsee. Die Abfahrt ist auf den ersten 8 km bis St. Paul (1468m) sehr steil. Bei durchschnittlich 8% enthält sie längere Abschnitte mit über 10% Gefälle. Die letzten 6km bis les Gleizolles vollziehen sich bei schwachem Gefälle.

DSC00224Bezüglich Wetter änderte sich auch an diesem Tag recht wenig – unverschämt schön jedoch sehr warm. Um der Mittagshitze zu entgehen legten wir in Jausiers eine Pause ein. Bei zwei Diesel und einer riesen Portion Salat mit allerlei Zutaten (Speck, Brot, Ei, Paprika,…) stärkten und bereiteten uns psychisch auf den Col de la Bonnette vor. Ich kann nur jedem empfehlen einen dieser super leckeren französischen Salate zu probieren. Der Col de la Bonette (2715m) verbindet Isola (871m) im Südosten mit Jausiers (1240m) im Ubayetal im Nordwesten. Der Pass führt durch den sehr sehenswerten Parc national du Mercantour und ist der zweite von drei fast parallelen Alpenübergängen. Von der Passhöhe ist es eine Pflicht, die zwei Kilometer lange Zusatzschleife über den Cime de la Bonette zu absolvieren, der von vielen als der höchste Pass der Alpen angesehen wird. Aus dem Ubaye-Tal von Jausiers (1220m) im Norden beginnt die Steigung unmittelbar am Ortsausgang. Von da ab sind es 24 Kilometer bis zur Bonette, jeder einzelne Kilometer davon ist mit einer Infotafel ausgeschildert. Bis auf eine Höhe von 1.550m nach gut 6km hält sich die durchschnittliche Steigung mit 5,5% bis 7% Prozent noch in Grenzen, dann jedoch hat man bis Kilometer 20 kaum noch Abschnitte zum Verschnaufen (7% bis 9,5% im Schnitt). Der Pass hat jedoch bis auf ein kurzes 16%-iges Stück keine überhöhten Spitzensteigungen, sondern lässt sich äußerst rhythmisch fahren. Fast der gesamte Anstieg ist der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, und so ist man froh, wenn man nach gut 12km den Gasthof “HALTE 2000” erreicht. Gut zum Verschnaufen eignet sich auch nach 17km der Lac des Essaupres (2.370m), wo die Steigung für einen kurzen Moment nachlässt und einen auf die letzten 7km vorbereitet. Bei Kilometer 20 lässt der Pass endlich nach, man hat die verfallenen Restefond-Kasernen (2600m) passiert. Hier zieht sich die Straße am Berghang entlang, ehe man auf 2715m den eigentlichen Übergang Col de la Bonette vor sich hat. Von hier aus sind es noch rund 1,5km bis hinauf auf 2802 m zur Cime de la Bonette. Einfach ein Muss für jeden Radfahrer ist die Erstürmung dieses höchsten asphaltierten Alpenpasses, die Cime de la Bonette. Weniger wegen der kargen, braunen und felsigen Hochalpenlandschaft, sondern mehr aufgrund der herrlichen Aussicht und natürlich der eingeheimsten Ehre. Die Cime de la Bonette liegt inmitten des Parc National du Mercantour. Aufgrund seiner 2802m Höhe wird er von vielen als der höchste Alpenpass angesehen. Er verbindet jedoch keine zwei Täler miteinander, sondern führt nur auf einem Rundkurs von 4km vom Col de la Bonette (2715m) aus um die Bergspitze Cime de la Bonette herum. Einzige Daseinsberechtigung scheint eben dieses Superlativ zu sein, als der höchste Pass der Alpen zu gelten. Aber tatsächlich lohnt sich eine Auffahrt! Vom höchsten Punkt, an dem sich ein Gedenkstein und ein kleiner Parkplatz befindet, muss man nur noch 60hm zu Fuß zurücklegen, um einen sagenhaften Rundumblick über den Nationalpark zu erhalten.

PICT0037_2 bonnette_stitchUnd wieder war es der vierte Tag wo ich die schwersten Beine hatte, oder vielleicht lag es auch einfach daran das der Co de la Bonnette einfach kein Jausengegner ist. Auf alle Fälle war ich sehr froh am Gipfel angekommen zu sein. Nach 24 harten Kilometern machte mir vor allem der Cime de la Bonette nochmal einmal so richtig zu schaffen. Die Südseite eignet sich dann besonders gut als Abfahrt, denn man hat hier die wohl längste Abfahrt der Alpen vor sich – ca. 100 km von 2802 m auf 0m hinunter nach Nizza, wenn es soweit gehen soll.

Tag 5:

71km; 1000hm
Annot – Rouain – Castellane – Canyon du Verdon – La Plud Sur Verdon – Roumoules – Sisteron (mit dem Bus)

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GPSies - Genf - Avignon 2006 - Tag 5

Als erstes zu unsere Unterkunft dem Hotel Chastellares. Ich würde meinen ein Wort beschreibt das Hotel am Besten: Bruchbude! Das komplette Hotel befand sich bei unsere Ankunft im Umbau – wir waren auch die einzigen Gäste. Fairerweise muss ich erwähnen das zumindest das Frühstück recht ordentlich war. Aber egal, zurück zum Tagesgeschehen. Aufgrund der doch recht unangenehm hohen Temperaturen und der sich breit machenden Müdigkeit verkürzten wir diese Etappe kurzerhand und fuhren die ersten Kilometer mit dem Bus. Somit sollte es eigentlich einen Erholungsetappe werden. Die extrem Hitze machte uns aber einen Strich durch die Rechnung und so erholsam war der Tag schlussendlich auch wieder nicht. In Annot starten wir schlußendlich unsere Etappe. Bis auf einen kleinen Anstieg zu Beginn rollten wir in Summe gemütlich Richtung Castellane. Nach einer, wie sollte es anders sein, Stärkung zu Mittag erreichten wir bald den Canyon du Verdon. Der Verdon entspringt in der Nähe des Col d’Allos im Bergland Trois Evêchés und mündet nach etwa 175km in der Nähe von Vinon-sur-Verdon in den Durance. Das interessanteste Stück seines Laufes befindet sich zwischen Castellane und der Galetas-Brücke kurz vor dem Lac de Sainte-Croix. Die Schlucht von Verdon definiert über weite Strecken die Grenze zwischen den Départements Var im Süden und Alpes-de-Haute-Provence im Norden. Das Gebiet ist in drei Teilabschnitte gegliedert: die „Prégorges“ zwischen Castellane und der Brücke bei Soleils; die Schlucht zwischen der Brücke und l’Imbut; der Canyon zwischen l’Imbut und der Brücke von Galetas. Die Schlucht ist am Grund zwischen 6m und 100m breit, die gegenüberliegenden Flanken sind zwischen 200m und 1500m voneinander entfernt und die Tiefe variiert zwischen 250m und 700m.

Wie schon erwähnt war der Canyon du Verdon für uns an diesem Tag eine besondere Herausforderung. Sicherlich galt es einige Höhenmeter zu überwinden, aber im Vergleich zu den Vortagen eine Kleinigkeit. Das Hauptproblem war ganz einfach die enorme Hitze – 40°C im Schatten. Dafür entschädigte uns am Ende der Schlucht der traumhafte Ausblick  auf den Lac de Sainte-Croix. In Roumoules stiegen wir wieder vom Rad und überstellten sozusagen die letzten 130 Kilometer nach Sisteron mit dem Bus. Im Rückblick muss ich jedoch anmerken das bis auf den Schluchtausgang der Canyon du Verdon eher enttäuschend war.

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Tag 6:

76km; 1400hm
Montbrun-les-Bains – Sault – Mont Ventoux – Malaucene – Carpentras

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GPSies - Genf - Avignon 2006 - Tag 6

Der absoluten Höhenpunkt von der Stimmung her, denn der Mythos Mont Ventoux, der Berg der Berge stand auf dem Program. Zuvor möchte ich aber noch ein paar Zeilen über unsere Unterkunft in Sisteron verlieren. Sisteron und das Hotel du Cours sind eine Reise Wert. Ausgezeichnetes Essen (lediglich beim Käse war man etwas sparsam) , ein reichhaltiges Frühstück sowie schöne Zimmer machen dieses Hotel zu einer echten Empfehlung. Auch an diesem Tag entschlossen wir uns einige wenige Kilometer mit dem Bus zurückzulegen. In Montbrun-les-Bains startete dann aber das Abenteuer Mont Ventoux. Um  unsere Stimmung einschätzen zu können, einfach das Foto genauer anschauen!

DSC00264 Die Ostrampe die wir für unseren Aufstieg wählten gilt als die Leichteste und ist sie sicherlich auch. Aber ab dem "Chalet Reynard" wo sich die Südrampe mit der Ostrampe verbindet war es mit der Gemütlichkeit vorbei. Der Mont Ventoux ist ein letzter Alpenausläufer und steht allein auf weiter Flur. Das lässt ihn von unten wahrlich gigantisch wirken, während man von oben eine unglaubliche Rundumsicht hat. Im Süden liegt das Flachland von Vaucluse vor einem, und davor die Gorges de la Nesque. Im Osten sieht man den Signal de Lure (1826 m) vor den voralpinen Hügeln. Im Südosten erstreckt sich die Rhôneebene und das Rhônedelta. Der Gipfel entbehrt jeder Vegetation. Einige TV- und Radarantennen und dazugehörige Gebäude verstärken den Eindruck der Mondlandschaft. Wie schon erwähnt ist die Ostrampe über Sault die relativ leichteste Tour zum Mont Ventoux. Die Anfahrt ist aber mit 26 km auch die Längste. Dafür kommt der Schnitt nicht über gemäßigte 4,4% hinaus. Einige noch flachere Ruhepassagen sorgen für einen angenehmen Aufstieg. Den Ausgangspunkt kann man auf einen großen Parkplatz in Sault festmachen. Übrigens lädt Sault zum Bummeln ein und es gibt bestimmt einige Gelegenheiten, seine Kraftspeicher aufzufüllen. Hinter Sault, der sogenannten Lavendelstadt, fährt man zuerst durch die Anbaufelder ca. 5 Kilometer zum bewaldeten Anteil der Fahrstrecke, die ihr Ende am Chalet Reynard findet. Alles im allem ist es eine moderate Besteigung des Mont Ventoux. Am "Chalet Reynard" gibt es einen Brunnen mit Trinkwasser. Er befindet sich links vom Chalet zwischen zwei hohen, rot-weißen Stangen. Doch höher frequentiert ist eindeutig das Chalet selbst, das vor den letzten Strapazen zum Gipfel noch einmal zur Rast einlädt. An schönen Tagen sieht man an den zahlreichen Rennrädern an der Terrassenbrüstung, wie viele Radler dieser Versuchung erliegen. Unmittelbar nach dem "Chalet Reynard" fährt es sich sehr angenehm, die Steigung ist mit ca. fünf Prozent schon eine echte Erholung. Nach einem Kilometer ist der Spaß wieder vorbei und es geht mit acht Prozent die letzten fünf Kilometer nach oben. Besonders reizend fand ich die allerletzte Kurve vor dem doch sehr kleinen Plateau, ich hatte etwas Angst, nach hinten rüber zu fallen.

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Das besondere an diesem Tag war neben dem blauen Himmel die Windstille, denn er Name des Berges leitet sich wahrscheinlich von „Mons Ventosus“ (windiger Berg) ab. Somit gehört unfassbares Glück dazu wenn man den Mont Ventoux ohne Gegenwind bezwingen will. Aber was soll ich sagen – wenn Engel reisen. Für mich persönlich war der Mont Ventoux eines der schönsten und unvergesslichsten Erlebnisse. Der heilige Berg der Provence kann es allemal mit jeden der Alpenriesen aufnehmen. Das landschaftliche Erlebnis ist sowieso einzigartig!

Nach 1,5 Stunden am Gipfeln brachen wir nach Carpentras zu unserer letzten Unterkunft auf und kehrten im  Hotel Safari ein. Die Zimmer und das Abendessen waren wie fast gewohnt bestens. Zum Frühstück kann ich leider nicht viel sagen da wir schon um 5 Uhr morgens unsere Heimreise antraten. Wenn ich jetzt so zurückblicke war die 2006er Tour die wahrscheinlich Schönste aber sicherlich auch die härteste Tour. In Summe brachten wir es auf 583 Kilometer 13300 Höhenmeter.


Route Grand des Alpes 2005

August 1, 2009

rennradlogo

 

 

 

Nach langen Jahren von "l Alpe-de Huez, das wär schon was" habe ich 2004 mit der Planung der großen Schleife (zumindest den Teil durch die französischen Alpen) durch Frankreich begonnen. So eine Planung kann ganz schön aufwendig werden, vor allem wenn man sie das erste Mal macht – Etappe zu schwer, zu leicht, ein nettes Hotel finden, usw.. Schließlich bin ich dann aber über den Tourenplaner und die wahrscheinlich beste Seite was Pässe betrifft, nämlich www.quaeldich.de gestoßen. Im Herbst 2004 war dann auch die Planung so weit abgeschlossen und die Route Grand des Alpes 2005 wartet darauf bezwungen zu werden. Es haben sich auch noch einige Verrückte gefunden die bereit waren mit mir die angepeilten 650km und 16500 hm in Angriff zu nehmen. Jene Vier die auch dem Fieber der französischen Alpen erlegen sind, sind mein Vater Alfred, mein Onkel Hermann, zwei gut Bekannte Herbert und Fred und schließlich noch mein Onkel Hansi der sich dankenswerter Weise als Busfahrer, Betreuer, Mentaltrainer und Fotograf zur Verfügung stellte! Die Höhepunkte markierten gleich am ersten Tag l’ Alpe-de Huez, les Deux-Alpes, der Col du Galibier am 2. Tag und schließlich der Col de l’Iseran am 3. Tag. Aber auch der Anstieg hinauf zum Cormet de Roseland oder Val Thorons werden unvergesslich bleiben.

Eine kleine Anmerkung noch in eigener Sache. Einige Textpassagen, vor allem Detailbeschreibungen zu den Pässe sind der Seite www.quaeldich.de entnommen. Danke!

Tag 1:

105km; 2857hm
Vizille – le Bourg-d’Oisans – l’Alpe-de’ Huez – Col de Sarenne – Bge du Cambon – les Deux-Alpes – Bge du Cambon – la Grave

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GPSies - Route des Grandes Alpes 2005 - Tag 1

Tag Eins der Tour 2005 kann aus der Sicht des Radsportfan fast nicht überboten werden. Eine kleine Episode (im nachhinein ja ganz witzig) gab es gleich zu Beginn. Schlau wie wir waren haben wir unseren Kühlschrank im Bus nicht von der Batterie genommen. Nicht so gut für die Batterie wie sich herausstellte – absolut null Saft zum Starten. Blauer Himmel, l’Alpe d’Huez und kein Bus. Perfekter Auftakt! Und dann noch ein lauter Knall als wir Starthilfe bekamen! O-Ton von meinem Vater: "Jetzt is olles hin". Naja, so schlimm war es dann doch nicht. Der Knall kam nicht vom Auto sondern von einem geplatzten Rennradreifen der sich just in dem Moment in seinen Bestandteile zersetzte als mein Onkel mit den Starterkabeln die Batterie berührte. Um 9.00 Uhr schnurrte dann der Bus schließlich und unter blauem Himmel stand gleich zu Beginn der Mythos l’Alpe d’Huez am Speiseplan. Das Örtchen l’Alpe d’Huez an den Hängen des 3327m hohen Pic du Lac Blanc hat vor allem als französisches Wintersportzentrum eine wirtschaftliche Bedeutung. Entsprechend groß ist das Interesse des Ortes, Etappenziel und Bergankunft der Tour de France zu werden, um so auch im Sommer für Interesse zu sorgen. Die Tour-Direktion ist diesem Wunsch in den letzten Jahren reichlich nachgekommen, und die Geschichten der wiederkehrenden Kämpfe um den Tagessieg in den Serpentinen von l’Alpe d’Huez haben die Auffahrt zum Klassiker werden lassen.

Tatsächlich hat die Straße hinauf in das Wintersportzentrum für Radsportfreunde einiges zu bieten. Im Örtchen le Bourg d’Oisans (730m) macht die N91 von Grenoble aus kommend einen scharfe Linkskurve, führt über das Flüsschen Romanche und einige Meter dahinter biegt man nach links ab auf die Straße nach l’Alpe d’Huez. Der Anstieg beginnt wenige hundert Meter dahinter. Der Knick in der Strasse war etwas beängstigend (12%) aber ansonsten geht es gleichmäßig mit Steigungen von 10 bis 11% über 14km bis auf 1860m Höhe.

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Die Straße ist extrem gut ausgebaut und durchgehend zweispurig. Berühmt in Radsportkreisen sind ihre 21 Serpentinen, in denen sie die steilen, zum Teil felsigen Hänge hinaufführt. Diese Serpentinen sind nummeriert von Nummer 21 ganz unten bis zur Nummer eins kurz vorm Ortseingang. In jeder Kurve stehen Schilder mit der Nummer der absolvierten Serpentine und einer Höhenangabe.

Eigentlich hatte ich mir l’Alpe d’Huez wesentlich schwieriger vorgestellt als es dann tatsächlich war. Wer jedoch mit hohem Tempo unten hinein fährt und immer genau auf die Schilder achtet, die einem sagen wieviel Serpentinen noch vor einem liegen, der versteht schnell, was l’Alpe d’Huez zum Radklassiker macht.

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Im Anschluss an Alpe d’Huez ging es dann noch weiter über den schönen Col de Sarenne. Denn Alpe d’Huez ist keineswegs eine Sackgasse, für die es häufig gehalten wird. Über den Sarenne geht es nach Westen weiter nach Mizoen am Stausee Barrage du Chambon, der 14 km östlich von Bourg d’Oisans liegt.

Den zweiten Höhepunkt an diesem Tag bildete les Deux – Alpes. Hermann und Fred genehmigten sich ein Bierchen während Herbert, mein Vater und meine Wenigkeit uns les Deux-Alpes zu Gemüte führten. Les Deux- Alpes ist kein Alpenpass, sondern eine Stichstraße zu dem gleichnamigen Skidorf. Die Hochstraße, die im Departement Isere liegt, führt hinauf zu dem Massif du Soreiller mit dem la Meije (3983m). Im Süden schließt sich das Massif des Ecrins an, das von dem weit ausgedehnten Nationalpark Ecrins umgeben wird. Im Ort selbst war dann einiges los, von Skitourengehern bis Mountainbiker war alles vertreten. Die 11km lange Straße zieht sich durch teilweise tiefen Mischwald nach oben, wobei 10 nummerierte Serpentinen zu bezwingen sind. Die Steigungswerte sind auf den ersten Kilometern mit 8 – 9% zwar relativ hoch, doch verteilen sich diese sehr gleichmäßig und gegen nicht über 10%. Ab der Hälfte geht die Steigung leicht zurück auf humane 5 – 6%, die sich auf weit ausgedehnte Serpentinen ausstrecken. Somit ist die Straße sehr rhythmisch zu befahren, was den Anstieg doch erleichtert. Mit zunehmender Höhe lichtet sich auch der Mischwald und herrliche alpine Panoramen werden sichtbar, an den seitlichen Hängen sind häufig Schiefergesteine zu sehen. Les Deux- Alpes selbst ist ein Retortenskiort, wie es viele davon in Frankreich gibt. Interessant macht Les Deux- Alpes, die Tatsache, dass der Anstieg 1998 eine Bergankunft bei der Tour de France war. Daher führen auch die Strassenbemalungen mit Aufschriften der bekannten Radprofis. Es war nämlich auch genau der Anstieg an dem Jan Ullrich die Tour verloren hat, als er bei miserablen Wetter 9 Minuten Rückstand auf Marco Pantani hatte. Diese Ereignisse machen Les Deux- Alpes legendär und verleihen der Auffahrt noch zusätzlich eine gewisse Atmosphäre.

Tag 2:

102km; 2300hm
la Grave – Col de Lautaret – Col du Galibier – Valloire – Col du Telegraph – Michel de Maurienne – Lanslebourg

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GPSies - Route des Grandes Alpes 2005 - Tag 2

Am 2. Tag stand einer der mächtigsten und wohl auch bekanntesten “Cols” der französischen Alpen im Mittelpunkt, der Col du Galibier. Der Wettergott blieb uns wohl gesonnen und so ging es um ca. 8:30 bei schönsten Bedingungen los – hinauf zum Col de Lautaret. 

Der Col du Lautaret ist ein Verbindungspass vom Oisans ins Briançonnais. Dieser führt auf der Westrampe durch das wildromantische Romanchetal, das den recht starken Autoverkehr durch gigantische Blicke unter anderem auf die Gletscherspitzen der Meije (3983m) mehr als kompensiert. Große Bedeutung hat der Lautaret auch als Verbindungspass der Pässefahrer, denn wer den 9km entfernten Col du Galibier von Süden befahren möchte, kommt hier vorbei. An dieser bekannten Kreuzung machten auch wir eine kleine Pause und natürlich auf jede Menge Fotos – man fährt schließlich nicht alle Tage auf den Col du Galibier. Von links nach rechts Herbert, meine Wenigkeit, Alfred, Hermann und Fred.

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Der 2645m hohe Col du Galibier gehört zu den höchsten asphaltierten Übergängen der Alpen. Er verbindet die Maurienne (Arc-Tal) im Norden mit dem Guisane-Tal und Briancon im Südosten sowie le Bourg-d’Oisans und Grenoble im Südwesten. Regelmäßig bildet er das Dach der Tour de France und hat wegen seiner langen und recht steilen Anstiege die Rundfahrt nicht selten entschieden. Sicherlich kann die Südseite des Col du Galibier in puncto Schwierigkeitsgrad nicht ganz mit der „Mörder-Kombination“ aus Col du Telegraphe und Galibier-Nordseite mithalten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn der von beiden Seiten recht flache, aber dafür auch um so längere Col du Lautaret will schließlich auch erst mal bezwungen werden und Höhenmeter bekommt man bekanntlich nirgendwo geschenkt!

Egal, die Straße wird sofort nach der Abzweigung deutlich schmaler und führt stetig bergan. Auch der Verkehr hat im Vergleich zum vielbefahrenen Lautaret schlagartig nachgelassen. Die Auffahrt ist unerwartet unspektakulär, es gibt vor allem im unteren Teil der Südrampe kaum Kehren. Dafür ist die Landschaft hier oben um so aufregender, ein karges aber höchst faszinierendes Hochgebirgspanorama tut sich auf. Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch die Tatsache, dass es hier oben keine Leitplanken gibt. Dank des wirklich geringen Verkehrs zwingt einen aber auch niemand, am äußersten Straßenrand zu fahren. Nach 7,6km Bergfahrt erreichen wir auf einer Höhe von 2556m den „alten“ Kulminationspunkt des Galibier, denn bis 1979 ging es von hier aus ausschließlich durch den 363m langen Galibier-Scheiteltunnel weiter. Bis hierhin betrug die durchschnittliche Steigung 6,5 % (gerechnet ab dem Col du Lautaret), zweistellige Steigungsspitzen waren bisher nicht zu „beklagen“. Doch wir wollen schließlich weiter zum Gipfel (abgesehen davon ist der Tunnel ohnehin für Radfahrer gesperrt), deshalb biegen wir bei Europas höchstgelegener Verkehrsampel (!) nach rechts ab, um die 1979 errichtete Scheitelstrecke zu erklimmen. Und jetzt kommt der Hammer: während man es von anderen Pässen gewohnt ist, dass diese auf den letzten Metern meistens etwas flacher werden, ist es beim Galibier genau umgekehrt! Es beginnt jetzt ein hammerharter Schlussanstieg, auf den letzten 900m sind immerhin noch 90hm zu überwinden. Dies entspricht also ziemlich genau 10,0 % Durchschnittssteigung, die Spitzensteigung hier oben beträgt sogar bis zu 12%! 900m Schlussanstieg klingt zwar harmlos, doch angesichts der dünnen Höhenluft und der Tatsache dass man nun schon weit über 1000hm in den Knochen hat, wird manch einer heilfroh sein, wenn sein Renner mit dem Segen eines „Rentnerritzels“, sprich Dreifach ausgestattet ist.

8,5km nach dem Lautaret erreichen wir schließlich die „neue“ Passhöhe des Galibier, sie liegt in einer scharfen Rechtskurve und ist vergleichsweise unspektakulär. Außer einem kleinen Parkplatz gibt es hier nicht viel, dafür ist die Aussicht (siehe Foto)  – insbesondere auf die jetzt vor uns liegende Abfahrt in Richtung Valloire – um so spektakulärer!

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Ein paar Fotos, ein Gipfelbierchen, recht rasch Umziehen, denn auf 2600m wird es dann doch recht schnell frisch und dann stürzten wir uns hinunter ins Valloire Tal – ein unglaubliches Gefühl zumindest wenn man so ein Wetter erwischt wie wir. In Michel de Maurienne fanden wir eine recht nette Trattoria (gleich auf der rechten Seite wenn man vom Col de Telegraph herunterkommt). Auch waren wir alle sehr froh nicht die Nordrampe von Valloire genommen zu haben, denn sie ist, so hatte es zumindest damals den Anschein extrem lang und ziemlich steil. Von den Temperaturen an diesem Tag ganz zu schweigen. Ein Jahr später wurde unser erster Eindruck dann bestätigt!
 
Nach der Stärkung ging es dann bei höllischen Temperaturen (wie gesagt wenn Teer zu rinnen beginnt ist es wirklich heiß -  geschätzte 38°C) weiter in Richtung unseres Etappenziels, Lanslebourg. Durch eine Baustelle mussten wir dann auch noch einen kleinen nicht geplanten Anstieg meistern. Danach hatten wir auch angesichts der Temperaturen alle ziemlich genug. Schließlich kamen wir so gegen 17:30 im wunderschönen Lanslebourg an. 

Tag 3:

117km; 2350hm
Lanslebourg – Col de l’Iseran – Val d’ Isere – Ste-Foy Tarentaise – la Rosiere – Seez

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GPSies - Route des Grandes Alpes 2005 - Tag 3

Der 3. Tag gilt im Allgemeinen als der Schwierigste – man merkt die Strapazen der Vortage, der Körper hat sich noch nicht so richtig auf die Belastungen eingestellt und man hat meistens “schwere Beine”. Ich kann das jedoch NICHT bestätigen! Mir ging es prächtig – super Beine, traumhaftes Wetter und einer der schönsten Pässe Europas, der Col de l’Iseran. Für mich gehört der Col de l’Iseran  zu den fünf schönsten Pässen der Alpen.

Der Col de l’Iseran verbindet das Tal der Isere mit dem Tal der Arc. Mit einer Passhöhe von 2764m ist er hinter der Cime de la Bonette der zweithöchste asphaltierte Alpenpass. Eins sei noch gesagt: Für viele gilt der Col de l’Iseran als wahrhaft höchster Pass der Alpen. Denn beim 2802m hohen Cime de la Bonette handelt es sich ja nicht um einen Pass im eigentlichen Sinne, sondern lediglich um eine künstliche Schleife – auf der Jagd nach dem Prädikat höchster Alpenpass.

Die Südrampe des Col de l’Iseran weist eine starke Zweiteilung in Vorspiel und Hauptanstieg auf. Nur gut 400hm werden auf den ersten 19km bis Bonneval sur Arc überwunden. Wenig weiter beginnt der eigentliche Anstieg, und auf gut 13km Strecke werden die restlichen gut 900hm erklommen.
Mit Steigungen zwischen 2 und 4% führt die Straße auf den ersten 3km entlang der Arc von Lanslebourg (1399m) nach Lanslevillard (1475 m). Über einige Serpentinen folgt ein ca. 4km langer, mit teilweise gut 10% auf der ersten Hälfte sehr steiler Anstieg von etwa 300hm. Ein kleiner Teil hiervon geht während eines knapp 2km langen Gefälles zu einer Brücke auf gut 1700 m über die Arc wieder verloren. Hinter dieser Brücke erreicht die Strecke kurzfristig nochmals Steigungen um 3%, ansonsten sind die letzten 10km bis Bonneval sur Arc auf gut 1800m Höhe nahezu steigungsfrei. 
In Bonneval sur Arc überquert die Strecke mit einer 180° Kurve nach links den Fluss und erreicht wenige hundert Meter weiter den Berghang. Hier beginnt der eigentliche Anstieg von gut 13km Länge und 900m Höhe. Im Gegensatz zu den Anstiegen auf der Nordrampe ist hier die Steigung wenig ausgeglichen. Während auf einigen teilweise gut 1000m langen Flachstücken kaum Höhe gewonnen wird, beträgt auf der restlichen Strecke die Steigung fast durchgehend mindestens 8%. Zunächst führt die Strecke etwa eineinhalb Kilometer Tal auswärts den Hang hinauf, bevor sie noch immer stark steigend zurück und oberhalb von Bonneval links in ein Seitental hinein führt. Nach 4 km, die bisherige Steigung betrug meistens 8-10%, erreicht man hier die erste Flachstelle von etwa einem Kilometer Länge. Mit erstmals längeren Abschnitten mit über 10% folgt an der rechten Talseite der nächste Anstieg. Nach 9km erreicht man in etwa 2500 m Höhe die nächste Flachstelle von über 1000m Länge. Der 2,5km lange Schlussanstieg vollzieht sich bei 8-11% zunächst kurvenarm dem Tal folgend. Nur auf den letzten 1000m liegen noch einige wenige Kehren.

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Wie gesagt einer der schönsten Pässe die ich bis jetzt gefahren bin – wenn man gerade in der Gegend ist oder eine Tour plant ist dieser Pass Pflicht! Mir persönlich gefällt ja die Südrampe wesentlich besser als die Nordrampe: Praktisch kein Verkehr, keine Autobahnauffahrt und landschaftlich nicht zu überbieten. 2764m und 25°C hat man auch nicht alle Tagen, naja wir hatten Glück und konnten das Sensationspanorama bei diesen angenehmen Temperaturen voll genießen.

Die Abfahrt ist nur auf den ersten 10km kurven- und kehrenreich. Im weiteren Verlauf bis Val d’Isere folgt sie dem abfallenden Tal der Isere. Oberhalb des Stausees entlang folgt durch mehrere Tunnel und Galerien eine etwa 7 km lange nahezu ebene Passage bis zur Staumauer. Die weitere Abfahrt folgt dem Tal kurvenarm an der rechten Hangseite. So gegen 15.30 kamen wir in unserem Quartier in Seez an. Nachdem die Quartiere bezogen waren, beschlossen Herbert, Alfred und ich noch den kleinen St. Bernhard anzutesten. Eine kleine Episode zum Hotel – übrigens das einzige Mal das ich mich mit Englisch nicht verständigen konnte und auf Zeichensprache umstellen musste. Ansonsten war ich von Frankreich doch sehr überrascht, super freundlich, Ale, Ale Zurufe und alle wirklich bemüht! Wahrscheinlich kann man in den französischen Alpen mit einem Rennrad nicht sehr viel falsch machen? In La Rosiere war dann wirklich Schluss und wir gönnten uns noch 1-2 Diesel (Bier mit Cola) bevor es dann wieder zurück in unser Quartier ging.

Tag 4:

84km; 1700hm
Seez – Bourg-St. Maurice – Cormet de Roselend – Col de Meraillet – Col de Pre – Beaufort – Albertville – Moutiers

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GPSies - Route des Grandes Alpes 2005 - Tag 4

Nach den vergangen drei wirklich nicht allzu leichten Tagen sollte dieser Tag sozusagen unsere Erholungsetappe werden. Und wie es sich so für einen Erholungstag gehört fing er auch gleich mit etwas Regen am Morgen an – also hieß es erst mal warten. Es dauerte allerdings nicht lange (1 Stunde) und die Sonne setzte sich wieder durch, sodass wir den Tag in Angriff nehmen konnten. Der Pass des Tages hörte auf den Namen Cormet de Roseland, der in den letzten Jahren recht häufig von der Tour de France befahren wird.

Der Cormet de Roseland ist einer der abwechslungsreichsten Strecken der Alpen und verbindet Albertville im Westen mit Bourg St. Maurice im Osten. Ist er im Teil zwischen Beaufort und dem Vorpass Col de Méraillet noch bewaldet, so endet die Bewaldung genau dort und gibt einen atemberaubenden Blick auf den Lac de Roselend (1533m) frei. Das Zwischenstück vom See zum Pass ist karg alpin, aufgefrischt durch den Lauf der springenden Neuva. Der Pass selber liegt windgeschützt im Schatten der Crête des Gittes (2542m) im Norden, der la Clavetta (2644m) im Osten und den Spitzen Aigle du Grand Fond (2889m) und la Terrasse (2891m) im Süden.
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Unsere Auffahrt startete im Ort Bourg-Saint-Maurice, von wo aus man in fast alle Himmelsrichtungen herausfordernde Anstiege in Angriff nehmen kann. Beispiele sind der Col du Petit St. Bernard und natürlich der Col de l’Iseran. Am Startpunkt der Auffahrt geht es gleich mit 6% Steigung in die ersten Kilometer. Nachdem man die letzten Gebäude des Ortes passiert hat, verläuft die Straße in bewaldetem Gebiet bei einer recht ausgewogenen mittleren Steigung von 7 bis 8% geradewegs durch das tief eingeschnittene Tal. Für etwas Abwechslung sorgt die 10-fache Serpentinenkombination nach etwa 7 km. Bei freier Sicht zurück durchs Tal sollte sich einem hier der Blick auf den imposanten, schneebedeckten Gipfel des Mt. Pourri (3779m) im Vanoisemassiv eröffnen.
Den Serpentinen folgt alsbald ein 1km langes Flachstück, das einem noch einmal die Möglichkeit zum Durchatmen verschafft, bevor es wieder mit der gewohnten Steigung weiter geht. Nach Überquerung des Torrent des Glaciers auf der Pont St.-Antoine schmiegt sich die Straße an die linke Hangseite. Die Vegetation wird immer spärlicher, und Geröllhalden vermitteln hochalpine Eindrücke. Bei Kilometer 13 zweigt eine kleine Straße zum Campingplatz im Talkessel auf der rechten Seite ab, auf den man im Folgenden einen guten Blick hat. Auf nun zwischenzeitlich wieder weniger direktem Wege windet sich die Straße bei Maximalsteigungen bis 9% die letzten 6km und 400hm im nach links abzweigenden Taleinschnitt bis zur Passhöhe hinauf. Die Südostrampe des Cormet de Roselend mag vielleicht nicht ganz so schön wie die Westrampe von Beaufort sein. Allerdings wird auf der Abfahrt zum Col de Méraillet einem der plötzlich hinter den Felswänden auftauchende Lac de Roselend unter Garantie den Atem stehlen – Weiterfahrt ohne Fotostopp absolut ausgeschlossen!

PICT0182Am Passübergang änderte sich das Wetter dann wieder recht schlagartig und ein Gewitter zwang uns von den Rädern kurzfristig in den Bus zu steigen. In solchen Situationen ist man dann doch ganz froh ein ständiges Begleitfahrzeug zu haben! Nach einer auch mit dem Bus atemberaubenden Abfahrt – solche Steilhänge sieht man selten – stiegen wir in Beaufort wieder auf das Rennrad. Naja 1 Stunde später und 20 Kilometer weiter zog dann das nächste Gewitter auf (siehe Foto). Nach zwei weiteren Unterbrechungen schafften wir es aber doch noch nach Moutier wo wir schließlich etwas vom Regen durchnässt unser Quartier bezogen. Mit einem ausgezeichnetes Abendessen in unserem Hotel und ein paar Flaschen Hauswein ließen wir den Abend ausklingen.

Tag 5:

92km; 2300hm
Moutiers – Val Thorons – Moutiers

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - Route des Grandes Alpes 2005 - Tag 5

Einige werden sich jetzt Fragen was der Abstecher nach Birdes les Bains soll – einfache Erklärung: Wir haben uns verfahren! Da wir aber doch ein paar Kilometer und Höhenmeter gemacht haben, möchte ich diese Umfahrung aus der Route nicht entfernen. Dank eines sehr netten französischen Straßenarbeiters, welcher ca. 1 Kilometer mit uns im Bus mit fuhr und uns zur Auffahrt nach Val Thorons lotste, konnte schließich die eigentliche Etappe beginnen.  Da soll noch mal einer sagen die Franzosen sind eingebildet – so was möchte ich mal von einem Österreicher sehen! Wie auch immer, die Auffahrt nach Val Thorons ist eigentlich kein Pass im eigentlichen Sinn sondern einfach eine Stichstraße in eines der größten französischen Skigebiete.

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Trotzdem hat die Auffahrt einiges zu bieten. Neben einer wirklich beindrucken Landschaft müssen immerhin 50km und ca. 2000hm überwunden werden. Die Straße ist durchwegs sehr gut ausgebaut, allerdings von Autos in den Sommermonaten kaum befahren, was natürlich nicht wirklich ein Nachteil ist. Die Auffahrt kann mehr oder weniger in drei Teilstücke eingeteilt werden die jeweils um die 7 Steigungsprozente aufweisen und durch 2 kleine Abfahrten unterbrochen werden. Aufgrund der Länge sollte man diesen Anstieg jedoch auf keinen Fall unterschätzen, insbesondere die letzten Kilometer wo sich die Steigunsprozente nochmals auf ca. 9-10% erhöhen.  Val Thorons selbst ist einer dieser typischen französischen Ski-Orte – ausschließlich Hotels und praktisch kein Ortskern wie man ihn zum Beispiel von österreichischen Ski-Orten kennt. 

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Tag 6:

15km; 400hm
Moutiers – la Raclez

Eigentlich sollte der letzte Tag mit dem Col de la Madelaine und dem Col du Glandon nochmal wirklich hart und unvergesslich werden. Das Wetter machte uns aber einen Strich durch die Rechnung – es schüttete wie aus Kübeln und auch die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes. So schafften wir es nur bis la Raclez wo wir schließlich unsere erste Frankreichtour beendeten. Mit 515km und 11907hm war es ein sehr hartes aber auch unvergleichliches Erlebnis! Viva la France – Ich komme wieder!

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Dolomiti Tour 2005

Juli 19, 2009
rennradlogo dolomittour2005

Mit den Worten: “Wir müssen mal was zusammen machen!" fiel zumindest der geistige Startschuss für die Dolomiti-Tour 2005. Hannes, Freund und Radkumpel nahm sich der Planung an, da er zum Einen schon einige Südtirolevents hinter sich hatte und zum Anderen ein begeisterter Tüftler (so ist zumindest mein Eindruck) wenn es um Radtouren geht, ist.  In der Zwischenzeit dürfte er mich einigermaßen angesteckt haben, denn so einige Events darf ich auch schon auf meine Kappe schreiben. Egal, ich verlies mich also auf seine Fähigkeiten als Tourenplaner und wurde nicht enttäuscht. Auch der Wetterbericht lies die Vorfreude in die Höhe schnellen – 3 Tage Sonnenschein und beste Radbedingungen versprach der Wetterfrosch. Insgesamt war die Tour auf 3 Tage anberaumt, wobei zumindest die schönsten Südtiroler Pässe bezwungen werden sollten. Somit ergab sich der Plan 2 Tage in den Dolomiten zu verbringen, dann in Richtung Meran aufzubrechen um dort den wohl legendärsten Pass in Südtirol zu erklimmen, nämlich das Stilfser Joch. Die Dolomiten selbst stehen aber bezüglich Bekanntheitsgrad und landschaftlicher Schönheit dem Stilfser Joch um nichts nach. Am weiteren Programm standen somit der Passo di Campologno, Passo Pordoi, Sellajoch, Grödnerjoch, Passo die Falzarego und Passo die Giau. Auch was das Quartier betrifft muss man dem Organisator ein großes Lob aussprechen. Hannes organisierte für die zwei Tage in den Dolomiten ein sehr nettes Appartement. Ein Appartement ist im Gegensatz zu einem Hotelzimmer recht angenehm da man wesentlich mehr Platz hat und bei Bedarf auch noch schnell was kochen kann. In Meran stand nur eine Übernachtung an und so entschieden wir uns für ein Zimmer in einem kleineren Gasthof. Als Zeitpunkt wurde das verlängerte Wochenende vom 26.5.2005 bis zum 29.5.2005 gewählt. Wie immer sind Details zu den Pässen der Seite www.qualdich.de entnommen.

Tag 1

57km; 1900hm
La Villa – Corvara – Passo di Campologno – Arabba – Passo di Pordoi – Passo di Sella – Grödnerjoch – La Villa

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - Dolomiti Tour 2005 - Tag 1

Gleich am ersten Tag stand die berühmt berüchtigte Sellarunde auf dem Programm. Nach einem ausgedehnten Frühstück rollten wir bei traumhaften Wetter um ca. 9.30 Uhr in Richtung Corvara zum Passo di Campologno los – zum Warm werden sozusagen. Der Campolongo für sich genommen gehört sicher nicht zu den spektakulärsten Pässen der Dolomiten. Er ist weder der längste, noch der steilste und von Corvara aus gesehen auch sicherlich kein hoher Dolomitenpass. Für Radfahrer hat er in erster Linie Bedeutung als vierter Pass der legendären Sella-Runde bestehend aus Passo Pordoi, Sellajoch, Grödnerjoch und eben Campolongo. Und genau diese Runde stand heute für uns auf dem Program! Trotzdem bietet er mit einigen schönen Blicken hinunter auf Corvara und den grünen Bergwiesen, durch die sich die Straße schlängelt, eine freundliche Landschaft, kontrastiert von den alles überragenden, schroffen Felswänden des Sella-Massives. Kein Muss für den Radfahrer, aber durchaus ein Vergnügen! Zum Pass selbst. Am Ende des Örtchens Corvara beginnt die Straße sich in einigen steileren Serpentinen über grüne Kuhwiesen nach oben zu schlängeln. Dabei ergeben sich immer wieder schöne Blicke hinunter auf die Häuser im Tal. Hat man die Serpentinen einmal hinter sich gelassen, führt die Straße recht gerade ein flacheres Tal hinauf. Die eine oder andere Kurve ist noch zu durchfahren, dann erahnt man auch schon die Passhöhe am Ende des noch immer grünen Tales. Zur rechten ragt das Sella-Massiv auf, und da die Straße hier oben flacher geworden ist, kann man in aller Ruhe nach Kletterern Ausschau halten, die sich an den Felswänden versuchen. Die Straße ist in gutem Zustand und durchgehend zweispurig befahrbar. Der Belag ist einwandfrei. Nach einer kurzen Abfahrt nach Arabba wartete schon der Passo di Pordoi auf uns. Er verbindet Arabba mit Canazei im Fassatal und war schon des öfteren Zielankunft beim Giro d’Italia. Der Passo di Pordoi ist mit seinen 2239m der höchste asphaltierte Passübergang in den Dolomiten. Die Beschreibung beginnt in dem kleinen Bergörtchen Arabba (1600m), dem Endpunkt des Passo di Campolongo. Am Ortsausgang warten die ersten noch relativ flachen Kehren auf den Radfahrer. Nun folgt die SS 48, die große Dolomitenstraße, einem mehr oder weniger geraden Verlauf. Der Großteil der 33 nummerierten Serpentinen folgt im Schlussteil des rund 10 Kilometer langen Anstieges. Hat man die nächste Kehrengruppe erreicht, beginnt die Steigung wieder etwas zuzunehmen, aber leicht ist der Passanstieg zum Pordoi zu keiner Zeit, trotz seiner beiden relativ kurzen Rampen. Bis zum Passscheitel allerdings beträgt die Durchschnittssteigung zwischen max. 8 und 6%. Die kurvenreiche Strecke wird auch bis oben hin beibehalten, sodass der Trasse nie langweilig wird, es ist für jeden etwas dabei. Die Passhöhe selbst ist einigen Gasthäusern und Souvenirläden versehen und natürlich lässt sich so wie fast überall in Italien auch ein guter Espresso trinken.

PICT0021Die Sellarunde wäre natürlich ohne dem Sellajoch nicht vollständig. Eingeschlossen ist es von den Gipfeln der Sella-Gruppe (3151m) im Osten und dem Langkofel (3181m) im Westen. Der Passübergang bildet die Verbindung zwischen dem Grödner Tal und dem Fassatal. Interessanterweise findet die Passstraße ihren Hochpunkt nicht am eigentlich tiefsten Punkt zwischen Sella-Gruppe und Langkofel und damit am eigentlichen Sellajoch, sondern am ca 1 km weiter östlich in Richtung Canazei befindlichen, einmal unter dem Namen Col de Toi bekannten Passübergang (2244m). Dennoch bekennt sich das dortige Passschild mit der Höhenbezeichnung 2244m heute zum Passo Sella. Der eigentliche Anstieg zum Sellajoch beginnt schon in Canazei (1463m), aber kommt man vom Pordoijoch herunter, so biegt 5 Kilometer oberhalb von Canazei auf die SS 242 in Richtung Norden zum Sellajoch ab. An dieser Abzweigung befindet sich auch gleich der erste Höhepunkt, nämlich ein Denkmal an die italienische Radsportlegende Fausto Coppi, in Stein eingraviert. Noch ist man umgeben von dichtem Nadelgehölz, die Steigung der Strecke ist zwar nie wirklich hoch, aber lässt an keinem Meter auch nur ein bisschen nach. Man kann demzufolge relativ rhythmisch auf die Passhöhe pedalieren, sollte man jedoch schon viele Höhenmeter in den Beinen haben, ist Vorsicht angesagt. Besonders schön ist die Tatsache, dass man so gut wie nie auf lange gerade Stücke trifft, sondern ständig Kehren oder zumindest leichte Kurven zu absolvieren hat. Das macht vor allem im Anstieg Lust auf mehr, und so ist man durchaus ein wenig enttäuscht, dass nach gut 6,5 Kilometern (ab Abzweig Pordoi) bzw. 11,5 Kilometern (ab Canazei) bereits alles vorbei ist, denn dann hat man die felsige Passhöhe erreicht.

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Rund 6 Kilometer nicht allzu kehrenreiche Abfahrt hat man in Richtung Grödner Tal vor sich liegen, ehe sich die Straßen von Grödner Joch und Sellajoch vereinigen. Vom Sellajoch hinüber zum Grödnerjoch ist lediglich ein kleiner Gegenanstieg zu bewältigen. Nach den ganzen Höhenmetern kann aber auch dieser kleine Gegenanstieg noch weh tun. Konditionell ging es mir am ersten Tag ausgezeichnet – ich konnte Tempo fahren und hatte wirklich gute Beine. Auch am Sellajoch und am Grödnerjoch hatte ich keinerlei Probleme. Ein kleiner Tipp – Sonnencreme ist der beste Freund des Radfahrers, zumindest an solch einem sonnigen Tag. Da ich diesen Ratschlag nicht befolgte holte ich mir einen saftigen Sonnenbrand. Eine Portion Spaghetti im Appartement und ein Abendessen in la Villa versorgte uns schließlich auch noch mit den nötigen Kohlenhydraten für den nächsten Tag.

Tag 2:

84km; 2800hm
la Villa – San Cassiano – Passo di Valparola – Pocol – Passo di Giau – Passo di Falzarego – la Villa

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - Dolomiti Tour 2005 - Tag 2

An diesem Morgen geriet der Passo di Valparola in unseren Fokus. Zum Wetter brauche ich eigentlich nicht viel sagen – einfach die Bilder anschauen. Der Passo di Valparola verbindet das Gadertal (Val Badia) mit dem Valle d’Ampezzo. Im Norden liegt die Kreuzkofel-Gruppe mit der Zehnerspitze (3023m), südlich befindet sich der Settsass (2561m) und der Col di Lana (2462m). Eine Besonderheit aber gibt es noch: Das Valparolajoch hat eigentlich nur eine Passrampe, nämlich die von Westen, östlich bildet der Passo di Falzárego den Ausgangspunkt. Los geht es im Val Badia in Stern / La Villa, einige Kilometer nördlich von Corvara gelegen. Auf einer landschaftlich reizvollen Straße durchfährt man das Abtei-Tal, sowie den gleichnamigen Ort St. Kassian. Schon bald steigt die Trasse deutlich an, umgeben von Nadelwald muss man durchaus im Sattel arbeiten, sehr hohe Spitzensteigungen bleiben allerdings auf dem gesamten Anstieg im Großen und Ganzen aus. Nach gut der Hälfte der Westrampe bekommt der Radfahrer es nun auch endlich mit Serpentinen zu tun, die relativ human angelegt sind und die Passfahrt zu einem Genuss werden lassen. Von den berühmten Steinfelsen des Valparola ist weiterhin nichts zu sehen, erst im oberen Teil lässt sich hier und da mal ein kahler Felsen am Straßenrand blicken. Hat man das letzte steilere Stück überstanden, erreicht man das Rifugio Valparola auf 2192m Höhe, ein beliebter Einkehrpunkt für Rad- und Motorradfahrer aus der ganzen Welt. Die eigentliche Passhöhe liegt jedoch ein paar Meter weiter auf knapp 2200m, inmitten der riesigen Felslandschaft, die eindrucksvolle Motive liefert.

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Eine kurze Verschnaufpause auf der Passhöhe, ein paar Erinnerungsfotos schießen und dann rollten wir auch schon wieder weiter Richtung Passo di Giau. Die 27 km lange Passstraße verläuft zwischen Pocol im Norden und Caprile im Süden. Sie wechselt ihren Charakter von lieblich bis hochalpin. Schöne Aussicht in der Gipfelregion, die meisterhaft angelegte Trasse und feinster Asphaltbelag treiben den Fahrspaß zu ungeheurer Blüte. Die SS 638 hat im Norden ihren Ausgangspunkt bei Pocol, wo sie von der großen Dolomitenstraße nach Süden abzweigt. Auf den ersten 1,5 km fällt die Straße bis zum Falzáregobach ab. Hat man diesen überquert beginnt der Anstieg. Anfangs durchfährt man schöne Wiesen und lichten Wald, der zunehmend dichter wird, und dann keine Aussicht mehr preisgibt. Nach ca. 4 km kommt man zu kunstvoll übereinandergelegte Serpentinen. Auf der 10 km langen Nordseite zählt man bis zur Baumgrenze 31 Kehren, es folgen weitere, jedoch langgezogenere, im obersten Abschnitt des Anstiegs. Hat man den Wald wieder verlassen, können einem Kuhherden auf der Straße begegnen, was besondere Vorsicht erfordert. Der Blick öffnet sich nun in Richtung Süden auf den Monte Cernera und den Croda da Lago. Im vor einem liegenden Joch ist der Pass bereits zu erahnen. Wir empfehlen unbedingt in beschriebenen Richtung zu fahren, da die südliche Rampe in unseren Augen eine der schönsten Abfahrten der Alpen bietet, aber auch wegen der bereits erwähnten Gefahrenquelle mit den Kühen. Diese Seite weist nicht weniger als 24 Serpentinen auf, deren Kehren fast alle im Außenradius erhöht sind und im Innenradius stark abfallen, wodurch sie mit entsprechend höherer Geschwindigkeit zu durchfahren sind. Der Kurvenreichtum verhindert allerdings sehr hohe Maximalgeschwindigkeiten, obwohl 14% Gefälle aufwarten. Nach 12 km erreicht man Selva di Cadore. Nach weiteren 4 km kann man auf einem steilen asphaltierten Sträßchen nach Caprille gelangen, das Ausgangspunkt zur Westseite des Falzárego und zur Ostseite des Fedáia ist. Mit einem Begleiter muss man in Südtirol ständig rechnen und auch leben, nämlich Motorradfahrer. Allerdings muss ich jetzt mal eine Lanze für die Motorradfahrer brechen, denn wenn so gefahren wird wie in Südtirol sind sie auf jedem Pass gerne gesehen. Wie auch immer, als Abschluss galt es noch den Passo die Fazarego zu überwinden. Der Passo di Falzarego verbindet Andráz im Tal des Cordevole mit dem bekannten Wintersportort Cortina d’Ampezzo in den östlichen Dolomiten. Zusätzlich besteht eine Verbindung zum Passo di Valparola, über den das Gadertal zu erreichen ist.

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Im Norden wird die Passhöhe von den Felstürmen des Kleinen Lagazuoi um über 600m überragt, dessen Felswände im Ersten Weltkrieg Schauplatz des Gebirgskriegs zwischen Österreich und Italien waren. Die Österreicher hatten in den oberen Bereichen der Felswand Stellungen angelegt, während die Italiener darunter Stollen in den Berg trieben und schließlich die österreichischen Stellungen sprengten. Auf der Passhöhe findet sich heute deshalb ein Denkmal. Auf den Lagazuoi führt eine Kabinenbahn, und von oben aus hat man eine phantastische Aussicht auf die Passhöhe sowie die umgebende Bergwelt der Dolomiten. Allerdings kann es dort oben ziemlich windig und kalt werden.

PICT0105Der Falzarego bildet zusammen mit dem Passo Pordoi die Hauptverkehrsroute durch die Dolomiten in West-Ost-Richtung. Eine alternative Route führt weiter südlich über die Pässe Fedaia und Giau. Ausgangspunkt für die sehr angenehme Südwestauffahrt ist die Abzweigung der SR203 von der SR48 kurz hinter dem Ort Andráz. Die Straße weist insgesamt 17 Kehren auf, die teilweise gepflastert sind. Im oberen Teil befinden sich 2 Galerien mit einer Länge von ca. 40 und 100m sowie ein 50m langer, unbeleuchteter Tunnel. Die Steigung liegt durchweg bei etwa 4-8 %, niemals darüber. Die Steigunsprozente sind ja nicht wirklich furchteinflößend, hat man jedoch schon 2 Pässe hinter sich so wie ich an diesem Tag, dann kann es schon vorkommen das dieser Anstieg zur echten Herausforderung wird. Hannes konnte ich an diesem Anstieg sowieso nicht mehr folgen, es ging bei mir praktisch ums nackte Überleben. Was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, es sollte noch schlimmer kommen. Bevor wir die Abfahrt in Richtung Quartier in Angriff nahmen genehmigten wir uns auf der Passhöhen zur Belohnung einen feinen Diesel (Bier mit Cola). Ich muss gestehen das dieser Diesel außergewöhnlich gut schmeckte. Ob das wohl was mit der Quälerei am Falzarego zu tun hatte? Wirklich erholen konnten wir uns aber erst in Meran, denn zuvor stand noch eine 110km lange Autofahrt am Programm. Nach den Anstrengungen des Tages war ich recht froh das Hannes mit dem Auto fuhr. Nachdem das Quartier in Meran bezogen war gab es noch eine kleine Stärkung in einer nahliegenden Pizzeria. 

Tag 3:

65km; 2000hm
Prad – Umbrailpass – Stilfser Joch – Santa Maria – Prad

Auf GPSies die genaue Route und der GPS-Track zum Download:

GPSies - Dolomiti Tour 2005 - Tag 3

Die ersten Kilometer von Meran nach Prad legten wir mit dem Auto zurück. Im Rückblick eine sehr gute Entscheidung, denn das Verkehrsaufkommen in diesem Abschnitt macht nicht wirklich Lust auf Radfahren. Auf einem Parkplatz in Prad packten wir schließlich unserer Räder aus, denn das legendäre Stilfser Joch wartete. Wie sich später noch herausstellen sollte machte ich beim Zusammenbau des Rades einen folgeschweren Fehler. Nach ca. 5 Kilometer bemerkte ich das meine Bremse noch offen war und so blieben wir kurz stehen. Schon nach weiteren 5 Kilometern war mir klar das heute nicht mein Tag werden würde – ich im roten Bereich, Hannes mit Ruhepuls. Irgendwann ging es einfach nur mehr darum überhaupt noch die Passhöhe am Stilfserjoch zu erreichen. Als ich dann bei der Kehre 43 von einer Bikerin locker fröhlich überholt und abgehängt wurde, war der psychologische Tiefpunkt wirklich erreicht. Warum ich mir so schwer getan habe wird noch aufgelöst, vorerst aber zurück zum Stilfserjoch. Das Stilfser Joch liegt im Herzen des gleichnamigen Nationalparks eingeschlossen von der Ortlergruppe und dem Münstertal (Schweiz). Von Osten kommend durchfährt man das Trafoier Tal und gelangt Richtung Bórmio ins Valle del Braulio. Bei gutem Wetter erfreut den Radler das Panorama von Ortler (3905m) und Monte Scorluzzo (3094m).

Die Bormio-Seite wurde zum Giro d’Italia 2005 neu asphaltiert, die die Profis als Abfahrt benutzt haben. Ein Argument mehr, das Stilfser Joch von der klassischen 48-Kehren-Seite, also aus Osten von Prad anzugehen, auch wenn man natürlich die Bormioseite mit ihren 36 Kehren auch gefahren sein muss. Die klassische Strecke wird von Prad (913m) in Angriff genommen, am Sulden-Bach entlang ist die Straße zum Warmfahren geeignet. Ab Gomagoi (1267m) sind alle Serpentinen (48 !!) abwärts nummeriert und teilweise mit Höhenangaben versehen, was einem die Orientierung erleichtert. Bis Trafoi (1543m) hält sich das Kurvengeschlängel in Grenzen, doch ab dem Ortsausgang windet sich die Straße unwiderstehlich den Himmel. Mit der Tafel Nummer 22 an der Franzenshöhe (2188m) beginnt der 6 km lange furchterregende Steilhang, an dessen Ende schon die Tibethütte sichtbar ist. Genau bis zu dieser Franzenshöhe schleppte ich mich mit letzter Kraft hin um eine Pause einzulegen. Beim Schieben des Rades zu einem kleine Felsen merkte ich plötzlich das meine Vorderbremse leicht steckte. Na super!!! Ich völlig kaputt und all die Quälerei weil ich es nicht geschafft hatte den Reifen vernünftig zentral einzubauen. Das Stilfserjoch mit angezogener Bremse zu fahren – muss man nicht gemacht haben, wie man auch am Foto erkennen kann! Danach radelte es sich beinahe wieder wie von selbst.PICT0026Trotzdem gilt es, eine scheinbar senkrechte Felswand zu bezwingen. Die restlichen Kehren ziehen sich schier endlos bis man an der Passhöhe angekommen ist. Zahlreiche Souvenirläden, Restaurants und hunderte Motorräder umgeben das Passschild. Nicht selten begegnet man sogar im Sommer alpinen Skifahrern, während man selbst in kurzem Raddress schwitzt.

PICT0044Die Stilfser Joch – Straße ist ein Muss für jeden Radfahrer. Sie wird nicht umsonst als "Königin der Alpenpässe" bezeichnet und von Radsportheroen wie Tony Rominger als Lieblingspass genannt. Allein die atemberaubende Straßenbaukunst des Passes ist für das Auge ein Hochgenuss sondergleichen. Ganz zu schweigen von der einmaligen Naturkulisse, die man im Trafoier Tal zu durchradeln hat. In meiner persönlicher Liste der Alpenpässe ist sie ganz weit vorne zu finden, so wie es sich für eine Königin gebührt.

PICT0049 Am Passübergang herrscht dann Jahrmarktstimmung. Viele finden das ja nicht so toll, ich persönlich finde es ganz witzig und meine es gehört einfach zum Stilfser Joch dazu. Auch der Diesel schmeckte wieder besonders gut, aber wen wundert das schon. Nach 3,5 Kilometern Abfahrt erreicht man die Abzweigung zum Umbrail-Pass (2501m), gleichzeitig die italienisch-schweizerische Grenze, die in eine vegetationslose Hochgebirgslandschaft eingebettet ist. Von diesem ging es weiter nach Santa Maria und wieder zurück nach Prad. Eine super harte (zumindest für mich) aber auch traumhaft schöne Tour war zu Ende. Eines fällt mir noch ein: “Es wäre wieder an der Zeit was zusammen zu machen”!